— 118 —
fremde Lappen einzuflicken, als wäre es ein Hanswurstenkleid?Und doch geschieht's. Ju unserm Sprachschatze wuchert alswüstes Uukraut eiu fremdes, eingeschlepptes Siebentel. Und esgiebt Leute, bei denen nicht bloß jedes siebente, nein jedes zweitennd dritte Wort ein fremdes ist. Sind das noch Deutsche?Ist jene Mischsprache noch die deutsche?
Wie das Übel gekommen nnd wie das Elend gewachsen, daslehrt die Geschichte ganz genau. Es ist der Begleiter uud dassprachliche Widerfpiel unseres nationalen Verfalles gewesen.Aber tapfere deutsche Männer haben die Schmach immer em-pfunden nnd seit Jahrhunderten gekämpft, leider — bis auf dieneueste Zeit vergeblich. Sollte nun aber nicht endlich mit demAufschwünge des deutschen Volkes auch das Sprachgewisseu wie-der lebendiger werden, und die Sprache ihrerseits diesen Auf-schwung durch Rückkehr zu ihrem wahren Wesen und echtenGeiste widerspiegeln? Wir glanben's. Und darum haben wirHand angelegt in der Hoffnung, daß der Erfolg mit nns seinwerde.
Manches ist ja schon erreicht. In den Verwaltungen desuen erstandenen Reiches nnd einiger Einzelstaaten ist manchesaltgewohnte fremde Wort verbannt worden, nnd mau begreiftheute kaum noch, wie es möglich gewesen, es so lange zu er-tragen. Viele Einzelne bemühen sich redlich in Sprache undSchrift, sich von der schlechten Angewöhnung frei zu machennnd sich durchaus wohlanständig auszudrücken. Es hat ja anAnregungen, Vorhalten und Mahnungen nicht gefehlt, besondersseit der Zeit als nnser oben genanntes Ehrenmitglied in demweiten Bereiche des Postwesens die Reinignng der Dienstspracheunternommen hatte. Nun aber, da diese Rufe so vielfachenWiderhall gefunden haben, hat der allgemeine deutsche Sprach-verein diese Bemühungen zusammengefaßt, und will dnrch dasgroße Gewicht des gemeinsamen Bestrebens nnd Wollens soVieler der guten Sache dienen. Denn nur mit vereinten Kräftenist der Sieg zu gewinnen. Viel geistige That und viel Geldist erforderlich, um das Ziel zu erreichen: deshalb kann derEinzelne nur wenig, ein einheitlicher Verein aber Vieles undGroßes erriugeu. Die Mittel, die derselbe hierbei anzuwendengedenkt, sind in seinen «Satzungen« genan bezeichnet; unterdenselben steht die Vereins - Zeitschrift obenan.
Wie schon bemerkt, handelt es sich aber durchaus nicht alleinnm den Kampf gegen die nnuöthigen nnd entstellenden FremdWörter, sondern überhaupt um diePslege nnd die Hebnugder deutschen Sprache: um Heilung von Entartungen nndVerkrüppelungen, um Abwerfung von Künsteleien und Ziere-