Muleum lür preuhilche llaterlandskunde.
Band m
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Lief. 5.
August Wilhelm Iffland.
Unter den Koryphäen deutscher Schauspielkunstdes vorigen, wie des gegenwärtigen Jahrhundertsnimmt, wie allgemein bekannt, August WilhelmIffland einen der obersten Ehrenplätze ein, undwird der deutsche R oscius genannt. Während einerReihe von Jahren als Generaldirector der Natio-nalbühne zu Berlin, wie als ausübender Künstlerauf derselben hochverdient, gebührt ihm auch in der„Borussia" ein Denkmal.
Am 19. April 1759 zu Hannover geboren, er-hielt Iffland, der Sohn angesehener und bemit-telter Aeltern, bei einer sorgfältigen Erziehung, ei-nen sehr zweckmäßigen Unterricht, den er jedock, sei-nem eigenen Geständnisse zufolge, nicht nach Maß-gabe seiner natürlichen Anlagen benutzte. Früh schondrängte sein Genius ihn zu dem Kunstberufe, des-sen Zierde er war, und aus der, seinen gesammel-ten dramatischen Werken vorausgeschickten, Selbstbio-graphie entnimmt man mit psychologischem Interessedie Entwickelung seiner Neigung für das Theater,welche endlich gewaltsam jeden Zügel der älterlichenFürsorge zerriß.
Iffland schildert mit lebendigen Farben dieersten tiefen Eindrücke, welche die Darstellungender ackermannschen und seylerschen Schauspielergesell-schaften auf seine Knabenseele machten. Das ersteStück, welches er in seinem Leben sah, war, soviel er sich erinnert, „der Kranke in der Einbil-dung", und nahm seine eigene Einbildung ganz ge-fangen. In „Miß Sara Sampson" erschien ihmdarauf die Tugend so ehrwürdig. Die Leiden derMenschheit kannte er bis dahin nur aus Hübnersbiblischen Geschichten oder von armen Leuten, welcheAlmosen empfingen; von einer solchen Leidensgeschichte,einer solchen Sprache hatte er keinen Begriff. DasTrauerspiel „Rodogine", mit seinen herrlichen De-korationen und hohen Heldengestalten, vollendetedas Zaubernetz, welches für ihn von jetzt an in derTheaterwelt lag. Die hohe Tragödie erfüllte ihnmit schwärmerischer Ehrfurcht. Ganze Tage machteer dann bei seinen Gespielen den Tambour undtrug die Fahne, damit sie nur eine halbe Stundezusahen, wenn er als Kleopatra rasete und alsAntiochus weinte.
Als er älter wurde, war unter den Lehrgegen-standen es am meisten die Geschichte, welche, beidieser Richtung seiner Empfänglichkeit, in Begeben-heiten und Charakteren ihn anzog. Dabei las erden „Grandison" und „Dechant von Killerine",dann mit Eifer den Roman „Peregrin Pickel", derin mancher Hinsicht auf seine Lage paßte. Er thatAlles, um ihm ähnlich zu werden, und durchzogmit seinen Gespielen Stadt und Land, um Kreuz-züge in Peregrins Geiste zu beginnen. Diese Dar-stellungssucht, die Sehnsucht nach der glänzenden
Lampenwelt, drängte, als eine Art Krankheit, jedeandere Aufgabe seiner jugendlichen Geisteskräfte im-mer mehr zurück. Als er, bei der Wiedereröffnungdes Schauspiels, die Vorstellung „Richards Hl."von Weiße besuchte, und auf dem Vorhange dieWorte las: „d'xrlirom l!»Ice levnwen!^ — war,nach seinen eigenen Worten, das Schicksal seinerLaufbahn entschieden. Von nun an wandte er sichentschieden von Allem ab, was zur lateinischenGrammatik gehörte; er las und sah die Schauspielemit Unterscheidung, mit Studium; er war über-zeugt, daß er für seine eigentliche Bestimmung arbeite.
Es ist begreiflich, daß er diese Bestrebungenvor seinem Vater, der ihn zur Theologie bestimmthatte, sehr geheim halten mußte, daß dadurch Ver-schlossenheit und Widerspruch, also Bitterkeit in seinWesen und Mißvergnügen in das Leben der Sei-nigen kam. Er sagt: „Je mehr ich um diese Kunstdulden mußte, um so theurer wurde sie mir. Fürdie Kunst war ich Etwas; für die Wissenschaft warich Nichts." In dieser Stimmung besuchte er oft dieKirchhöfe, und machte die Todten zu seinen Vertrauten.Einst las Iffland auf einem Leichenstein die be-kannten Worte: „Gehe hin in ein Land, dasich dir zeigen werbe!" — Das sprach gewaltig zuihm, und er rief stark und laut: „Ja, das Schick-sal wird es mir zeigen, und ich werde hingehen." —Als der große Schröder mit seinem Theater nachHannover gekommen war, fachte dessen Genie undBrockmanns glänzendes Talent Ifflands Gluthfür die Schauspielkunst zur hellen Flamme an. Erwar seiner nicht mehr mächtig, und zerfiel, im Wi-derspruch mit den älterlichen Wünschen, allmälig ganzmit seinem Familienkreise, Dazu kam noch, daß erGöthes Werther las, dann die Vorstellungen^Stella, Othello, Esser, Elfride und Elavigo sah,und jede derselben riß ihn näher zum Ziele hin.
Endlich war sein Entschluß gefaßt. Er erbatsich von den Aeltern die Erlaubniß zu einer Reiseüber Land, um — nicht wieder zu kehren. Mit wenigGeld und viel Mühseligkeit, anfangs unter heißenThränen, wanderte er nach Gotha z dorthin zog ihn derName Eckhof und sein Glaube an diesen. Ertäuschte sich nicht. Der berühmte Eckhof nahmden jungen Mann wohlwollend auf, hörte und ver-stand seine heißen Wünsche, und entschied durchseine Fürsorge Ifflands Anstellung.
Am 15. März 177? betrat der Kunstschwärmcrzum ersten Male die Bühne auf dem herzoglichenHoftheater zu Gotha. Der von ihm abgöttisch ver-ehrte Eckhof wurde sein Vorbild, Gotter seinLehrer, und mit Beck und Beil, zwei talentvol-len jungen Schauspielern, schloß er, im Interesseder Kunst, den innigsten Freundschaftsbund. Alledrei waren sich ziemlich nahe an Iabren und Enthusiasmus für den gewählten Beruf. Sie wan-derten zusammen oft des Morgens auf's Land, na»