der Stammvater der Armenier geworden. Bis heute nochnennen sich die Armenier „Haus Thogarma“.Der Babylonische Thurmbau, den die Menschen im LandeSinear?) ausführen und durch welchen sie sich einen Namenmachen wollten, gefiel dem Herrn übel; daher vereitelte erihn, indem er der Menschen Sprache verwirrte und sie in alleLänder zerstreute, wodurch verschiedene Sprachen und Völker-schaften entstanden, I. Mos. 11, 1—9.Des Menschen Herz schlägt seinen Weg an, aber der Herrallein gibt, daß er fortgehe, Spr. Sal. 16, 9.Sich einen Namen machen wollen in der Weise, daßman Gottes Wege verläßt und seine eigenen Wege geht, istein thörichtes und sündliches Beginnen. Ein solches Beginnenfinden wir bei den Nachkommen Noahs, da sie den Thurmbauen wollten — ein Unternehmen, das Gott nicht gefielweil es mit seinen Absichten, die Menschen sich ausbreitenzu lassen, um die Erde zu bevölkern (I. Mos. 9, 1), nichtübereinstimmte. Dasselbe hatte seinen Grund in dem Hoch-muth, der da wähnt, bei seinen Handlungen des BeistandesGottes nicht zu bedürfen. Gott aber widerstehet den Hoffärtigen, den Demüthigen aber gibt er Gnade. Wollenwir wahrhaft groß werden; wollen wir uns einen Namenmachen in einer Weise, die Gott wohlgefällt: dann wohlauf!stellen wir uns unter das arme, so vielfach verachtete Kreuzauf Golgatha, welches das Gegenbild von jenem stolzenThurme ist, und bitten den Gekreuzigten, daß er uns machezu Kindern Gottes! Das ist ein großer Name,ein Kind Gottes zu heißen.Was durch den beabsichtigten Bau des babylonischenThurmes nicht möglich war, nämlich ein einheitliches, unge-trenntes Beisammensein der Menschen herbeizuführen, das istdurch die Aufrichtung des Kreuzes auf Golgatha in höhererBedeutung möglich geworden, nämlich eine Einigung undVereinigung aller Völker durch den Glauben an JesumChristum. Ja, dieser Glaube ist das wirklich bestehende, un-sichtbare Band, das Himmel und Erde verbindet, im Gegen-satze zu jenem vergebens versuchten, sichtbaren Baue, dessenSpitze bis an den Himmel reichen sollte.So steht auch jene Sprachverwirrung bei dem Thurmbauzu Babel im Gegensatze zu der bei der Ausgießung des heil.Geistes am Pfingstfeste verliehenen Gabe, in fremden Zungen(Sprachen) zu reden. Durch jene Begebenheit ward die ge-genseitige Mittheilung durch die Sprache aufgehoben, manverstand einander nicht mehr; gerade aber dadurch, daß dieApostel in fremden Sprachen redeten, wurden sie der ver-sammelten Menge aus allerlei Volk verständlich. Dort wurdedie Sprachverwirrung ein Hinderniß zur Vereinigung;hier aber das Pfingstereigniß gerade ein Mittel, das Volkaus aller Welt Zungen durch die Predigt des Evangeliums
zu Einem Glauben und zu Einem Volke, nämlich demchristlichen zu vereinigen.So waren also auch die Nachkommen Noahs nicht treugeblieben dem Bunde, den Gott mit ihnen gemacht hatte; siewollten sich einen großen Namen machen und anstatt GottesWege ihre eigenen Wege gehen. Dennoch sollte das Wortder Weissagung (I. Mos. 3, 15.) aufrecht erhalten werden;daher schließt Gott von Neuem einen Bund und zwarmit einem Nachkommen des Sem, mit Abraham. Dieserist der zehnte in der zweiten Reihe der Urväter, wie Noahder zehnte in der ersten Reihe war.§. 8. Geographische Bemerkungen für diesenZeitraum. Karte I.1. Ararat. Ob dies, wie Einzelne angeben, der Name eines Ge-birges ist, oder ob darunter nach der Meinung Anderer ein einzelnerBerg verstanden werden soll, kann uns ganz gleich sein. Die Bibelsagt: Das Gebirge Ararat. Dieses liegt in Armenien und seinehöchste Spitze, mit ewigem Schnee bedeckt, wird auf 17260' angegebenIm Morgenlande glaubt man jetzt noch ziemlich allgemein, daß dieReste von Noahs Arche auf dem Gipfel des Gebirges vorhanden seien.Von den Armeniern wird dieser Gipfel bis auf den heutigen Tag gött-lich verehrt, und sobald sie den Ararat erblicken, küssen sie betend die Erde.2. Sinear, d. i. Babylonien im weitesten Sinne, nämlich einengroßen Theil von Mesopotamien nach Norden zu mit umfassend. I. Mos.10, 10 wird Sinear als das Land angegeben, wo Nimrod, ein Nach-komme Hams, unter andern Städten auch Babel oder Babylon, dieHauptstadt Babyloniens, gründete. — Dan. 1, 2 geschieht des LandesSinear noch einmal Erwähnung, und bezeichnet hier ebenfalls Baby-lonien, das Reich Nebucadnezars. Die Stadt Babel ist, außerdem, daßsie die Hauptstadt eines mächtigen Reiches war, durch ihre großartigenBauten geschichtlich merkwürdig geworden. Sie war in Quadratformgebaut, soll 12 deutsche Meilen im Umfange und Mauern von 150Ellen Höhe und 40 Ellen Dicke gehabt haben; der Euphrat durchströmtesie. Im Innern der Stadt stand der Belustempel, ein Gebäudeaus 8 thurmhohen Stockwerken bestehend, von welchem jedes folgendekleiner war, als das vorhergehende, so daß das Ganze die Form einerPyramide erhielt. Trümmerhaufen dieses Riesenbaues, der aus gebrann-ten Ziegeln, mit Erdharz als Mörtel zusammengekittet, aufgeführt seinsoll, haben sich bis auf den heutigen Tag erhalten und werden von dendortigen Bewohnern Birs=Nimrod, d. h. Nimrodsburg, genannt.Viele halten dieselben für Ueberreste jenes verunglückten babylonischenThurmes. Vergl. über Babels Untergang: Jes. 13, 19; Cap. 47, 5..Jer. 51, 43. 44. 58.Außer der obengenannten Stadt Babel sind von den in I. Mos.10, 10 — 12 genannten Städten noch Erech, Ninive, Ressen undCalah auf unserer Karte I angegeben..