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An die preußischen Soldaten.
Soldaten!
Seit länger als einem halben Jahre war es fast allein nur noch das preußische Heer, das den Ruhm des preußischenNamens aufrecht erhalten hat. Wohin wir auch blicken sehen wir die alte Treue von Unzählichen meineidig gebrochen. DieEhrenhaftigkeit hat der Lüge, der Verläumdung, den wildesten Leidenschaften Platz gemacht, und die Mauern und Pfeiler einesgeordneten Staatsgebäudes, unter dessen Schuh Ackerbau Gewerbe und Handel blüheten, werden von wüster Anarchie unter-wühlt, damit auf den Trümmern, aus denen Wohlstand und Zufriedenheit entflohen, gleiche Armuth, gleiches Elend AllerHerbergen mögen. Nur das preußische Heer hat auf den Varricaden Berlin's, an der Warthe und Netze, an der Schlei undam Velt und auf den Straßen Frankfurts eben so wie den alten Muth und die alte Tapferkeit, so auch die alte Treue unddie ehrenhafte Gesinnung bewährt, durch welche es allen andern Armeen »oranleuchtet. Nur das preußische Heer ist als festerPfeiler stehen geblieben, das tieferschütterte Gebäude des Staates noch aufrecht zu erhalten. Leider dürfen wir uns kein Hehldaraus machen, der deutsche Stamm, sonst vor allen auf dem Erdenrunde geehrt durch Treue, Tüchtigkeit der Gesinnung, Tiefeder Einsicht und redlichen Fleiß, ist seit sieben Monaten durch Verrath, Meuchelmord, ^Verkehrtheiten aller Art tief gesunkenin der Achtung der Völker Europa's. Nur der preußische Soldat hat in diesen traurigen Tagen sich zu seinem alten Ruhmenoch einen neuen erfochten, den er selbst auf den Feldern von der Katzbach und Kulm, von Leipzig und Belle Alliance nicht ge-winnen konnte: den Ruhm, den Künsten schlauer Verführung ebenso unerschüttert wie den feindlichen Bajonetten Trotz zu bie-ten, den Ruhm, empörenden Schmähungen, ja feigem Meuchelmorde unermüdliche Gelassenheit und Mäßigung gegenüber zu
stellen.
Diese alten Ruhmeskränze, die das preußische Heer neu aufgefrischt, diese neuen, die es hinzugenommen hat, es wird,es kann sie sich nicht nehmen lassen, wie verlockend auch die Stimmen tönen, die sie ihm abschmeicheln möchten. Soldaten,eben jene Partei, die vor wenig Wochen Euch mit Schimpftedcn überhäufte, die Euch Bluthunde, verthierte Tyrannenknechte,rohe Soldatesca und wie Nicht sonst noch schmähete, eben jene Partei, welch« dir Sirurüzrlchrir, Vlr vao preußycye Heer seit
zwei Jahrhunderten mit seinem Blute erkauft hat durch den Straßenkoth der Hauptstadt schleifte, eben jene Partei, die EurenKönig und Eure Fahnen verhöhnt, sie fließt jetzt über von honigsüßen Worten, mit denen sie Euch auffordert, ihr^Euch zuverbrüdern. Nein, der preußische Soldat will und wird sich Denen nimmer verbrüdern, deren Dichten und Trachten nur daraufgerichtet ist, die Ehre, ja selbst das Bestehen des preußischen Vaterlandes zu vernichten, den ruhmgekrönten Thron der Hohen-zollerw zu stürzen und Frieden und Wohlbefinden wie aus den Wohnungen der Begüterten ebenso auch aus den Hütten desLandmanns und aus den Werkstätten des Arbeiters für immer zu vertreiben. Der preußische Soldat weist die Hand zurück,die sich durch frechen Angriff gegen Ordnung und Gesetz, entehrt hat, er verschmäht den Bruderkuß von den Lippen, die vonLästerung gegen König und Vaterland überfließen.
Und jene Partei, was ist es denn, das sie, um Euch zu verlocken, Euch zu bieten hat? Das Gold freilich, um dasso Viele sich den Feinden des deutschen Vaterlandes verkauft haben, das wagt sie nicht mit Euch zu theilen; denn sie weiß,daß Ihr es mit Faustschlägen reichlich verzinst ihr vor die Füße werfen würdet. Wenn aber jene Demokraten, die so eifrigbemüht sind, Eure Freundschaft zu gewinnen, Euch, wie zerrüttet auch noch vor wenig Monden ihre Vermögensumstände waren,jetzt mit Allem bewirthen möchten, wonach Ihr etwa Belieben tragt, so zweifelt nicht, daß baS Gold dazu weder an den Ufernder Spree geprägt, noch an denen der Saale und Elbe durch redliche Arbeit verdient ist. — Was also ist cS, womit manEuch zu ködern versucht?
Euren Sold will man erhöhn, Euren anstrengenden Dienst erleichtern, die Unterordnung unter Eure Officiere lockermachen, und Euch selbst das Recht einräumen Eure Offiziere zu wählen. — Soldaten, wenn diese Verheißungen auch EuremOhre wohlklingen sollten, so wird eS Euch doch nicht schwer halten zu erkennen, das es Denen, die sie Euch vorspiegeln, theilsmit der Erfüllung kein Ernst ist, und daß theils, wenn sie auch damit Wort halten könnten oder wollten, diese Erfüllung dochnur Euch und dem Vaterlande zum Verderben gereichen könnten. Ein Heer ohne Ordnung und strengen Gehorsam ist einschwaches Rohr, dem Feinde eine sichere Beute. Erinnert Euch selbst, wie das Bewußtsein Eurer Stärke Euch nicht beiwohnte,als Ihr das erste Mal, ein großer Haufe von Recruten, zusammenstandet. Und doch wäret ihr dieselben Männer wie heute;der Arm in dem Ihr dieselben Waffen trüget, die Ihr noch heute führt, war nicht schwächer als er es jetzt ist. Die Ordnungerst, die nicht ohne Unterordnung bestehen kann, die strenge Disciplin, geben Euch das Bewußtsein der Einheit und dadurchdas der Kraft. Die Menschenwürde, die persönliche Ehre des Soldaten wird in Preußen gewahrt, wie bei keinem andernVolke von Europa, auch bei dem freiesten nicht. Zweifelt ihr daran, so blickt auf die schmählichen Körperstrafen, denen die