Zwangsmilitärdienst. Die Erweiterung der Zollgrenzen würde demelsiissischen Handel einen tödlichen Streich versetzen. Der ehrlicheMann wies prophetisch auf die zerstörerischen Verrichtungen des ge-künstelten Enthusiasmus hin. Die Stadt ließ die Denkschrift drucken,führte den Kampf mutig weiter, zuletzt noch den für das Teutscheals Amtssprache. Alles war umsonst, der König unterzeichnete dasGesetz über die gleichmäßige Munizipalitätsverfaffung in allen fran-zösischen Städten. Die Straßburger Kapitulation von 1681 wardamit erledigt.
Jetzt gab es einen Straßburger, der durchaus mit Frankreichversöhnt war: Philipp Friedrich von Dietrich. Er ist der erste wirk-lich innerliche Franzose elsässischen Vlutes. Früh war er nach Parisgekommen und hatte dort sich durchaus in den Geist der französi-schen Kultur eingelebt, seine vielseitige Bildung brachte ihn mitvielen ersten Geistern in Berührung wie Condorcet und Turgot.Das deutsche Gegengewicht fehlte ihm. So nahm er durchaus dasWesen der besten Franzosen seiner Zeit an. Er trat unter seineLandsleute zurück, als er Vertreter des königlichen Prätors wurde;nicht mehr die altreichsstiidtische Gesinnung hielt ihn umfangen, erlebte in der Gedankenwelt des konstitutionellen Königtums, desfränkischen Einheitsstaates. Er war der erste Freimaurer, der inder elsässischen Geschichte auftritt.^ Er brachte die französischeKunst der deklamatorischen Nede nach Straßburg, er verstand zulavieren, die Zeit abzuwarten; im Grunde war er von schrankenlosemEhrgeize getrieben, nebenbei auch von der gefühlsreichen Senti-mentalität jener Tage bewegt. Straßburger von Blut, Franzosenach Wahl und Bildung. Sein Zeitgenosse Scherer betrachtete ihnals einen äußerst bedenklichen Charakters Am 18. März 1790trat der zum ersten Maire von Straßburg erkorene Dietrich seinAmt mit Worten an, die das volle Aufgehen in Frankreich ver-kündeten.
Die Bewegung der Geister im Elsaß wurde durch die Kirchen-güterfrage tief ergriffen; die Schulden des Staates sollten durchVerkauf der Kirchengüter gedeckt werden. In aller Käst wurdedas zum Gesetze gemacht. Die katholische Geistlichkeit des Elsassesprotestierte aufs lebhafteste und bezeichnete sich jetzt als einen
i Nenaud a. a. O. S. 288.
2 Nie Schererschen Schriften verdienten eine genauere Untersuchung,als ihnen Nenaud zuteil werden ließ.
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