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An die Urwähler: Geld, Capital, Credit
Entstehung
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1.

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Urwahler.

Gelb, Capital, Cnbil.

Als die alten schmählichen Fesseln der Censur, der Concessionen u. s. w. fielen, kam ein neues Lebenin die Presse, und eine Mmge von Zeitschriften, Flugschriften und Flugblättern ward unter das Volk ge-schleudert. Es war aber nicht immer lauter Gutes, was dem Volke geboten wurde; es war nicht immerdie Wahrheit, die wir zu lesen bekamen. Die sonderbarsten und verkehrtesten Meinungen wurden aufgestelltund mit scheinbaren Gründen vertheidigt. Da lies't man denn: an unserer Verarmung sei das CapitalSchuld; die Geldmänner oder Geldwölfe, wie man sich höflicher ausdrückte, würden dadurch reich, daß siedie Arbeit der Armen ausbeuteten; deßhalb müsse das Capital vernichtet werden. Viele Volksfreunde schla-gen auch vor, das sämmtliche Vermögen aller Besitzenden auf einen Haufen zu werfen und gleichmäßig zuvertheilen; Andere sind in ihrem Hasse gegen das Vermögen so weit gegangen, sogar den Credit vernichtenzu wollen, und ein französischer Volks-Abgcordneter hat gerade heraus erklärt: „man müsse mit allen Kräf-ten darauf hinarbeiten, den Credit zu untergraben, dann erst würde das Volk glücklich werden"; und inDeutschland ist das von Vielen nachgebetet worden. In der That haben die Herren dem Credit einen argenStoß versetzt; das das Volk aber dadurch glücklicher geworden sei, hat man nicht bemerkt. Allerdings habenviele Arbeiter sich nicht so anzustrengen brauchen, wie sonst — weil sie keine Arbeit hatten. Wennnur mit der Arbeit nicht auch der Arbeitslohn aufgehört hätte!

Es wäre vielleicht gut, wenn man die Lehren der Herren gegen Geld, Capital uud Credit etwas näher beleuchtete.

Was zunächst das Geld betrifft, so sollte man doch nie aus den Augen verlieren, daß das Geld keinenwirklichen Werth hat. Wirklichen Werth haben doch nur Gegenstände, die unmittelbar unsere Bedürfniliebefriedigen: Wohnung, Kleidung, Gerätschaften, Nahrungsmittel. Das Geld kann man nicht essen, mankann es nicht anziehen, man kann nicht darin wohnen. Das Geld ist also nur ein Tauschmittel zur Erleich-terung des Handels und Verkehres und hat nur Werth, so lange unsere Verhältnisse auf denselben Grund-lagen fortbestehen und verbessert werden, auf denen sie von selbst sich gebildet haben. Geld gibt also bloß dieBezeichnung des Werthes eines Besitzes. Wenn man sagt: „Der und Der hat 109,000 Thaler", so hat derdoch nicht 100,000 baare Thaler, sondern er hat Häuser, Felder, Güter, die, in Geld ausgedrückt, 1^0,000,Thaler werth sind. Da ist denn nun noch zu bedenken, daß es bei Weitem nicht so viel Geld in der Weltgibt, als wirklicher Besitz. Wmn man das ganze Geld in Deutschland gleichmäßig vertheilen wollte, käm«etwas über 20 Thaler auf den Kopf. Das wäre der Mühe einer so großartigen Theilung doch nicht werth.

Was ist denn ein Capital? Capital ist Vermögen, ist ein größecer oder kleinerer Besitz. Vermögenerwirbt man sich durch Arbeit und durch Sparsamkeit, oder man gelangt dazu durch Erbschaft. Ist dennnun das Vermögen, welches Einzelne besitzen, wirklich dem Allgemeinen schädlich? Betrachten wir die Sach«einmal. Wenn ein Vermögender immer von stimm Vermögen zehrt, so wird cs bald zu Cnde sein. Damitnun das nicht geschehe, muß er darauf bedacht fein, mit dem Vermögen etwas zu verdienen oder, wie dieKaufleute sagen, „das Capital arbeiten zu lassen". Wie macht er das? Er verleiht es gegen Zinsen, undindem er nur die Zinsen verzehrt, erhält er sein Vermögen ganz beisammen. Hat denn aber nur der Ver-leiher Nutzen von dem Verleihen? Sicher nicht; sicher hat auch der Anleihcr Vortheil, sonst würde er nichtsleihen. Hier will sich ein Handwerker ein Haus bauen; dazu besitzt er !000 Thlr. Das Haus kostet aber2009 Thlr. Wollte er nun warten, bis er die fehlenden 1009 Thlr. erspart hätte, so würde das vielleichtacht oder zehn Jahre dauern, und er könnte also sein Haus erst so viel später bauen, könnte also den Vor«theil des Hausbaues erst so viel später genießen. Da geht er zum Capitalisten und borgt sich die l000Thlr. Die Zinsen, die er bezahlt, gibt" er nun für den Vortheil, sein Haus zehn Jahre früher bauen zukönnen. Ein Bauer will ein Stück Feld oder Wiese kaufen, das ihm gelegen liegt; er kann durch einenViehkauf einen guten Gewinn machen; er kann durch irgend etwas sein Grundstück verbessern — aber erbraucht ein Capital dazu. Statt das erst langsam zu ersparen, entlehnt er cs von einem Capitalisten undbezahlt die Zinsen gern dafür, seinen Gewinn um so und so viel schon früher zu machen. So bedarf derFabricant, der Kaufmann, der S.ssiffer, der Handwerker, der Bauer, so braucht jedes Gesckäst das Capital;jeder, der die Geschäfte kennt, weiß/ daß unsere sMze Gesellschaft ohne Capital nicht bestehen kann. Liegt