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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
Entstehung
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A. Schriftsteller des Triviums 101

7. HUGUTIO

Hugutio, auch Hugo oder Hugvitio genannt, mag noch vor der Mitte des12. Jahrhunderts in Pisa geboren sein. Seine Ausbildung erhielt er in Bo-logna, wo er auch selbst als Lehrer auftrat. Seine Studien gingen nach zweiRichtungen. Zunächst nämlich war er ein hervorragender Kenner des Kir-chenrechts und verfaßte ein wichtiges kanonistisches Werk, nämlich eineSumma zum Decretum Gratiani; sie ist wahrscheinlich 1187 vollendetworden 1 und reicht in Hugutios eigner Arbeit bis zur Causa 27, währendder Rest von Johannes de Deo stammt. 2 Diese Summa ist das umfassendsteWerk jener Zeit über das Dekret und sie enthält nach v. Schulte ziemlichalles, was aus der zugänglichen Literatur als wertvoll erscheinen mußte. IhrSchwerpunkt liegt in der kasuistischen Erklärung. 3 Eine weitere BedeutungHugutios liegt darin, daß Papst Innozenz III. sein Schüler gewesen ist. 4

Für uns aber ist die zweite Bichtung des Mannes von viel größerem Inter-esse. Hugutio, der im Jahre 1190 zum Bischof von Ferrara erhoben wurde,ward wohl in dieser Stellung durch den Papst in das Kloster Nonan-tula gesandt, um den Abt zu kontrollieren, der ein unwürdiges Leben imKloster hatte einreißen lassen. Hier befand sich eine Kopie des Papias undRicobald von-Ferrara erzählt in seinem Pomerium, daß Hugutio in diesemKloster aus dem Papias seinen Liber derivationum gearbeitet habe. Da erinnerhalb der Jahre 1197 und 1201 in Nonantula weilte, so wird das Werketwa 1200 beendet gewesen sein. 5 Der Grammatik wandte sich Hugutioaber auch in anderen Werken zu, wie er eine Schrift De dubio accentu undeine weitere, Rosarium, verfaßte. Er starb im Jahre 1210.

Zeugnisse. Zum Leben vgl. M. Sarti et M. Fattorini, De claris archigymnasiiBononiensisprofessoribusedd. C. Albicinus et C.Malagola(Bologna 1896) 1, 370ff. ZurSumma in Decretum Gratiani vgl. v. Schulte a. a. 0.1,156170. Wichtig ist die Notizbei Ricobald von Ferrara im Pomerium (Muratori, SS. rer. Ital. 9, 246 A) Hugo nationePisanus episcopus Ferrariensis agnoscitur, qui datus adiutor a sede apostolica abbati Non-antulano . . . ex libro Papiae, qui illic est, librum derivationum composuit, auch die beiSalimbene Chron. 1210 (MG. SS. 32, 27, 5) Uguitio natione Tuscus civis Pisanus Fera-riensis fuit, librum derivationum composuit; viriliter et digne et honeste episcopatum rexitet laudabiter vitam suam finivit. Et alia quedam opuscula composuit que sunt utilia et haben-lur a pluribus, que etiam vidi et legi non semel neque bis. Anno domini MCCX ultimodie Aprilis migravit ad Christum. Et stetit in episcopatu XX annis minus uno die. Tolo-meus von Lucca erwähnt ihn Hist. eccl. 21,18 (Muratori, SS. rer. Ital. 11,1128)Hugucio Pisanus . . . tempore Innbcentii, qui copiose glossavit decretum et in grammaticatradidit regulas derivationum. Zur Zeit des Aufenthalts in Nonantula vgl. Tiraboschi,Storia di Nonantula (Modena 1784) p. 128. S. Berger, De glossariis etc. S. 16. AuchHugutio selbst nennt sich im Liber derivationum (Goetz, Leipz. SB. 1903,127, Corp.gloss. lat. 1, 194) Si quis querat huius operis quis auetor . . . respondendum est qui patriaPisanus nomine Ugutio quasi Eugetio id est bona terra non tantum presentibus sed etiamjuturis, vel Uguitio: quasi Vigetio id est virens terra non solum sibi sed etiam aliis.

a) Liber derivationum. Das noch ungedruckte Werk beginnt mit einerVorrede von außerordentlichem Wortschwall, die vielleicht in dieser Be-ziehung der des Osbern nachgebildet ist; auch fehlt es nicht an seltenen

1 Vgl. Joh. Fr. v. Schulte, Die Gesch. 1337 in Toulouse erwähnt, anscheinendd. Quellen u. Lit. d. canon. Rechts 1,163. auch in Avignon 1369 und 1375.

2 Vgl. v. Schulte a.a.O. S.158ff. « Vgl. v. Schulte 1, 156.

Hss. des Werkes macht v. Schulte 5 Vgl. S. Berger, De glossariis et com-

a.a.O. S. 157 n.6 namhaft. In alten Kata- pendiis exegeticis quibusdam med. aevi

logen wird die Summa s. XIII in einer un- (Paris 1879) S.16.bekannten französischen Bibliothek und