538 Dritter Abschnitt. Die Geschichtschreibung
Und gleich im Anfang des Werkes sagt er, Unwahres könne er.nicht be-richten, da er aus dem Archive des Klosters herausschreibe. Begründet seidieses durch Johann und seine Schwester Eulalia im Jahre 670 unter derRegierung Theuderichs III. und der Balthildis zu Lebzeiten des BischofsVindician von Cambrai. Johann wurde der erste Abt, und dann nenntTomellus die weiteren Leiter und Leiterinnen bis auf Ermentrud, die Ge-mahlin Karls des Kahlen, 1 führt auch eine Urkunde dieses Königs von877 an. Dann kommt der Verfall bis in die Zeiten Balduins VI., dessen Lebenund Taten mit hohem Lobe bedacht werden und zu dessen Vertrautengehört zu haben sich der Verfasser in Kap. 8 rühmt. Ferner berichtet erdaß dem Markgrafen in seiner Jugend während einer Krankheit verkündigtwurde, daß er gesund werden würde, wenn er das Kloster Hasnon wieder-herstelle. Er habe zwar Hasnon erhalten, aber diese Weissagung vergessenund erst als er die Burg Hasnon eroberte; habe er die dortigen Kanonikerbewogen, ihre Pfründen aufzugeben, und den Ort durch größere Bautenwieder zum Kloster eingerichtet; die Weihe fand am 3. Juni 1070 statt.Und dann erwählte er den Mönch Rotland zum Abte, dessen strenges Lebenin Kap. 18 geschildert wird; Rotland starb im Jahre 1084. Die Sprachedieser kleinen Schrift, deren Stil ganz von Reimprosa beherrscht wird, istoft geziert antik und hat eine ganze Anzahl dichterische Floskeln ausTerenz, Vergil und Horaz aufgenommen; eine besonders angenehme Lek-türe bietet das Werk nicht.
Zeugnisse. Der Catal. abbatum s. Amandi bietet für Tomellus (MG. SS. 13,387)Malbodus abbas s. Amandi Hasnoniense monasterium reparavit; quod cum aliquot annisrexisset, tandem infirmitate detentus b. Rolando tradidit, dans ei socium. virum venerabilemTomellum, qui iussu b. Rolandi sui abbatis scripsit de fundatione sui coenobii, reparationeet dedicatione ac de moribus Balduini comitis eiusdem loci reparatoris. Aufschrift (MG. SS.14, 149, 10) Inc. prologus Tomelli de fundatione Hasnoniensis coenobii ad Rollandumabbatem primum post restaurationem. Widmung p. 149, 15 venerande pater Rollande . . .Exigis a me antiquam Hasnoniensis coenobii constructionem novo stylo cudere passimquein archivis divisam in unum volumen colligere quantumve divae memoriae marchio Bai-duinus beneficium eidem loco nostra aetate indulserit subscribere. Verhältnis des Tomelluszu Balduin VI Kap. 8 p. 153, 29 qui dum lateri suo ut saepe dignatus est familiäremfamiliariter me applicuisset. Da es 18 p. 158, 37 heißt bonae memoriae abbatis Rotlandi,so kann Kap. 18 erst nach Rotlands Tode hinzugesetzt sein. Antike Stellen (oben Lucan)c. 8 p. 153, 37 Verg. Aen. 1, 374. 10 p. 154, 31 meliusculus convaluit, Terent. Hec. 354.11 p. 155, 5 hostem in insidiis succenturiatum Ter. Phorm. 229f. 13 p. 155, 42 duellum...ante diludia Hör. Ep. 1, 19, 47. 14 p. 156, 26 labor improbus omnia vincit Verg. Georg. 1,145. 18 p.158, 28 sibi diruunt — rotundis Hör.Ep. 1,1, 100; 158, 30 haec faba cudereturTer. Eun. 381.
Ueberlieferung im Valentian. 388 s. XII. Ausgaben von Martene, Thes. anecd. 3,377; Migne 147, 587; von Holder-Egger, MG. SS. 14, 149—158. Vgl. PolheimS.414. — Ob das in Bec s. XII genannte Werk (Catal. gen. depart. 2 (8°), 396 N.50)Tomellus de incestis coniugiis mit diesem Tomellus zusammenhängt?
2. WILHELM VON ST. MICHAEL DE CLUSA
Das im Jahre 966 gegründete Kloster St. Michael de Clusa, das in einervom Abfall des Mt. Cenis verlaufenden Schlucht liegt, erlebte im 11. Jahr-hundert einen großen Aufschwung besonders unter Abt Benedikt IL Nachdessen Tode unternahm es der Mönch Wilhelm auf die Bitten der Brüder,sowohl die Lebensgeschichte der Äbte Benedikt I. und IL darzustellen, als
1 MG. SS. 14,151, 30 rigidi servator honesti aus Lucan B. C. 2, 389.