Band III. Aügem
Theil.
I. Abschnitt: Gliedabsetzungen und Gelenkaussägungen.
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B Häufigkeit und Ergebnisse der Gelenk-aussägungen im Allgemeinen.
Zu einem Beweise des oben ausgesprochenen Satzesbetreffs der Häufigkeit der Gelenkaussägungen bei denDeutschen 1870/71 gegenüber den vorangegangenen grossenKriegen fordern die kleinen Zahlen aus dem Krimkriegeund dem Italienischen Kriege (siehe Uebersicht XXX) über-haupt nicht heraus. Die nicht unbeträchtliche Gesammt-zahl (215) aus dem Feldzuge von 1866 zersplittert sich aufviele Parteien in der Weise, dass beispielsweise aufPreussen nur 71 Operationen entfallen. 1 ) Eine nähereErläuterung der grossen Amerikanischen Zahlen endlichlejgt dass auch sie im Verhältniss zur Häufigkeit derGelenkwunden im Ganzen noch etwas hinter den Deutschenzurückbleiben. Es wurden nämlich mit Aussägung be-handelt von 11410 „Quetschungen und Brüchen" grosser
I Gelenke im Amerikanischen Kriege 2 ) 2115 = 18.5$, beiDeutschen 1870/71 aber (ohne diejenigen Gelenkaussägungen,denen Gliedabsetzung folgte) von den gesammten 4085 Ge-
; lenkwunden 3 ) 827 = 20.2 #, und von den 3941 Knochen-verletzungen der Gelenke (siehe vorstehende Uebersicht V),velche den Amerikanischen „Quetschungen und Brüchen"wohl angemessener gegenübergestellt werden, 21.o $.Weiterer Vergleich lässt erkennen, dass das Mehr bei denDeutschen 1870/71 fast ausschliesslich auf die Gelenke derunteren Gliedmaassen entfällt, und zwar vornehmlich aufdas Fussgelenk, ausserdem nur noch auf das Ellenbogen-gelenk, während nach Wunden des Schulter- und desHandgelenks die Amerikaner häufiger resezirten als die
[Deutschen. Es wurden nämlich mit Aussägung behandelt:bei den bei den
Amerikanern Deutschen 1870/71 4 )Von Gelenkwunden
| der oberen Gliedmaassen
unteren „
und zwar im Einzelnen:
33.2 £ 33.4 bezw. 34.i £
2.8 „ 7.2 „ 7.6 „
lieber die Gesammtzahl der Gelenk wunden liegen aus demiKriege von 1866 keine Angaben vor. Ein Vergleich zwischen derpktiven Häufigkeit der Resektionen in den Kriegen von 1866 und§1870 71 kann sieb daher nur auf die Gesammtzahl der in ärztlicheHandlung gelangten Verwundungen überhaupt stützen. LetztereI betrogen [nach Engel) bei der Preussischen Armee 16177, wovonI die 71 mit Gelenkaussägung behandelten O.44 jj ausmachen, währendkf die 99 566 während des Krieges 1870/71 ärztlich behandeltenI Deutschen Verwundeten 887 = 0.80 g Gelenkaussägungen entfallen.■Betreffs des Grades der Vollständigkeit der aus dem Feldzuge von|1866 ermittelten Operationen dieser Art siehe bei Gurlt a. a. O. S. 335.)8 ) Siehe Medical and surg. history etc. Part III , surg. vol.£■ 870 (Zahl der Gelenkwunden) und 875 (Zahl der Aussägungen).»ie wegen Brüchen der Knochenschafte mit Spaltung bis ins Gelenk■»genommenen Gelenkaussägungen sind auf S. 870 nicht bei denGelenkwunden, sondern bei den "Wunden der Diaphysen verrechnet.: 'i Siehe Speziellen Theil dieses Bandes, S. 1011.'1 Die kleineren Verhältnisszahlen beziehen sich auf die Gelenk-ten überhaupt, die grösseren auf die Knochenverletzungen derI Gelenke.
Smitits-Bericht Über die Deutschen Heere 1870/71. III. Bd. Allgem. Theil.
bei den
bei den
Amerikanern Deutschen 1870,71
Von Wunden
des Schultergelenks . .
68. 7 g
51.9 bezw. 53.6 §
„ Ellenbogengelenks .
27.t „
33.o „
33.5,,
„ Handgelenks . . .
7.*,,
6.4 „
6.5 „
„ Hüftgelenks . . .
17.o„
21.! „
22.9 „
„ Kniegelenks . . .
1.7 „
3.5 „
3.6 „
„ Fussgelenks . . .
1.9 „
14.i „
14.3,,
Diese Zusammenstellung lehrt ausserdem die ausser-ordentlich viel grössere Häufigkeit der Aussägungen inbeiden Kriegen nach Gelenkwunden der oberen Glied-maassen als nach solchen der unteren, während bei denGliedabsetzungen das umgekehrte Verhältniss obwaltet.
Verkältnissinässig noch weit häufiger als bei denDeutschen 1870/71 wurde — wie schon angedeutet —während des Dänischen Krieges 1864 in den PreussischenLazarethen resezirt, wenigstens an Schulter und Ellenbogen.Die 47 in den genannten Sanitätsanstalten behandelten,durch Schüsse in das Ellenbogengelenk verwundetenPreussen und Dänen gaben zu nicht weniger als 40 Aus-sägungen dieses Gelenks (mit 12 Todesfällen) Anlass. 1 )
Der absoluten Häufigkeit nach stehen bei den Deut-schen 1870/71 die Aussägungen des Ellenbogengelenks (392)allen anderen weit voran; am seltensten (unter den sechsgrossen Gelenken) geschahen sie am Hüftgelenk und amHandgelenk (je 28); sehr in die Augen springend ist diegrosse Zahl der früher nur ausnahmsweise vorgenommenenResektion am Fussgelenk (81) und am Kniegelenk (58).
Die Sterblichkeit nach Gelenkaussägungen hat inden Kriegen seit 1848 innerhalb erheblich weiterer Grenzengeschwankt als diejenige nach Gliedabsetzungen. DieSchlusssummen der Uebersicht XXX sind allerdings untersich ebensowenig und noch weniger ohne Weiteres ver-gleichsfähig als diejenigen der Uebersicht III, weil aucherstere sich in beträchtlich wechselnder Weise ausOperationen von sehr verschiedener Bedeutung zusammen-setzen. Insbesondere die weitaus lebensgefährlichstenAussägungen des Hüft- und Kniegelenkes betragen vonsämmtlichen Gelenkaussägungen aus dem
Schleswig-Holsteinschen Kriege 1848 bis 1850 4.8 £
Krimkriege............. 7.3 „
Italienischen Kriege..........16.6,,
Amerikanischen Kriege......... 6.2 „
Dänischen Kriege 1864.........8.8,,
Deutschen Kriege 1866......... 10.2 „
Kriege 1870/71
bei den Deutschen.........9.8,,
bei den in Deutschen Sanitätsanstalten be-handelten Franzosen..... 20.6 „
bei den Franzosen nach Chenu..... 17.0 „
!) Siehe bei Löffler, Generalbericht u. s. w. S. 229.
(Folgt Uebersicht XXX. Portsetzung des Textes auf Seite 276.;
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