Andlau blieb Neichsfürstin. Ein reichsunmittelbares Territoriumhatte nur der Abt von Murbach, doch besaßen dort auch die Habs-burger Nechte.
So gab es im Elsasse im Gegensatze zu anderen deutschen Land-schaften verhältnismäßig wenige reichsunmittelbare Klöster, ihreVogteien waren zum Teil reichsunmittelbare Herrschaften ge-worden, sie selbst aber landsässig, wie Maursmünster, das, als esdie Negel von Kirsau annahm, damit auch auf das Streben nachweltlicher Unabhängigkeit verzichtete. Murbach und die StifterAndlau, Erstem und Hohenburg sind vielleicht einmal edelfreieAnstalten gewesen, wie jenseits der Vogesen das seit 1560 dauerndmit Murbach unter denselben Abt gestellte Lüders (Lure) und dasFrauenstift Nemiremont, doch im 13. Jahrhundert wurde überallauch schon niederer Adel aufgenommen. Ein reicher Kranz von alt-ehrwürdigen reichen und meist auch blühenden Klöstern und Stifternwar über das Land ausgedehnt und in den Städten gab es nebenganz alten Stiftungen die durch ihre Tüchtigkeit berühmten Klösterder Dominikaner, später auch bedeutende Kollegien der Jesuiten undeine Fülle von Frauenklöstern, die für sich besondere Nekrutierungs-bezirke hatten. Nirgendwo gab es unter den Insassen Franzosen,selbst das Zisterzienserkloster Pairis in einem welschen Vogesentaltrug allem Anschein nach ein deutsches Gepräge. Murbach be-hütete sich bis in die französische Zeit hinein vor welschen Genossen.Lind auch bei den stark aus der Fremde, vor allem aus Norddeutscd-
Kastiliens, wie er auf den Siegeln etwa König Alfons' sich findet, sondernist das Vild einer Stadt. Die offene Pforte ist zu erkennen, welche derStrafte den Zugang öffnet. Es ist ein redendes Vild von Straßburg, es istdie gotisch umgebildete Vurg vom Stadtsiegel, nur daß die Mutter Gottesvor dem Stadttore natürlich hier nicht wiederholt werden konnte. So hates einen schönen Sinn. Das Grab, aus dem Christus erstanden ist, trägtzwei Wahrzeichen der Stadt, die dem Gottesglauben so tief ergeben war,nicht die Wappen zweier Königreiche, mit denen die Stadt nichts zu tun hatte.Die Frage, französische oder die Straßburger Lilie, hat für den, derdie elsässisch-franzüsische Literatur Jahrzehnte verfolgt hat, noch einenanderen Sinn. Der französierende Elsässer sucht, um sein Gewissen zu be-ruhigen, krampfhaft nach irgendwelchen geschichtlichen Verbindungen mitFrankreich, wie ein Kind, das seiner Adoptivmutter gern gefallen möchte,und er übersieht dabei sich selbst, seine Eigenart, sein Sein und Wesen, wiejenes unnatürliche Kind nicht wissen will, daß seine Vegabung, die Grund-lagen seines Charakters nicht von der Adoptivmutter herrühren können, undes verheimlichen will, daß es der wahren Mutter, die es geboren, gehegt undgepflegt hatte, in den Stundeil äußerster Not von der Adoptivmutter ge-raubt wurde!
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