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>enn je die Zeit eine ernste war, so ist e« die jetzige.Der König hat uns nach Auflösung der Nationalver-sammlung eine Verfassung gegeben, so freisinnig als fastkeine in einem constitutionellen Staate bestehet, zugleichsoll das Volk seine Vertreter neu wählen, um die gege-bene Verfassung zu revidiren, um wo möglich da, wowirkliche Verbesserungen für das Gesammtvaterland zu^wün-schen und zu erzielen sind, sich mit der Krone zu eini-gen. Das scheint mir der Wille des Königs zu seyn.
Hier glaube ich, muß sich das Volk selbst fragen:welche Manne« müssen wir in die Kammern nach Ber-lin wählen, die dem Vaterland« das leisten, was ihmfrommt und dienlich ist?
Um deshalb in« Klare zu kommen, wollen wir vorallem auf die frühern Wahlen sehen, und uns fragen:sind diese so gewesen, daß das Vaterland von ihnen seinHeil hoffen und erwarten konnte?
Leider wird wohl Mancher und Viele mit mir ein-gestehen müssen, daß ein Theil derselben nichts wenigerals das wahre Wohl des Volkes im Auge hatte, eingroßer Theil hatte es auf nichts weniger abgesehen, alsauf den gänzlichen Umsturz des Bestehenden. Und wowürde dieser Umsturz hingeführt haben? auf nichts alsden ganzlichen Ruin und die völlige Verarmung desLandes, Mit den großen Versprechungen die dem Ar-beiterstande von diesen Leuten gemacht worden sind,wäre es ebenso gegangen, wie in unserm nachbarlich, west-lichen Lande, denn das stehet fest, wenn der Besitzendeund Wohlhabende ruinirt ist, so ist auch der Arbeiter-stand verdorben. Wer soll diesem Arbeit geben, wennjene sie nicht mehr geben können?
Wir haben gesezen, welche nachtheilige Folgen die zehnvergangenen unglücklichen Monate der Anarchie und desbeinahe gesetzlosen Zustandes uns gebracht haben, Handelund Wandel lagen fast gänzlich darnieder, alle Gewerbestockten mehr oder weniger, alles Zutrauen war ver-schwunden, und wer litt mehr dabei, als der Handwer-ker- und Arbeiterstand? und nun noch zehn ander« Mo-nate wie die verlebten, dann sind Tausende von Fami-lien dem Verderben und dem Elend verfallen.
Sollten die neuen Wahlen wieder auf Manner fallen,die nur ihr liebes Ich im Auge haben? die sich nur inschönen Redensarten gefallen, die die schöne Zeit, dieZeit die da« Land mit schwerem Gelde bezahlen muß(jeder Tag tastet dem Lande über 1200 Thlr,), mit maßlosenInterpellationen verschwenden? das wolle Gott verhüten!
Daher falle eure Wahl auf Männer von festem ge-diegenen Sinn, auf Männer die dem Volk nicht schmei-cheln, auf Männer die den Willen haben, dem Volkedas zu erstreben, was dem Volke dient und dem Königeda« gerne lassen was des Königs ist.
Ruhige, besonnene, charakterfeste Männer, die daswahre Volkswohl wollen, werden uns schnell zum Zieleführen; Ruhe und gesetzliche Ordnung werden dann wie-derHandel und Gewerbe beleben, und die Wunden, welchedie zehn vergangenen Monate geschlagen, werden wiederheilen, und weder der Landmann, noch sonst Jemand wirddann mehr sagen, daß sie besser dreifache Steuern zahlt,als die zehn Monate verlebt hätten.
Den Wählern sage ich, eure Zukunft liegt in euer«Handen. Werden die Männer, die ihr nach Berlin sen-det, ein Werk des Frieden« und der Eintracht bauen,so wird eure Zukunft eine bessere sein. Daher wähltMänner die ebenso entschieden dem Absolutismus, wenner sich von Oben zeigen sollte, als dem Terroismus vonunten entgegen treten; nur solche Männer sind auf daswahre Wohl des Vaterlandes bedacht. Wühler und un-ruhige Köpfe werden euch keine Erleichterung irgendeiner Art verschaffen. Der Staat braucht zur Führungdes Staatshaushaltes Steuern, uno das Land muß diesegeben, die zu dessen Führung nöthig sind. Sind dieSteuern durch eure Vertreter festgestellt, und werden siedann gleichmäßig im ganzen Lande nach dem Reinertragvertheilt und gehoben, so werden die Steuern uns nichtdrücken. Denn ftlbst wenn es sich herausstellen sollte,daß der Staat für seinen Haushalt alljährlich 100 Mil-^lonen bedürfe, so zahlen wir bei einer Bevölkerung von^Wj Millionen Einwohner noch nicht die Hälfte wasbei seiner Bevölkerung von 35 Millionenzahlt.
Das aufgestellte Budget von Frankreich übersteigt 1600Millionen Franken, während das unsrige nur 375 M,l-lioncn Franken betragen würde. Au« diesem Zahlenver-^ hällniß muß es jedem einleuchten, daß die Steuern, wennsie nach dem richtigen Steuervermögen vertheilt sind,Niemand drücken tonnen und jeder muß auch zugleich ein-sehm, daß uns von Westen aus keine Erleichterungenkommen können.
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Wenn wir nun da« Grundübel untersuchen, woran diemenschliche Gesellschaft fast in ganz Europa leidet, sowcroen wir finoen, baß denselben schwerlich auch mit denallerfreiesten Institutionen allein zu helfen sein wird.Freiheit allein wird unsere Zustande nicht bessern, unddie extreme Freiheit schon gar nicht, denn diese ist undbleibt das Grab der gesetzlichen Freiheit und Ordnung.«Das Haupt-Äranoübel besteht in der unsittlichen undirreligiösen Haltung der Städte; von da geht der Kampfsowohl gegen die sociale wie gegen die politische Oi.-nung aus. Wer will das verneinen? Uno warum gehter von da aus? Weil lausende von Menschen, die inden Städten ihr bequemes Auskommen suchten, es danicht auf die Bauer finden konnten. Wenn ich dieseBehauptung aufstelle, so behaupte ich ferner, daß geradediejenigen, die dem Volke die Freiheit versprochen, essind, die in der Anarchie die gesetzliche Freiheit zerstörenwollen. Sehet euch einmal die Frelyeitspreoiger rechtan, findet ihr nicht da« sie weder an einen Gott, nochan eine Zukunft und Vergeltung glauben, uno daß sie«in Heer von Gassenbuben und sonst veroorbenen Men-schen in ihren Reihen haben, die die Andersdenkenden zuihrem Freiheicssystem durch Katzenmusiken, Pflastersteineund selbst Dolche bekehren sollen.
In frühern Zeiten bestanden die Städte aus Hand-werkern, Gewerbtreibenoen und andern friedliebendenBürgern, die sich in ihrer Genügsamkeit nicht nur er-nährten, sond.rn sich auch so ernährten, daß sie auchnoch einen Nothpfenmg für ihre ältere Tage erübrigten;jetzt finden wir in den Etadten eine Ueberfüllung vonHandwerkern und Gewerbetreibenden, die ihr Auskom-men nicht mehr finden tonnen, und die bei dieser Ueber-füllung nothwendig nach und nach verarmen müssen. Zudem spärlichen jetzigen Verdienst hat sich noch oie Ge-nußsucht und die Eitelkeit gesellt; an die Zukunft wirdnicht gedacht, weil es sprichwörtlich geworden ist, wennwir nichts mehr haben, so müsse» uns die Reichen er-nähren oder der Armenfond.
Die freiesten und besten Gesetze reichen bei solcher Ge-sinnung nicht aus. Der Mensch muß selbst mitwirken;er muß sich selbst durch Arbeitsamkeit, Genügsamkeit undSparsamkeit emporzubringen suchen, uno wenn er diesedrei Nummern besetzt, so zieht er in der Lotterie desLebens keine Niete.
Man hat so. häufig das Glück des Staates nach derZunahme seiner Bevölkerung bemessen. Ich habe diesenMaaßstab nie annehmen wollen, ich habe bis jetzt denStaat für den glücklichsten gehalten, wo jeder Bürgersich sein Auskommen auf die leichteste Art verschaffenkann, und jenen für den unglücklichsten, wo nur Einzelnegroße Reichthümer besitzen, der Mittelstand mehr undmehr schwindet und die große Masse der Menschendarben muß.
Wir müssen nun wo möglich ein Mittel suchen, wiedem Uebelstande, wovon ich gesprochen habe, abzuhelfenist. Wir sehen das Leute die noch Vermögen haben, da-bei a«r doch für ihr« Zukunft besorgt sind, ihr Ver-mögen realisiren, damit nach den vereinigten Staatengehen, um sich da eine bessere Zukunft zu gründen. Gehtes so fort, so geht uns der Mittelstand immer mehr undmehr verloren, und un« bleibt nichts als der Reiche undder Arme.
Der Artikel zehn der gegebenen Verfassung sagt, dieFreiheit der Auswanderung ist nicht beschrankt, Abzugs»gelber werden nicht erhoben. Dieser Artikel, wenn erden Besitzenden genügt, so reicht er für die Nichtbesitzen-den doch nicht aus, und auch diese haben Anlpruche dar-auf, daß der Staat für sie sorge. Daher wuroe ich einGesetz vorschlagen, daß vom Staat, wenn das Budgetfür den Staatshaushalt festgestellt ist, noch weitere l0°/«von allen Steuern erhoben würden, um mit diesem GeldeKolonien zu gründen, um den Leuten, welche Fähigkeit,aber nicht die Mittel zum Eiweld haben, uno welcheauswandern wollen, freie Ueberfahrt nach den Eolonienzu geben, ihnen allda Land, Acke^geräthschaften uno Viehals freies Eigenthum zu überlasslN, und sie noch wo esnöthig von einer Aernte bis zur andern zu unterstützen.Den überflüssigen Handwerkern könnte man freie Ueber-fahlt und eine ^wöchentliche Unterstützung an O»t undStelle geben, während welcher Zeit sie sich Arbeit zusuchen hätten.
Auf diese Weise würben wir einer Masse von Men-schen, die sich hier nicht mehr durchbringen, ein anderesVaterland gründen, die sich bei Fleiß und Thätigkeitreichlich ernähren könnten, und wir wurden mit der Zeitan Armengeldern ersparen, was wir jetzt vorlegten.Ebb lenz, den 27. Dezember 1848.
Ehr. Haan.