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Leineweberei. Konstanz. Wirtschaftliche Kämpfe
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dem Nordosten verschlagen wurden 1 und so oft die Beisendenfremder Völker von Konstanz erzählen. Eine Großstadt war esdarum auch in der Blütezeit nicht, von der diese Blätter redenwerden. Dafür war die Zahl blühender Beichsstädte und Land-städte ringsum viel zu groß, und der Bauern, die am Morgen nachKonstanz fuhren, um am Abend wieder daheim zu sein, konntennicht so viele sein, als wenn ringsum alles eine fruchtbare Acker-gegend gewesen wäre. In der Nähe die Insel Beichenau mit ihremalten reichen, aber damals verfallenen Kloster und ringsum Städteund Burgen sonder Zahl, Stifter und Klöster. So stark für Kon-stanz auch sonst schon der Anreiz zum Fernhandel sein mochte,der kräftigste Antrieb lag in demselben Exportgewerbe, das Bavens-burg und die anderen Städte rings um den Bodensee beflügelte, inder Herstellung einer guten zur Ausfuhr reifen Leinwand.
Leinenzinse vermag man am Bodensee schon ziemlich früh zuerweisen, eine systematische Abstreifung der Quellen hat sich demnoch nicht zugewendet, 2 aber auch so darf man sagen, daß ein auf-merksamer Geograph schon um 1350 die Beobachtung, die Se-bastian Münster in der Mitte des 16. Jahrhunderts machte, hättevorausahnen können, daß in Schwaben, namentlich im Allgäu, dieMänner ebensogut wie die Frauen spannen. 3 Vorwiegend im ge-birgigen Teile Oberschwabens, doch auch in den weitgedehntenKorngebieten, hatten die Männer in den langen Wintertagen einelohnende Arbeit. Aber auch die Weberei ward auf dem Landegeübt, Zeuge dessen sind die Abgaben von Hubtuch. Das Gewerbeder Leineweber saß aber auch in den Städten. Die Weber betriebendabei auch Ackerbau, wenn auch langsam einzelne nur vom Er-trage des Webstuhls leben mochten. Eine Tätigkeit war es, die ansich eine Ausfuhr voraussetzte. Um so mehr galt das von der städti-schen Leinwandweberei. Sie war sehr erheblich.
Fast alle Städte, die um den Bodensee herum entstanden, warenförmlich darauf angewiesen, dem, was der Städter jahraus, jahrein
1 Vgl. Cahn, Münz- und Geldgeschichte der im Großherzogtum Baden ver-einigten Gebiete, Bd. 1, S. 48. Denare der Ottonischen Zeit bis Minsk in Kuß-land, Bornholm und Dänemark.
2 Das älteste Zeugnis stammt aus dem württembergischen Oberamt Ehingenvom Jahre 838 (Wartmann, Urkundenbuch von St. Gallen, Nr. 681). Im13. Jahrhundert bezog St. Gallen aus Zell-Kißlegg (bei Wangen) 797 Ellen Lein-wand, in Kirchdorf (Amt Villingen) gab es einen Leinwandzehnten und Lein-wandzins, Vilsingen (Hohenzollern) 252 Ellen Tuch, Mundelflngen (Amt Donau-esohingen) 156 Ellen, Waldkirch (Kanton St. Gallen) 3 Tücher, Herisau (Appen-zell) Tuch, Münohaltorf (Kanton Zürich) Tuch, Wangen (Württemberg) 14 Hub-tücher (im ganzen 16 Hüben). Vgl. Bikel, Die Wirtschaftsverhältnisse desKlosters St. Gallen, 1914, S. 153 und weiter. Auch die im 12. Jahrhundert aufden Namen Walahfrid Strabos gefälschte Urkunde erwähnt Flachs und Hanf-anbau, und zwar auch am Bodensee selbst. Zeitschrift f. Gesch. des Oberrheins,N. F., 3, 352 f.
3 Kosmographie (1588), S. 847.
Schulte, Gesch. d. Ravensburger Handelsges. I. 3