Sand III. Allgem. Theil.
III. Abschnitt: Pyämie und Septicämie.
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jcheidung dieser Formen schon in der Theorie bedenklich, inder Praxis ohne grosse Willkürlichkeit kaum ausführbar."
In Folge der schwierigen, nicht selten unmöglichen Durch-führung einer solchen Trennung wurden in einer nicht geringen
Anzahl von Berichten Septicämie und Pyämie kaum unter-schieden, die Worte vermischt gebraucht und die Verwundeten
linfach als an Pyämie und Septicämie verstorben geführt. Somitben nur in wenigen Berichten die beiden Begriffe und dievon ihnen abhängigen Zahlen eine vollkommen gleiche Be-deutung. Ein derartiger Wirrwarr verschiedener Anschauungenkönnte für einen zusammenfassenden Bericht leicht verhängniss-voll werden; indessen die Namen Septicämie und Pyämie be-deuten beide, wie Koch in seiner Aetiologie der Wund-
rankheiten ausführt, nicht mehr das, was ursprünglich mit
hnen bezeichnet wurde: die Pyämie entsteht nicht durchEindringen von Eiter in die Blutgefässe und die Septicämie istkeine faulige Zersetzung des lebenden Blutes; beide sind nurnoch Sammelnamen für eine Anzahl von Symptomen, welcheentweder dadurch, dass neben septogenen Mikroorganismenverschiedene Mengen giftiger, rein chemisch wirkender Stoffe
ihren verderblichen Einfluss ausüben, oder durch die Ein-wirkung verschiedener eigenartiger Spaltpilze zu erklärensind. Man neigt in neuester Zeit zur Annahme der letzterenAnsicht, und allerdings lassen die Arbeiten Pasteur's undnamentlich Koch's über Septicämie und Pyämie an Mäuseneine auf die spezifische Einwirkung von Mikroorganismen ge-gründete Unterscheidung der Septicämie und Pyämie sehrannehmbar erscheinen. Es wird die Aufgabe der nächsten Zeitsein, unsere in dieser Beziehung noch lückenhaften Kenntnissezu vervollständigen und eine solche Unterscheidung auch fürden Menschen als zu Recht bestehend nachzuweisen. Für denvorliegenden Bericht wird es, da jener Nachweis bisher nochnicht erbracht ist, um so eher zulässig sein, mit Rücksicht aufdie vorher angedeuteten Verhältnisse und auf Grund des innigenZusammenhanges aller septischen Allgemeinerkrankungen mitdem Zersetzungsprozess in der Wunde, die allerdings klinischverschiedenen Krankheitsbilder der Septicämie und Pyämieunter gemeinsamem Gesichtspunkte ohne strenge Sonderungzu betrachten.
I. Vorkommen.
A. Auf dem Kriegsschauplatze.')
1. Aufmarsch.
Aus dem Zeitabschnitt während des Aufmarsches derrmeen wurde kein Fall von Pyämie mitgetheilt, was inem fast ausschliesslichen Zugange von innerlich Krankenad unbedeutend Verletzten ohne Weiteres seine Erklärungndet.
2. Die ersten Kämpfe der III. Armee (Weissenburg,Wörth).
Vom 3. Feldlazarett XL Armeekorps liegt aus Wörtb, 2 )
dasselbe neben dem 3. Feldlazareth V. Armeekorps■blirt war, die Meldung vor, dass ein am 6. August 1870
der Schädeldecke Verwundeter am 27. August derämie erlag.
In Bischweiler 8 ) nahm das 3. Badische Feldlazareth19 fast durchweg schwer Verwundete auf. Pyämie warrhältnissmässig selten, doch blieb keine der belegtenumlichkeiten davon ganz frei.
In Weissenburg*) war vom 4. August bis 7. Oktober70 Personal der freiwilligen Krankenpflege unter Professor
roth, danach das Lazareth-Reservepersonal V. Armee-i'P s thätig. Es starben von den im College Stanislaushandelten 88 Verwundeten 31, davon 21, also mehr als
') Die Angaben sind genau nach der Reihenfolge geordnet, wieim III. Kapitel des I. Bandes dieses Berichtes eingehalten ist.
2 ) Vergl. I. Band dieses Berichtes, S. 97.
3 ) Vergl. ebendaselbst, S. 97.*) Vergl. ebendaselbst, S 100.
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2 /3 aller Verstorbenen, an Septicämie und Pyämie. Vondenselben entfallen auf
die 1. Woche . .
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Ferner berichtet Billroth, dass trotz der günstigengesundheitlichen Bedingungen in den Kriegslazarethen zuWeissenburg die Verluste durch Pyämie höchst beträcht-lich waren; dasselbe behauptet er von Mannheim, wo dieBarackenlazarethe an Durchlüftung und Reinlichkeit nichtszu wünschen übrig Hessen. Nur 6 von allen gestorbenenVerwundeten Billroth's sind nicht an septischer Infektionzu Grunde gegangen; nämlich 4 an akuter Blutung, 1 anTyphus, 1 an Bauchfellentzündung. Durch Septicämie hatteer 6, durch Pyämie 35 Todesfälle; wie viele davon aufWeissenburg bezw. Mannheim entfallen, ist nicht er-sichtlich.
Während der Thätigkeit des Lazareth-ReservepersonalsXL Armeekorps in Sulz 2 ) wurden 7 Todesfälle im Augustund im November 1870 ein achter nach Oberschenkel-schussbruch auf Septicämie zurückgeführt.
3. Schlacht bei Spicheren und Marsch nach der Mosel.
Beim 6. Feldlazareth VIII. Armeekorps war die Wund-heilung während der Etablirung in Saarbrücken 3 ) durch-
i) Nach Spätabsetzungen.
2 ) Vergl. I. Band dieses Berichtes, S.
3) Vergl. ebendaselbst, S. 102.
100.
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