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Frankreich und das linke Rheinufer
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Karl von Erthal war am wenigsten vorsichtig. Ein Prälat kannsich den Nachruhm freier Geistesrichtung erwerben, wenn er katho-lische Aufklärer und Protestanten als Professoren und Kabinett--fekretäre anstellt, wenn er sich von Damen seiner Gunst dieSchriften der Aufklärung vorlesen läßt; aber er darf sich nichtwundern, wenn jene Männer eines Tages sich nicht mehr fürihren Brotherrn, der doch nur als katholischer Bischof seinemStaatswesen eine Berechtigung gab, einsetzen. Freigeisterei unddie Anstellung von Andersgläubigen in entscheidenden Stellungensind mit dem Gedanken geistlicher Fürstentümer nun einmal un-verträglich. Eine Festung von der hohen Bedeutung von Mainzist ein schöner Besitz, aber man darf die Gräben nicht alsKarpfenteiche, Baum- und Gemüsegärten behandeln und dieBastionen nicht als Weinberge. Eine Armee von 3032 Mann mit12 Generalen und 1 Feldmarschall mag auf der Wachtparadeeinen vorzüglichen Schmuck bilden und der Kriegsrat mit seinen2 Präsidenten und 7 Näten nimmt sich im Sofkalender nicht übelaus, doch das alles ist nur Schein. So ein Mainzer Kurfürst kamleicht in die Versuchung, hohe Politik zu treiben, aber es gehörtdazu Klugheit und nicht die heute mächtig gehobene Stimmungderer, die den Krieg als das einzige Keilmittel für die Welt an-sehen und morgen feige davonlaufen, wenn ein Sandstreich dieNesidenz bedroht. Es kam die Unnatur dieser geistlichen Staatender Pfaffengasse nirgendwo so stark zum Ausdrucke als an demHofe dieses liebenswürdigen Schwächlings, der von so vielen seinerVorgänger so weit abstach. Erthal hatte alles getan, um dieseSpezies deutscher Herrlichkeit noch unwahrer, noch haltloser zumachen.

Aber er teilte mit vielen leitenden Politikern den Glaubender Emigranten, daß Frankreich innerlich so zerrüttet sei, daßein ernsthafter Widerstand nicht' angetroffen werden würde. Nochlebten die meisten Fürsten formell im Frieden mit Frankreich, undgerade die- nächsten Nachbarn des Mainzers, Kurpfalz und Hessen-Tarmstadt, wollten in keinen Konflikt mit Frankreich geraten.

Es ist hier nicht auszuführen, welchen Widerhall der Anfangder Französischen Revolution fand, vorwiegend in dem Kreiseder Gelehrten, Dichter, Philosophen. Die Umgestaltung derWelt nach vernünftigen, auf den Rechten der Menschen beruhendenLehrsätzen erschien ihnen möglich, heilbringend und beseligend. Erst

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