Einleitung. 203
jedoch keineswegs, auf kirchlichem Gebiet ein entschiedenerGegner jeder Neuerung zu sein und zu bleiben. Schon obenwurde sein Urteil über Luther erwähnt 1 ), und dem entsprechendwird auch Zwingli, über dessen Tod er in seiner Inschriften-5 Sammlung auf Bl. 68 v den bekannten Vers mitteilt 2 ), von ihmin der Ueberschrift als »trihereticus« bezeichnet. Aber schonvorher auf Bl. 45, schickt er auch einer fingierten GrabschriftSavonarolas noch folgende Bemerkung voraus: »HieronymusSavenarola, divi Dominici non flamen pius, sed flanima impia,
10 mauspicatae garrulitatis concionator, postquam simulatae prae-stigiis sanctimoniae Florentiam diu ludificatus est, strangulatus,ambustus, nequissima nequissimis umbris victima corruit. Viatortanquam canis Aegiptius legito fugiens. Sub nocentissimo nan-que cinere praestantissimum virus latitat.« — Die angebliche
15 Grabschrift aber lautet:
Quis jacet hie? Scelus est nomen dare.Foemina vel vir? Vir malus inferna dignus ave et lapide.Cur? Coluit caedes, incendia, vulnera tantum.Unde scelus? Nullos credidit esse deos.*" Quo periit fato? Flammis Hieronymus hie estProditus impostor, nosco, licet taceas.Maxima non latitat virtus, non crimina. Praebetlila boni titulos nominis, illa mali.
Gleichwie den kirchlichen, so war Brilinger auch den poli-tischen Neuerungen durchaus abhold, und deshalb ist er aufdie gegen den Bischof und die Hohe Stube gerichtete Verfas-sungsänderung, die sich 1515 in Basel vollzog, nicht gut zusprechen. Und wenn er nachträglich auf Grund von aus Romerhaltenen Akten die 1376 erfolgte Verhaftung eines Basler30 Domherrn durch den Rat erzählt 3 ), so will er offenbar damitzeigen, dass letztere Behörde schon in alter Zeit gegen dasDomstift sich Gewalttaten erlaubte. Als aber vollends derBildersturm von 1529 ihn zur Auswanderung nach Freiburgbewog, da mochte er wohl auf das letzte Blatt der HandschriftJ6 die Worte schreiben: »Basilienses modo hoc apte possent dicere:Quaesivimus bona, et ecce turbatio!«
Von den vielen auswärtigen Inschriften, welche die Hand-schrift enthält, mag Brilinger auf seinen verschiedenen Reisen
1) S. oben S. 201.
2) Diesen Vers s. B. Chron. VI 199.
3) S. unten Beilage II.