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III. Kapitel: Grössere Operationen.
Bandni. Allge m .^
der Länge 18 cm, im Umfang l'/acot; die Windungenstanden je l J% cm von einander ab. Sie wurde nun soeingelegt, dass das eine Ende in das untere Ende desOberschenkelrestes zu stecken kam, während man dasandere Ende von dem Endstück des Oberschenkelknochensaus zum Wundende herausleitete. Hierdurch wurden dieBruchenden in gewisse Berührung gebracht und die Weich-theile an der Stelle des Knochendel'ekts aus einandergehalten. Die Heilung erfolgte so gut, dass beide Ober-schenkel dieselbe Länge hatten, auch ohne jede Wachsthums-störung; die Spirale liess sich in der 9. Woche aus demoberen Wundwinkel sehr bequem herausziehen.
Unter den 100 Schaftaussägungen, über welche obenberichtet worden, ist zweimal (an Oberarm und Elle) dieOperation zur Heilung von eingetretener Pseudarthrose— doch ohne Erfolg — unternommen worden, währendsich einmal (Fall 4 auf S. 302) die Heilung durch Ein-stossen von Karlsbader Nadeln erreichen liess.
Im Frieden ist die Operation der Pseudarthrose durchAnfrischen der Bruchenden seit Beginn der antiseptischenZeit weit häufiger unternommen worden, als vor derselben.
Man hat vor dem Versuch der Heilung durch Operationwohl vielfach erst die weniger eingreifenden, unblutigenVerfahren in Anwendung gezogen, sich aber — wenndiese versagten — jetzt mit Recht weit schneller zurOperation entschlossen. Bei derselben bleibt ebenfallsSchonung der Knochenhaut die Hauptbedingung; von denBruchenden soll so wenig wie möglich weggenommenwerden, da die Anfrischung derselben genügt und diesedurch Absägen einer feinen Knochenplatte schon erreichtwird. Geeignetenfalls empfiehlt es sich auch hier, dieBruchenden treppen- oder staffeiförmig oder schräg anzu-frischen, auf einander zu passen und sodann die Endendurch Knochennaht zu vereinigen. Bei Pseudarthrose derElle ist es zuweilen zur Vereinigung der Bruchendennöthig gewesen, auch ein Stück aus der Speiche herauszu-sägen — und umgekehrt, während bei Pseudarthrosen-Operation des Schienbeines das Wadenbein nur eingeknicktzu werden braucht, um die Bruchenden des Schienbeineszu nähern. Stehen die Bruchenden so weit auseinander,dass sie nicht vereinigt werden können, so sind verschiedeneplastische Methoden vorgeschlagen und angewandt worden.So löste v. Nussbaum bei einer Pseudarthrosen-Operationam Unterarm, bei welcher eine grosse Lücke zwischenden Bruchenden bestand, von dem einen Ende ein Längs-stück von der Ausdehnung der Lücke mit Säge und Meisselab, so dass er das Knochenende der Länge nach theilte.Am unteren Ende blieb das Stück in Verbindung mit derKnochenhaut; dann wurde das freigemachte Stück herumge-dreht und — nach Anfrischung des anderen Endes — in dieKnochenlücke hineingepasst. E. Hahn 1 ) hat in einem Fall
') Verhandlungen der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie.XVIII. Kongress 1889. I. S. 162.
von grosser Knochenlücke bei Operation einer Pseuddes Schienbeines dieselbe mit sehr gutem Erfoltrdurch gedeckt, dass er das untere Ende des Waden!»'in das obere Schienbeinende einpflanzte, nachdem erher von dem einzupflanzenden Stück die Knochenhautgelöst hatte. Von der abgelösten Knochenhaut ans \sich dann eine so starke Knochenwucherung «Mi,dass der Unterschenkel vollständige Festigkeit mitgeringer Verkürzung erhielt. Ollier 1 ) giebt bei weitklaffenden Bruchenden zwei Methoden des Ausgleichs«Er schlägt von dem einen Bruchende einen dreieckiwKeil ab, der aber mit den anhaftenden Weichtheileu min Berührung bleibt, dann wird der Keil nach dem ander«Bruchende, welches ebenfalls angefrischt ist, verschob«und, wenn angängig, nun mit beiden Enden durch Mvereinigt (Ostdoplastie par glissement). Oder er schlavon dem einen Bruchende einen dreieckigen Keil biäjeine kleine Brücke ab, die von der Knochenhaut bedeck!bleibt, kippt den Keil an dieser Brücke um und fü»t Jfreie Ende des Keils an das angefrischte andere Bind]ende (Osteoplastie par renversement). Am Unterarm JUnterschenkel giebt er den Rath, bei weitBruchenden aus dem gesunden Knochen einen Keil hera»|zumeisseln, der wieder mit seiner Knochenhaut in Terbindung bleibt; dann werden die inneren Ecken der WhBruchenden angefrischt und der Keil in dieselben — nadDrehung um seine horizontale Axe — in die Ecken ei»|gefügt (Oste'oplastie par approche). Der Glasgower ClMacewen 2 ) nahm in einem Fall von Neildes ganzen Schafts des Oberarms, bei welchem 15 Monanach Herausnahme desselben noch keine Spur von Knock»]neubildung sich zeigte, bei einem anderen Kinde einSiaus der vorderen Wand des einen Schienbeins heraussorgfältiger Erhaltung der Knochenhaut, theilte diese feKnochenplatte in kleine Stücke und überpflanzte letin die Lücke am Arm des ersten Kranken. Die klfKnochenplättchen heilten ein und es bildete sich eineliehe zusammenhängende Knochenmasse; der Arm *wenn auch verkürzt, doch brauchbar. Besteht die Rarthrose schon lange Zeit, so pflegen die Bruchendensehr zu verdünnen und zuzuspitzen. Man erhält' nach i\Anfrischen dann nur sehr kleine BerührungsflächenHeilung bleibt dann leicht aus und zwar, wie Khervorhebt, gerade leicht bei gutem antiseptischen Verl:Er 3 ) hat deshalb die Nachbehandlung zuweilen in NFällen absichtlich so geleitet, dass Eiterung eintrat,leicht zu erreichen wäre, „wenn man den Verband «stark komprimirend anlegt und bei dem WechselKnochenspalte öfters ausspült" (?). Zuweilen wirken •Eingiessungen von reizenden Flüssigkeiten, wie )I
i) Ollier, a. a. 0. I. S. 576.
2) Ollier, a. a. O. I. S. 579.
3) König, Lehrbuch der speziellen Chirurgie. Berlin!III. Bd. S. 500.