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3. Chirurgischer Theil A (1890) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Allgemeiner Theil
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II. Kapitel: Wundkranklieiten.

Band III. AUgem. Thal

sehen, der Boden ruhte nicht auf Pfeilern von Ziegelstein,wurde vielmehr durch eine feste, solide Untermauerunggebildet. Das Wärterpersonal war für diese Baracke ganzabgeschlossen und stand mit dem übrigen in keinemanderen Verkehr, als durch die Küche, aus welcher dasEssen geholt wurde. Der Eintritt war ohne schriftlicheErlaubniss des Arztes jedem Unbefugten untersagt. Bett-stellen, Matratzen und Laken waren für diese Barackegesondert, kamen nie in andere Baracken und das Ver-bandzeug wurde nach dem Gebrauch hier verbrannt, solange es nicht besonders gewaschen werden konnte. DieBettstellen der Brandigen wurden immer mit den Krankennach der Brandbaracke gebracht. Jeder Kranke hatteseine besondere Pinzette; die Wärter wurden angehalten,sich nach jedem Verbände zu waschen. Wenn das Wetter esirgend gestattete, wurden die Kranken, Fiebernde undNichtfiebernde, Tag für Tag in die freie Luft getragen.Bei 27 000 Kubikfuss Luftraum betrug die durchschnitt-liche Krankenzahl 14 bis 16, etliche Tage bis 23. Nach-dem die Brandbaracke einige Zeit bestanden hatte, wurdedie Einrichtung einer sogenannten Rekonvaleszenten-baracke für nöthig erachtet und diese mit solchen Ver-wundeten belegt, deren frühere Brandwunden mit gutenGranulationen bedeckt waren.

In Düsseldorf wurden die von Wunddiphtherie undHospitalbrand Befallenen mit ihren Betten, Bettstellen undKleidungsstücken in die auf dem Exerzirplatze auf-geschlagenen Zelte verlegt; nach erfolgter Heilung warddas Bettzeug entweder vernichtet oder in entlegenenBäumen ausser Dienst gestellt.

Dass durch das Zusammenlegen der Brandigen ineiner Absonderungsstation eine Verschlimmerung der Er-krankungen bewirkt worden sei, wurde von keiner Seiteberichtet. Heiberg glaubte gefunden zu haben, dass dieWunden mehr zu Rückfällen geneigt waren und langsamerheilten, wenn in der Berliner Brandbaracke viele Erkranktelagen, als wenn eine kleinere Anzahl darin war.

Der Erfolg dieser vorbeugenden Maassregeln warstets augenscheinlich. Wenn auch an einzelnen Ortengrössere Anhäufungen von Hospitalbrandkranken statt-fanden, so gelang es doch überall, die weitere Ausbreitungin gewissen Grenzen zu halten und eine Epidemie in kurzerZeit zum Erlöschen zu bringen; an vielen Orten bliebendie eingeschleppten Fälle vereinzelt.

Von unzweifelhaftem Werthe zeigte sich die Unter-bringung der Hospitalbrandigen in Zelten oder Baracken.Die Erfahrung, dass in einem gut gelüfteten Kranken-zimmer die Verbreitung des Hospitalbrandes nicht so sehrzu fürchten ist, berechtigte von vornherein zur Annahme,dass in zweckmässig gebauten Baracken die Unterdrückungdes Hospitalbrandes in seinen ersten Keimen gelingen müsse.Diese Erwartung hat sich allerorts bestätigt; einstimmigwird berichtet, dass die Absonderung in Zelte oder Ba-

racken vortreffliche Dienste geleistet habe.') Von vtherein konnte es immerhin als ein bedenkliches ExperinJangesehen werden, durch die Einrichtung von BrandbaracMinmitten der Barackenlazarethe einen grossen Ansteckt»!herd zu schaffen; die Erfahrungen aber lehrten, dass eilsolche Anhäufung von Hospitalbrandigen bei strengtAbsonderung keine Gefahr für die anstossenden Baracta|gebracht hat. Virchow hob hervor, dass in dem BerlinBarackenlazareth nicht ein einziger Fall festgestellt n\bei welchem in irgend einer Weise eine Fortpflanzung dBrandes auf andere Baracken hervorgetreten wäre. Trotz iverhältnissmässig grossen Nähe, trotz des unvermeidlichJVerkehrs des Personals der Brandbaracke mit dem Pelsonal anderer Baracken, trotz der übrigens unzweifelhafte!Ansteckungsfähigkeit des Hospitalbrandes kam mannicht in die Lage, eine unmittelbare Uebertragung wirkliJzu sehen.

Hand in Hand mit den vorbeugenden Maassregeltlging allerorts eine zweckmässige Behandlung der Wuntalselbst. So verschieden die angewandten Mittel waren,Allgemeinen war die desinfizirende und die ätzend«Behandlungsmethode, letztere meist in Verbindung mit imechanischen Entfernung der erkrankten Gewebstheile, wlherrschend.

In leichteren Fällen wurden mit Erfolg KampheJwein, 3 ) Höllensteinlösungen, 4 ) Holzessig, Jtinktur, Aqua phagedaenica, Terpentinöl vielangewandt; warme Umschläge von KamillenKataplasmen 5 ) waren nach Abstossung der Schorfeund da in Gebrauch. In E m s sah man gute Erfolge relUmschlägen mit Thermalwasser; aus Coburg rallberichtet, dass unter Verbänden mit LeberthranReinigung und Heilung der Wunden auffallend günstigalVerlauf zeigten. Im Reservelazareth I. zu Frankfurt a. IIwurde bei einer langwierigen, dem Glüheisen trotzend«Hospitalbrandwunde durch Behandlung mit Milchzucker!bessere Wundheilung erzielt.

Von antiseptischen Mitteln war die Karbolsäurtlhäufiger in Gebrauch; zumal in den Feldlazarette!(Verneville, Pont ä Mousson, Reims, EtampefSedan, Amiens, Versailles) wurde dieselbe in augedehntem Maasse verwandt; zum Theil benutzte iiislKarbolöl zum Verband, zum Theil wässrige Lösungen 1verschiedener Konzentration zu Umschlägen oderzentrirte weingeistige Lösungen (Ludwigsburgerservespital), zum Theil reine Karbolsäure 7 ) als Aetil

i) Siehe hierzu S. 65.

2 ) Wegen Desinfektion der Leib- und Bettwäsche von HospiWIbrandigen siehe vorstehend S. 77.

3) Vergl. III. Bd, Spez. Th., S. 858 No. 69; S. 946 No. 147.

4) Vergl. III. Bd., Spez. Th., S. 860 No. 83; S. 1021 No. 46.6 ) Vergl. vorstehend S. 25.

6) Vergl. III. Bd., Spez. Th., S. 858 No. 76; S. 947 No. 158.

7 ) Vergl. vorstehend S. 37.