198 Zweiter Abschnitt. Die Artes
7) Quae vero sint discendi claves, . . . senex Carnotensis paucis exprcssit. Et licet metrieiussu-avitate non eapiar, sensum approbo et philosophantium credo mentibus fideliter ingerendum.Ait ergo: Mens humilis, Studium quaerendi, vita quieta, Scrutinium tacitum, paupertas,terra aliena, Haec reserare solent multis obscura legendo. Zu Plato und Aristoteles Metalog,2, 17 (Op.5, 92) Egerunt operosius Bernardus Carnotensis et eius sectatores, ut componerenlinter Aristotelem et Platonem. Zu Otto von Freising vgl. oben und Gesta Frid.l, 52 (ed.Simson p.74, 26) magnorum virorum disciplinae se subiciens. . . qualis. . . BernhardusCarnotensis. Zu den weiteren Versen und dem Werk über Porphyrius vgl. Joh. Metalog.4, 35 p.195 Ut enim ait in expositione Porphyrii: duplex est opus divinae mentis etc. Alibiquoque ait: Principium cui sola juit divina voluntas, Aetas non frangit demoliturque ve-tustas etc. Vgl. Langlois, Bibl. de l'ecole des chartes 54, 240ff.
11. THEODORICH VON CHARTRES
Theodorich stammte wie sein Bruder Bernhard aus der Bretagne. Aucher ging nach Ghartres und ist dort eines der bedeutendsten Mitglieder desphilosophischen Kreises geworden. In seinen Hauptwerken spielt die Philo-sophie eine große Rolle, sie verbindet sich hier in engster Gemeinschaft mitTheologie und den Artes. Ja Theodorich ging so weit, daß er in seinem Werkeüber das Hexaemeron den biblischen Schöpfungsbericht mit den von Platoim Timaeus 1 vertretenen Ansichten zu vereinigen sucht. Aber Theodorichhat auch in Paris gelehrt, wo Adelbert, später Erzbischof von Mainz, seinSchüler wurde: Anselm rühmt in der Biographie Adalberts TheodorichsUnterricht in Grammatik, Rhetorik und Dialektik. Die Hauptzeit seinesWirkens mag um 1140 fallen, da er etwa damals an seinem Heptateuchonarbeitete, das er nach Glerval bis 1141 zusammenschrieb, und da in jeneZeit oder etwas früher die Erwähnung durch Johann von Salisbury fällt.Dieser erzählt nämlich, 2 daß er auch über die Topik des Aristoteles gelesenhabe, die Robert von Melun verspottete, und daß er dieses Werk, als eher 'des Drogo von Troyes würdig, mit einer gewissen Verachtung belegt habe. 3Alexander Neckam sagt von ihm in den Gorrogationes Promethei (vgl.P. Meyer, Not. et extr. 35, 2, 677) zu Jesai.3, 18, daß er eine Stelle in denSophist, elenchi des Aristoteles falsch gelesen habe, ehe dies Werk in dieHände des Adamus de Parvo ponte gekommen sei. In den Jahren 1141 bisetwa 1150 war Theodorich Kanzler 4 in Chartres, sein Nachfolger in dieserStellung war Bernhard von Moelan. Theodorichs Werke, die noch ungedrucktblieben, sind folgende:
a) De sex dierum operibus. Das Werk, nur unvollständig erhalten,besteht aus zwei Büchern, deren erstes die biblische Schöpfungsgeschichtemit der im platonischen Timaeus enthaltenen Kosmogenie in Einklang brin-gen will. Da es sich mit dem Problem des Seins abgibt und dies auf theolo-gischer und philosophischer Grundlage zu erforschen sucht, so besitzt es fürdie Zeit keine geringe Wichtigkeit. -Der Verfasser erklärt im Anfang, denersten Teil der Genesis erläutern zu wollen secundum physicam et ad Ut-teram, während er von der allegorischen und moralischen Deutung gänz-lich absehen wolle. Die Gewinnung des sensus historialis ist ihm die Haupt-sache, die er also in der physikalischen und wörtlichen Interpretation
1 Natürlich in der Bearbeitung des Ghal- n. 3; ob richtig?
cidius. « Vielleicht ist Metamorph. Goliae 189f.
2 Metalog.4,24 (Op. ed. Giles 5,181). (The latinpoems of W. Mapesed. Wright
3 So Hofmeister, Neues Archiv 37,665 p.28) auf ihn zu beziehen.