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An die Urwähler: Preussen und Deutschland
Entstehung
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An die Urwähler.

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Preussen und Deutschland.

Vtun laßt uns einmal ein Wort über unser liebes Deutschland zusammen reden. Betrachten wir unser Vaterlandeinmal auf der Landkarte. Bei Gott.' es ist ein schönes, großes Land unser Deutschland. Und es liegt gerade in der Mittevon Europa, ob das auch etwas zu bedeuten hat? Etwas? Sonderbare Frage! das hat sehr viel zu bedeuten, dennDeutschland ist dadurch der Schwerpunkt Eurapa's, das heißt, die Geschicke aller Länder Europa's hängen von Deutsch-land ab wenn es einig ist. Wenn es einig ist, das dumme Wenn! ich kann es nicht leiden, und besonders jetztnicht, denn es bringt mich ja zu dem Bewußtsein, daß Deutschland nicht einig ist und daß es deßhalb die Stellung unterden Ländern Europa's nicht einnimmt, die ihm gebührt. Und was ist eigentlich Schuld daran? Da stößt uns denn zuerstder Umstand auf, daß Deutschland früher ein Wahlreich war. Die deutschen Fürsten, die immer nach Selbstständigkeitstrebten und nur auf ihren eigenen Vortheil bedacht waren, wählten gewöhnlich einen solchen Fürsten zum Kaiser, dessenäußere Macht schwach war, und noch obendrein gaben sie dem zu erwählenden Kaiser nur dann ih.c Stimme, wenn dieserihre eigennützigen Forderungen bewilligte. So wurde denn von der kaiserlichen Macht immer mehr abgezwackt, und je höherdie Macht der einzelnen Fürsten stieg, desto mehr mußte das Ansehen des Kaisers sinken. Ein solcher Schattenkaiser konnteden Bestrebungen der Fürsten natürlich keinen Einhalt thun und diese Letzteren erreichten denn auch vollkommen ihre Absichten,das heißt, sie begründeten ihre Selbstständigkeit auf Kosten der deutschen Einheit. Später blieb die Kaiserwürde zwar ineinem Fürstenhause, allein da war es um die deutsche Einheit schon geschehen, und unter den Kaisern aus dem baust Habsburgwar das sogenanntedeutsche Reich" ohnmächtig und schwach, ein Gegenstand des Spottes. Das Allcs haben wir also demUmstände zu verdanken, daß Dcuschland ein Wahlreich war. Ist nicht aus derselben Ursache Polen zu Grunde gegangen?Wäre die Kaiserwürde erblich gewesen, so hätte das nicht geschehen können was geschehen ist. Denn in diesem Falle hätten dieWahlfürsten dem Kaiser keine Bedingungen stellen und die deutsche Einheit nicht zertrümmern können, vielmehr hätte derKaiser die Macht in den Händen gehabt, allen Sonderbestrebungen kräftig entgegen zu treten. Eine zweite Ursache findenwir in der schlauen Staatsklugheit des Auslandes, welches sehr gut einsah, daß Deutschland, wenn es einig wäre, über dieGeschicke Europa's zu entscheiden haben würde, und deßhalb ging alles Sinnen und Streben der Fremden dahin, die MachtDeutschlands zu brechen, indem sie die Zerstückelung desselben auf alle mögliche Weise beförderten. Das ist ihnen denn auchvollkommen gelungen, Ich könnte Euch noch mehrere Ursachen anführen, zum Beispiel die, womit die Gelehrten sich sobreit zu machen pflegen. Die sagen nehmlich, die Hauptursache der Zerstückelung Deutschlands liege in der verschiedenenAnschauungsweise, in den verschiedenen Sitten und Gebräuchen des deutschen Volkes u. s. w. Ich aber mag von denGelehrten nichts wissen,je gelehrter desto verkehrter," nicht wahr? Was wissen die griesgrämigen Federfuchser davon,die den ganzen Tag mit ihren großen Schnupftabaksdosen über den Büchern liegen und gar nicht wissen, wie einem echtenDeutschen das Herz in der Brust schlägt? Wir Alle sind eines Blutes, eines Stammes! Jeder echte Deutsche, mag erim Norden oder im Süden, im Osten oder im Westen des Vaterlandes wohnen, hat nur einen Wunsch, nehmlich unserherrliches Deutschland groß und einig zu sehen. Wie tief der Gedanke der Einheit im deutschen Volke wurzelt, das habenwir ja im verflossenen Frühjahr gesehen. Kaum war die Göttin der Freiheit in Deutschland eingezogen, so hörte man auch nureine Stimme im ganzen Vaterlande:Ein einiges Deutschland!" und aus allen deutschen Gauen eilten Abgeordnetenach Frankfurt, um das Werk der deutschen Einheit zu begründen. Mit welchem Stolze sahen wir auf die alte Krönungsstadt!Mit welcher Zuverläßigkeit erwarteten wir, daß der Bau der deutschen Einheit nun endlich vollendet werden würde! Unddennoch scheinen die Verhältnisse sich jetzt so gestalten zu wollen, als ob die Erfüllung unserer Wünsche hinausgeschobenwerden sollte. Zwar hat die Nationalversammlnng der deutschen Einheit einen Schirmherrn in der Person des ErzherzogsJohann gegeben; wie soll aber dieser Prinz, wenn er es auch noch so gut meint, seine Aufgaben lösen können, da er auch