110
A. Schulte, Adel und deutsche Kirche im Mittelalter.
finden nicht statt." Doch der Regimentskommandeur ist inder Annahme auf sein pflichtmässiges Gutbefinden gestellt, unddas Militärkabinett versetzt keine Bürgerlichen in die Regimenter.Der eine unterlässt die Annahme der sich bald gar nicht mehranmeldenden Bürgerlichen, der andere unterlässt eine Ver-setzung, beiden ist nicht beizukommen.
Wenn man Ekkehards Schilderung dann mit anderen Be-stimmungen der Regel des hl. Benedikt vergleicht, so erkenntman, dass St. Gallen auch das Gebot der absoluten Armutseiner Mönche nicht innehielt. Die Worte des hl. Benedikt:„neque tabulas neque graphium, nihil omnino" galten nichts.Im Kloster wurde das Privateigentum geduldet.
Dieses Mal will ich den Beweis aus den Urkunden vorauf-schicken 1 )! In einer Tradition ist bemerkt: „excepta medie-tate vineae, quam frater Ulms Pernhart monachus eiusdemmonasterii tempus vitae suae possideat" 2 ). Zwei Hufen sollendem Propste Theganhart auf Lebenszeit zustehen, und diesesDokument ist von vielen Mönchen unterfertigt 3 ). Der Abt-bischof Salomon war für sich vielleicht gar nicht an die Regelgebunden, ihm wies der Konvent 913 etwas als Prekarie zuund bestimmte: „et post obitum servitor eius Cozzolt monachusunus ex nobis . . . utrasque res et illas, quas ipse tradidit, etillas, quas de monasterio reeepit, tempore vite eius sub usufruetuario possideat" 4 ). Hier hört die Möglichkeit auf, von
') Schon Ildefons von Arx hat auf einzelne Fälle aufmerksamgemacht. Alle Fälle gehören der Zeit nach dem Beginne der Verwal-tung durch den Konstanzer Bischof Salomo (890) an.
2 ) Wart mann, St. Galler ÜB. 2, Urkundenanh. Nr. 11.
3 ) Ebda., Nr. 760 (909).
•*) "Wartmann, ÜB. von St. Gallen 2, S. 374: „servitor Salomonis."Heisst das nicht: ein Unfreier? Dann stände wohl servus. Cozzolt tratvor 895 ins Kloster; obwohl ein noch junger Diakon, war er schon 894Propst; er war Salomons erster Helfer im Kloster, seine rechte Hand,sein Diener. 907 nennt ihn ein Urkundenschreiber den „serenus prepo-situs". Später aber zerfiel Cozzolt mit dem Abtbischof, auf dessen Nach-folge er spekulierte.