Druckschrift 
1 (1775)
Entstehung
Seite
57
Einzelbild herunterladen
 

Ein Gedicht.schienst du aber, meine Liebste, wie ein Wan-drer auf der Heyde! dein Haar fliegend im Wind'hinter dir; dein Busen sichtbar aufwallend; deineAugen voll Thränen für deine Freunde, die derNebel des Hügels verbarg'! Dich wollt' ich trö-sten, meine Liebste, dich wollt' ich führen zumHauſ' meines Vaters!Aber ist sie es, die dort wie ein Strahldes Lichts, auf der Heyde erscheint? Kommst du,o Mädchen, über Felsen, über Berge zu mir,schimmernd, wie im Herbste der Mond, wie dieSonne in einem Sturme des Sommers. Siespricht: aber wie schwach ist ihre Stimme! wiedas Lüftchen im Schilfe der See.Kehrst du schadlos vom Kriege zurück?Wo sind deine Freunde, mein Liebster? Ich ver-nahm' deinen Tod auf dem Hügel; ich vernahmihn, und betraurte dich, Shilric! Ja, meineSchönste, ich kehre zurück; aber allein von mei-nem Geschlecht'. Jene sollst du nicht mehr erbli-cken: ich hab ihre Gräber auf der Fläche errich-tet. Aber warum bist du am Hügel der Wüste?Warum allein, auf der Heyde?O Shilric, ich bin allein! allein in derVinter=Behausung. Ich starb für Schmerz we-gen dir. Shilric ich lieg erblaßt in dem Grab.Sie gleitet, sie durchsegelt die Luft; wieNebel vorm Wind'! Und, willst du nicht bleiben,Vinvela? Bleib', und beschau' meine Thränen!zierlichD 5