254
Fische und Weine.
statthatten, beweisen wenigstens, dass ein allgemeiner Anstosavorhanden war, und dass Jeder seinen Ruhm und seine Ehredarin suchte, zu den Genüssen des Königsvolkes beizutragen.
Unter den Esswaaren standen namentlich die Fische imhöchsten Preise. Man zog gewisse Arten vor, und dieserVorzug stieg noch, wenn der Fang an gewissen Orten statt-gefunden hatte. Die Fische aus ferneren Gegenden wurdenin mit Honig gefüllten Gefässen herbeigebracht, und wenndie Individuen die gewöhnliche Grösse überschritten, so wur-den sie zu hohen Preisen verkauft, wegen der Concurrenz zwi-schen den Liebhabern, von denen einige reicher als Königewaren.
Die Getränke wurden nicht weniger aufmerksam geprüftund besorgt. Die Weine aus Griechenland, Sizilien undItalien waren die Wonne der Römer, und da ihr Preis sowohlvon der Lage, als auch von dem Jahrgange abhing, so wurdedas Datum auf jedes Weingefäss geschrieben. ,
0 nata mecum consule Manlio. Horaz.(0 Fass! mit mir unter Consul Manlius geboren.)
Das war nicht Alles. Mit jenem Instinkt der Ueber-treibung, dessen wir schon erwähnten, suchte man die Weine2sikanter und aromatischer zu machen; man goss sie überBlumen, Gewürze, Arzneien verschiedener Art, und die Zu-bereitung, welche die damaligen Schriftsteller uns unter derBezeichnung „condita" überliefert haben, mussten imMundebrennen und den Magen heftig reizen.
So träumten die Römer schon damals vom Weingeiste,der erst fünfzehnhundert Jahre später erfunden wurde.
Dieser ungeheure Luxus warf sich namentlich mit Wuthauf das Zubehör des Mahles.
Die Möbel, welche zu den Festen nöthig waren, musstenvon feinstem Stoffe und Arbeit sein; die Zahl der Gängenahm bis zu zwanzig zu, und bei jedem Gange wurde Allesweggenommen, was zu dem vorigen gedient hatte.
Besondere Sclaven waren zu jeder Handreichung beimMahle aufgestellt und eines Jeden Geschäftskreis genau be-