Druckschrift 
3. Th. (1715) Deme zum Beschluß, Ein bewährtes, meistens aus eigener Erfahrenheit, und unterschiedlich-practicirten Manuscriptis, wohleingericht- sehr nutzliches Koch-Buch beygefüget ist In welchem, gantz besondere zu diesem Zweck, sehr curiose Materien, deren man sich, mit grossem Nutzen, und seiner Vergnügung bedienen kan, enthalten ...
Entstehung
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49
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Fassern wohl eingedruckt / also biß zum Verbrauchoder Verkaufs aufbehalten werden. Weilen aberauch die abgehende Stöcke wieder zu rechter Zeir er-neuert werden müssen / als ist zuforderst zu mercken/daß / wann solcher Abgang gar bald oder zeitig ge-schiehet/ man daraus abzunehmen/ daß der Grund ansolchem Orte untauglich / und deßwegen nöthig/ daßman bey Zeiten gute Erden darzu führe lind einmi-^

Dritten Theils Siebendes Buch.

sche/ welches dann auch besser als der Mist künfftigeZeit gut thun wird. Mit demHopffen-Nutzen aber/hat es insgemein diese Bewandnuß/ daß derjenige/welcher Mitte! und Gelegenheit hat / denselben beywohlfeiler Zeit in Vorrath zu lassen/ ins künfftige sichguten Nutzens davon-zu gerrösten; dann bald gerath/und bald wiederum verdirbt derHopffen/ deswegener auch bald theuer bald wohlfeil'wird.

xxxvi.V on dem süffen Holtz.

>As Süß-Holtz / Lateinisch l.!quiriris oderCilyc/rrki?» ist eine sehr lange Reben-mäjsigeWurtzel eines Fingers dick;Dicfeivird gemei-alich zu grossen Kranken gewunden / auf welche Artjie auch sicherer als in Büschlein geschnitten / gekaufferwird/ weil in diesem viel Unflath/ so nichts taugt/könn-te eingebunden werden.

Wann man das frische Süß-Holtz einkauffet/muß man sehen / daß es dicht und glatt / eines Fingersdick/ auswendig rörhlich-braun/innwendig aber schönGold-gelb / anbey eines recht süssen und annehmlichenGeschmacks sey / und leicht zerschnitten werden könne.Unterdessen muß man es wohl in Acht nehmen / damites nicht verderbe/dann es gar bald angehet/und gleich-sam den Brand kriegt/ welcher / so es nur an einemOrt angegriffen wird / bald die Wurtzel verderbenkan; und geschiehet dieses leichtlicher/ wann es durchRegen oder Hagel geführet / oder im Keller gehaltenwird. Weswegen auch ?omec in'seiner ttitt. clesVrvßues I.. I. z s. P2H.90. niemanden rathen will /daß er sich mit dieser Wurtzel zu handeln unterfange/wofern er nicht alles wohl verstehe / dann es eine gros-se Sorgfalt erfordert/ solche zu conlervirm/ und an-zubringen. So muß man auch in Kauffung der dür-ren Wurtzeln zusehen/ daß es keine Auswürffeseyen/welche gemeiniglich scbwartz und verlegen sind. Diebeste muß auch schön gelb und recht trucken seyn / wel-che sich wohl Jahr halten lässet. Der Nutz undGebrauch dieser Wurtzel ist manniglichen bekandt/indem sie gegen alle Brust-Beschwerung / ein allge-meines Mittel ist / und ist deren Süssigkeit auch dcnMiltzsuchtigen und Scharbockischen/ welche alles Zu-ckerwerck/ wegen der verborgenen Säur/ nicht ver-tragen können / unschädlich / wie Lrrmüllerus inZctirveä, p. 577. wohl erinnert. Sie dienetauch sehr gegen den Nieren-und Lenden-Stein/wcgenihrer balsamischen Krafft: kan entweder mit geflosse-nen Krebs-Augen genommen / oder mit VenedischemTerpentin zu Pillen gemacht werden / wie 8im. pgul.I. c. lehret. Die Roß - Tauscher geben das Pulver^mit gleichem Theil Schweffel oder Schweffel - Blu-men den Pferden zu z, biß 4. Unzen unter dem Futter/

8. Tage lang / taglich zweymal/ and curiren sie damit/wann sie Bauchblastig sind. Es soll auch verhindern/daß man es in erlich Tagen nicht mercl e / wann sie da-mit beladen sind / dafern sie zuvor davon genossen /weßwegen solches die Pferd-Handler in Acht zuneh-men haben.

Aus diesen Wurtzelnwird der8uccu5 k.iquin'ciXoder Süß-Holtz-^afft gemacht/wann man entwe-der die Wurtzel kocht / oder nur eine Zeit lang inWasser einweicht / den Safft auspreßt / und aufdem Ofen oder an der Sonnen ausrauchen lässet:Wird theils aus Spanien und Candien über Ve-nedig / theils aus den: Bamberger-Land in andereLander verführet / wiewolen man bey uns des fremb-den nicht vonnörhen hatte / indeme zu Bamberg einsolcher Vorrath gemacht wird / daß von dar eben soviel dieses Bamberger Sassts über Nürnberg nachVenedig aeschicket wird / als dessen von Candia nachVenedig kommet / allwo sie ihn in grosse Kuchen voneinem Pfund machen/ da hergegen dsr Bambergerin kleinen runden Küchlein kommet/oder doch in klei-nen Stücken von etlich Unzen. Der beste muß aus-wendig recht schwarh/ und innwendig recht glantzendschwartz/ auch leicht zerbrechlich seyn / und einen an-genehmen Geschmack haben. Der weich-röthlichtetaugt nichts/absonderlich/wann er innwendig zäser-lichtundsandigt ist/auch nach dem Brand schmäcket.Wird in eben den Zustanden gebraucht als das Süß-Holtz selbsten: Um mehrere Sicherheit aber zerlassenchn einige in Hyssop-Wasser/ damit alle Uneinigkei-ten davon kommen müsten/ wovon LermMler an an-gezogenem Ort zu sehen ist.

Letztlich macht man auch dagebackenSüß-Holtz/oder I^quirirism coÄgm aus dem Süß-Holtz-Pul-ver/ wann es mit Zucker/ Starckmeel undViol-Wurtz vermischet und zubereitet wird / welches inobigen Kranckheiten auch gebraucht / und öfftersmit dem klar. i>ulpk. oder Schweffel-Blumen ver-setzet wird / obwohlen andere das Lxr,-. oder Süß-Holtz - Safft solchen verzuckerten Dingen nicht ohneUrsach vorziehen.

lll. Theil.

(G)