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tenstempeln, dem lautenspielenden Laubmenschen, den reich kontu-rierten Stempeln mit den Evangelistensymbolen muß die körperlicheLeistung bewundert werden, welche der Buchbinder des 15. Jahr-hunderts zur Herstellung des Stempelschmuckes brauchte. Um diegleiche Zeit findet man in Paris schon die Platten, die ein großes Stückdes Einbandes deckten und für die Handarbeit zu groß waren; mankannte alo in dieser Zeit eine Presse als Hilfsmittel für die Platten-pressung, und sie kann als Vorläufer der Vergoldepresse gelten. Aberdiese Anlehnung der Entwicklung an den technischen Fortschritthindert nicht, daß gerade der Einzelstempeldruck mit einem einzig-artigen historischen Phänomen aufwarten kann: wir finden ihn beiseinem ersten uns bekannten historischen Auftreten in solcher tech-nischer Vollendung, daß drei Jahrhunderte später diese Leistung nochnicht übertroffen ist.
Für das Einpressen eines Musters in das Leder gibt es außer den ver-schiedenen Möglichkeiten des Pressens durch stehenden Druck, seies von plattenförmiger Matrize, sei es von einer wiegend oder rollendfortbewegten Form (Filete bzw. Rolle, nicht „Rollstempel", wie sichin der historischen Literatur eingebürgert hat) auch noch die wohl äl-teste Art des Einstreichens; dazu dient das Streicheisen, das an einemLineal unter starkem Druck entlanggezogen wird und breite oderschmale Streifen, auch mehrere parallel in das Leder drückt. Vor allemdie Umrahmungen und Felderteilungen werden bis ins 16. Jahrhun-dert mit diesem Instrument hergestellt, bei einfachen Einbänden istdie Linie der einzige Schmuck. Von den mit der Filete hergestelltenLinien, wie sie beim Golddruck die Regel sind, unterscheiden sich dieStreicheisenlinien durch das Fehlen jeglicher Ansatzstellen; dagegensind die Anfangs- und Endstellen nicht so scharf abgegrenzt wie beimFiletendruck. Streicheisenverzierung ist nur beim Blinddruck mög-lich; Stempel, Rolle und Platte finden bei Bund-, Gold- und Farb-druck Verwendung.
Der Handdruck erfordert viel Kraft, da das Leder so stark niederge-drückt werden muß, daß das Relief entsteht, welches zur plastischenWirkung unentbehrlich ist. Beim Golddruck, der ziemlich heiß er-folgt, genügt meist ein einmaliger Druck; der mäßiger heiße Blind-druck wird öfters wiederholt um die nötige Tiefe zu erreichen. DieGeräte des Vergolders („relieur-doreur", in England „finisher", da.
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