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3 (1842)
Entstehung
Seite
111
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pen, Altanen, Erkern, 3 Thürmen ?c. Einer die-ser Thürme, der sogenannte Flaschenthurm, warso eingerichtet, daß man aus den Kellern bis in'serste Stockwerk fahren konnte. Im Thurmknopfe be-fanden sich Tisch und Bänke. So brachte manauch im großen Thurmsaal durch eine, unmittelbarin den Keller gehende, Oeffnung den Wein, ohneHilfe von Bedienten, bis unter die Tafel. Jo-hann Georg I. bauete noch (16181623) denwestlichen Flügel des Schlosses nebst Hauptportalund Glockenthurm, welcher 1599 abgebrannt war,und gab dadurch dem Ganzen eine regelmäßigereGestalt, wie er es auch noch mit Altanen, Gängenu. s. w. verschönerte.

Bis in die Mitte des 16. Jahrh, war Torgaunoch öfter, als vorher, die landesherrliche Residenz,bis 1628 häusig Versammlungsort der Kreis- undLandtage, auf denen es Sitz und Stimme hatte, wasmit den glänzenden Hoffesten zur Verschönerung derStadt, zum Wohlstande und zur Bildung der Ein-wohner nicht wenig beitrug. Während dieser Zeitgehörte es auch zu denjenigen Städten, welche durchihr vorzügliches Bier reich und berühmt wurden.Unter dem Kurfürsten August war dieser Bierruhmam größten: es wurden damals jährlich nicht selten15N0 Gebräude oder 18,NU0 Faß Vier gebrauet, undzwar nicht blos für die Stadt und Umgegend, son-dern auch zur Verschrotung nach Dresden, Leipzig,Halle, Erfurt und Magdeburg, wo die Vraubürgereigene Lagerkeller hatten, ja sogar bis nach Pragund Wien. Bier war damals selbst ein Lieblings-trunk der Fürsten, so daß verschiedene Biere zu ih-ren Gelagen erfordert wurden. Und im Sprüch-worte sagte man:Torgisch Bier ist der armen LeuteMalvasier." Im Jahre 1548 kostete die Kannedieses vorzüglichen Bieres nur 2 Pfennige. Undnoch 1556 gab der Rath die Verordnung, daß dieGastwirthe von einer Person für eine Mahlzeit von5 Gerichten 2 Gr., von 4 Gerichten 1 Gr. 6 Pf. undvon 3 Gerichten nur 1 Gr. nehmen sollten, Einanderes einträgliches Gewerbe war die Tuchfabrika-tion, zu deren Gunsten Friedrich der Weise 1514der Stadt noch 2 Jahrmärkte bewilligte. Die Zahlder Häuser stieg damals auf 1666, und die Naths-kammerei war so vermögend, daß sie 1528 das Rit-tergut Mahitzsch kaufen, 1529 ein Hospital, einSiechhaus ic. bauen konnte. Dieser glückliche Zu-stand der Dinge war unstreitig auch der Grund,daß Luthers Lehre gleich anfangs durch den viel-fachen Verkehr Eingang fand und schon 1518 zahl-reiche Anhänger zählte, 1522 bereits 2 tolerirteevangelische Prediger hatte, und Luthers Anwesenheitauf einer Geschäftsreise mit Bewunderung und Aus-zeichnung gefeiert wurde. Daher ging auch jene pracht-volle Kreuz- und Wallfahrtskapelle bald ein, undder angesehene Bürger Leonhard Koppe durstees wagen, nicht allein 1523 neun größtentheils ad-liche Nonnen, auf ihr Verlangen und Luthers Zu-reden, aus dem Kloster Nimbschen zu befreien, son-dern sogar 1525 das Franziskanerkloster zu stürmenund die Mönche zu verjagen. Unter jenen Nonnenwar auch Katharina von Bora, welche Lutherin Wittenberg kennen leinte und 1525 heirathete.Gabriel Didymus, ein Anhänger Luthers, wel-cher die Nonnen nach Wittenberg geführt hatte, wardin demselben Jahre als erster evangelischer Pastor,mit 2 Diakonen an der Hauptkirche angestellt. Schon

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1491 hatte man eine Stadtschule am fürstlichenStalle erbauet; diese ward bei der Kirchen- undSchul-Visitation, welche Luther 1529 hielt, inein Lyceum verwandelt und später in das Franzis-kanerkloster verlegt. Sie blühete bald so vorzüglich,daß Luther von ihr und der zwickauer Schule sagte,sie seien vor andern die zwei trefflichsten und köst-lichsten Kleinodien in des Kurfürsten Landen.

Der Fortgang der Reformation führte 1546den schmalkaldischen Krieg herbei, und Torgau wardam 13. Nov. von Herzog Moritz besetzt, doch nochin demselben Jahre von Johann dem Großmü-thigenwieder genommen. Der Amtsschösser Bauer,dem Kurfürsten untreu, wie mehre seiner Diener, hattedem Herzoge den Brautwagen und andere Sachender Kurfürstinn Sibylle verrathen, und ward da-für 1547 in Torgau gehenkt. Allein nach der Schlachtbei Mühlberg (24. April) siel es wieder in die Ge-walt des Kaisers Karl V., welcher die Stadt auchden 28. April mit seinem Bundesgenossen besuchteund sie der Plünderung seiner Truppen Preis gebenwollte, es aber doch aus Moritzens Einspruchunterließ, wofür diesem der Rath später 24,669 Gul-den zahlen mußte, nachdem er vorher bedeutendeSummen auf die Befestigung der Stadt und aufdie Bürgermiliz verwendet hatte. Der Kaiser fanddas große Schloß mit seinen stattlichen Thürmen,mit seinem kunstreichen Tafel- und Schnitzwerk,mit seinen reichen Vergoldungen, Spiegelzimmern,Portiätsammlungen von Kaisern und Fürsten, mitseinen Schlacht- und Iagdgemälden so herrlich, daßer es eine wahrhaft kaiserliche Burg nannte.In Folge der Kapitulation von Wittenberg, worinauch 769 torgauer Bürger lagen, kam Torgau andie albertinische Linie, und diese sorgte nicht weni-ger für dessen Wohlstand, bei welchem sich auch dieRathskämmerei in so guten Umstanden befand, daßman 1563 ein neues Rath Haus bauen konnte.Kurfürst August ließ 1562, wo er ansing, in Tor-gau Hof zu halten, zur Verbesserung der Tuchfabri-kation, Tuchmacher aus Holland kommen, und gabder Stadt 1565 über die stromab zu verschiffendenBreter Stapelrecht, welches Johann Georg I.1628 auf Getreide, Kalk, Obst und alle Waaren-schiffe und Flöße ausdehnte. Kurfürst August ge-stattete 1575 auch einen Wochen-Getreidemarkt zuhalten. Seit 1576 hatten die Tuchmacher 2 Walk-mühlen und 1 Färbehaus.

(Beschluß folgt.)

Die Nudelsburg.

Reicher als irgend eine andere Gegend Deutsch-lands war im fehdelustigen und raubsüchtigen Mit-telalter Thüringen, das Vaterland so vieler edlerund tapferer Ritter, aber auch so vieler wilder Rauf-bolde und raubgieriger Wegelagerer, an Ritterbur-gen und Raubschlössern, so daß Kaiser Rudolf vonHabs bürg (12731291), um Ruhe und Ord-nung im zerrütteten Reiche wieder herzustellen, da-selbst allein 66 Raubnester zerstören und 29 Raub-ritter hinrichten ließ. Auf allen Bergen an denGewässern, auf allen Höhen an den Straßen be-drohten sie die Reisenden mit verderblichen Angrif-fen, mit Raub und Mord. Wenn aber diese Bur-gen einst in ihrer ursprünglichen Bestimmung so