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Physiologie des Geschmacks oder Physiologische Anleitung zum Studium der Tafelgenüsse
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Erregter Zustand.

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Begriffe waren lebhaft, meine Gedanken tief; es schien mir, alshabe sich der Kreis meiner Einsicht erweitert; ich hatte michaufgesetzt und meine Augen hatten die Empfindung eines blei-chen unbestimmten Dämmerlichtes, das indessen keine Ge-genstände erkennen Hess. Nach der Menge von Gedanken,die sich in äusserster Schnelle jagten, hätte ich glaubenkönnen, dass dieser Zustand mehre Stunden andauerte;meine Uhr belehrte mich indessen, dass er nur eine halbeStunde anhielt. Ein äusserer von meinem Willen unabhän-giger Zufall beendete diese Verzückung und rief mich aufdie Erde zurück.

Augenblicklich verschwand die lichte Erscheinung. Ichsank von meiner Höhe herab, die Grenzen meiner Einsichtrückten zusammen, ich wurde wieder, mit einem Worte, wasich Tags vorher gewesen war. Aber da ich vollständigerwacht war, so behielt mein Gedächtniss, wenn auch be-deutend abgeblasst, einen Theil der Gedanken zurück, diemeinen Geist durchkreuzt hatten.

Die ersten beschäftigten sich mit der Zeit. Es schienmir als seien Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ineinen einzigen Punkt zusammengeflossen, so dass man mitgleicher Leichtigkeit die Zukunft errathen und der Ver-gangenheit sich erinnern konnte. Das ist alles was mir vondieser ersten Anschauung blieb, die bald durch andere ver-drängt wurde.

Meine Aufmerksamkeit wandte sich nun den Sinnen zu.Ich ordnete sie nach ihrer Vollkommenheit und da ichdachte, wir müssten ebenso viel innere als. äussere Sinnehaben, so beschäftigte ich mich damit, die ersteren auf-zusuchen.

Ich hatte schon drei, wenn nicht vier gefunden, als ichauf die Erde zurückfiel. Hier sind sie:

1. Das Mitleiden; ein Herzgefühl, das man empfindet,wenn man seinen Mitmenschen leiden sieht.

2. Die Vorliebe; ein Gefühl des Vorzuges, das mannicht nur für einen bestimmten Gegenstand, sondern auch

Brillat-Savarin, Physiologie des Geschmacks. jg