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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
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899
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D. Persönliche Dichtung 899

Archidiakon wurde. Als Lehrer muß er hohen Ruf genossen haben, dennBernhard von Clairvaux spricht in einem Briefe zu ihm ,non cunctabor adnomen magistri Ulgerii i . 1 Nach Bischof Rainalds Tode wurde er 1125 zumBischof von Angers erhoben und bald darauf nach Rom gerufen. WelchenUmständen er diese Erhöhung zu danken hatte, wissen wir nicht, denn seinespäteren Schicksale sind so trübe gewesen, daß man ihm wohl keine hoheAbstammung zuschreiben kann, und von großen literarischen Verdienstenkann man bei ihm auch nicht sprechen. 2 Er verfeindete sich mit den Mön-chen von Vendöme und deren Abt Goffrid und er scheint deshalb in Rom,wohin er 1136 wieder vorgeladen wurde, hart behandelt worden zu sein.Denn aus seinen Gedichten 3 wie aus seinem von ihm selbst verfaßten Epi-taph geht hervor, daß er aus seinem Bischofssitze vertrieben wurde, nach-dem ihm alles genommen war: er floh mit einem einzigen Begleiter, littim Gefängnis Hunger und Durst, und schwach und alt wurde er zum Spottdes Volkes; von keiner Seite hatte er Freude, Ruhe oder Trost zu erwarten,sein Vaterland war die Welt und die Erde sein Haus, erst der Tod hat ihmRuhe gegeben. Und der Streit zwischen ihm und Innocenz II. wurde sooffenkundig, daß ein zeitgenössischer Dichter sich des Stoffes bemäch-tigte. Nämlich Petrus Riga verfaßte im Floridus aspectus eine Dispu-tatio zwischen Ulgerius und dem Papste; 4 Ulger nennt hier den PapstNero noster und der Papst den Ulger reus meus, dessen mora (Gefängnisin Rom) er nicht wünsche, worauf Ulger erwidert, die mora werde wohlbis zum Tode des Papstes dauern, erst dessen Begräbnis werde ihn demVaterlande zurückgeben. Das Konzil fragt nun, ob es den Papst ver-jagen solle, der Richter erklärt, Recht und Sitte erheischten, ihn seinerWürde zu berauben. —■ Daß Ulger nicht ganz zu verdammen war, ergibtsich aus einem Briefe, in dem Bernhard von Clairvaux Innocenz II. gegen-über die Lebensführung und das Wissen Ulgers lobt. Ulger starb am 16. Ok-tober 1149.

Zeugnisse. Zum Leben vgl. Hist. litt. 12, 302 ff. und Pletteau, Revue d'hist. del'Anjou 2,1—26 (1876). Erwähnung von Johann von Salisbury Metalog. 2, 20 (Operaed. Giles 5, 98) Siquidem ut ait Ulgerius venerabilis Andegavorum episcopus in Venalitiodisciplinarum: Graliosum ad invicem debet 'esse verbi commercium. Goffrid an UlgerEpist.3,12 (Migne 157, 118B) Mihi dictum est, quod in synodo vestra de me querimoniamfecistis. Sed miror,si ita est, non enim bonitatem offendi in aliquo. Bernhard an Innocenz ILEp. 340 (Migne 182, 545 A) cuius senectutem, si unum excipitur factum, venerabilemfaät et vita et scientia. Das Selbstepitaph bei Eccard, Corp. hist. med. aevi 2, 1850 Hieiacet Ulgerus qui praesul nomine solo, Quicquid dura potest sors dare, sustinuit. Post resablatas propria de sede fugatus etc., Ulger war Verehrer und Freund seines Lehrers Marbod,auf den er zwei Epitaphien dichtete. Sein eigenes Epitaph (Hist. litt. 12, 305) ist völliginhaltlos.

Der literarische Nachlaß Ulgers ist, was die Prosa betrifft, sehr unbedeu-tend. Neben der Relatio pro monasterio Rotensi contra monachos Vindo-cinenses 5 sind es vier Briefe, von denen zwei unter denen des Papstes

1 Epist. 200 bei Migne 182, 368A. Eccard, Corp.hist.med.aevi2,1849ff.mit

2 Sein einziges größeres Werk Venalitium den andern zusammengedruckt wurde,disciplinarum, dem Titel nach wohl satiri- 4 Hildeberti opera ed. Beaugendre col.sehen Inhalts, ist verloren; es wird nur von 1337 und Migne 171,1411.

Johann von Salisbury erwähnt. 5 Hrsg. von Baluze, Miscellanea 3,15 =

Besonders aus dem vierten, das aber bei Migne 180,1649ff.

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