G. Biographie. Hagiographie. Geographie 595
Wortschatz, Ausdruck und Gedanken eigentlich für beide Werke denselbenAutor annehmen; doch meint Hofmeister, 1 daß man in der Vita Theogeridas Werk des Lehrers, in der Vita Ottonis das des Schülers sehen könnte.
Vita Ottonis. Das erste Buch beginnt der Verfasser mit der kurz be-handelten Jugend seines Helden, dessen Aufenthalt in Polen und der Be-deutung, die er dort gewann, namentlich als er ein Verlöbnis von Heinrichs IV.Schwester Judith mit dem Polenherzog zustande brachte. In die Heimatzurückgekehrt, wurde er bei Heinrich IV. Kanzler, und als Bamberg vakantwurde erhob ihn der Kaiser dort zum Bischöfe. Er begann bald eine bedeu-tende Bautätigkeit in seiner Diözese, die von ihm gegründeten Klöster unter-stellte er dem römischen Stuhle. Nicht sehr ausführlich wird die Blüte derBamberger Schule besprochen. Mit dem zweiten Buche beginnen danndie wichtigsten Ereignisse in Ottos Leben, nämlich seine Missionsreisennach Pommern, und zwar setzt dieser Stoff recht unvermittelt ein. Die ersteReise ging über Prag, Gnesen nach Zantoch. Der Pommernherzog Wartis-slaw I. , der schon Christ war, schickt zwei Gesandte entgegen, der Ein-tritt ins Land erfolgt und Otto nimmt Taufen in Pyritz, Kammin, Wollinund Stettin vor. a Man erfährt vom Bau der Adalbertskirche, vom Verhält-nis der Bewohner zum Bischof und von Wundererscheinungen, dann vonder Gründung der bischöflichen Kirche in Wollin, von Taufen in Kolbergund Beigard. An das Ende stellt der Verfasser den eignen Bericht Ottosüber seine Beise, der sich auch sonst mehrfach findet. 3 Der Prolog des drit-ten Buches ist fast ganz aus der Vita Martini Prol. 3. 4 des Sulpicius Se-verus abgeschrieben. Es besteht aus der Darstellung von Ottos zweiterMissionsreise, die vier Jahre nach der ersten angetreten wurde und zwardurch Sachsen über Magdeburg und Havelberg, wo Otto aber mit ErzbischofNorbert in Konflikt geriet und nicht predigte, sondern seine Predigten auf-behielt, um sie dann in Pommern zu halten. In Stettin war inzwischen dasHeidentum wieder aufgelebt, und man versuchte ihn daher bei seiner Wieder-ankunft 4 zu töten, doch soll er durch den Glanz seines Gewandes in derSonne die Feinde davon abgehalten haben. Nach weiteren Anfeindungenund einer sehr merkwürdigen Erzählung von der Scheidung christlicherund heidnischer Pommernkinder durch Otto berichtet der Verfasser inKap. 11—14 über allerhand Wunder und in Kap. 15 von der Rückkehr desBischofs in die Heimat. An die Sendung eines Ringes an Honorius IL schließtsich sofort der Tod Ottos und sein Begräbnis an, so daß aus den zehn letztenRegierungsjähren des Bischofs so gut wie nichts überliefert wird. Überhauptsteht die Missionstätigkeit des Bischofs und der Bericht über die damit inVerbindung gebrachten Wunder ganz im Vordergrund des Interesses.
Zeugnisse. Prolog p. 1 Quocirca communis pater noster Otto episcopus digne inme-monam vertitur hominum. (p. 2,1) Igitur aliqua de gestis ipsius . . . scribenda suscepimus• • • Verum ne quis estimet fabulosa quae scribimus, ea tantum quae vel ipsi pro certo cogno-
1 p. XXXI. 4 3, 7 p. 88, 7 wird Verg. Aen. 2, 650 an-
' Von Interesse ist hier 2,11 p. 55,11 ff. geführt und 2, 9 p. 91,17 sind die Worte
die Kenntnis der slavischen Sprache und undique visendi studio circumfusi aus Aen.
d J s Götzendienstes 2,11 p. 55ff. 2, 63f. genommen, 3,10 p. 93, 5 qui mira-
Nämlich in Bkkehardi Uraug. Chron. culorum magna pars fuerat nach Aen. 2, 6;
nur? ' G> SS - 6 ' 263f -) und bei Ebo 2 . 12 2 ' 10 P- 94 > 5 somnia vana quibus sepe de-IMk. SS. 12, 635f.). ludimur nach Aen. 6, 283f. und 10, 642.
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