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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
Entstehung
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ERSTER ABSCHNITT

DIE THEOLOGIE UND PHILOSOPHIE

Gesamtübersicht über den Inhalt. Ein nicht geringer Teil unseresZeitraums wird durch den Kampf zwischen Kirche und Staat in Anspruchgenommen, der die Entwicklung einer ganz neuen Literaturgattung, derStreitschriftenliteratur, begünstigte. Weite Klerikerkreise in Deutschlandund Italien wurden von diesem Kampf ergriffen, der schließlich zugunstendes Papsttums endete. Jene Literatur bildet aber ein Gebiet für sich, dain ihr das heftige Ringen der kirchlichen Autorität über den Staat, auf-gebaut auf den angeblich aus den Schriften der Kirchenväter beweis-baren Reformideen, zum Ausdruck kam, ein Kampf, in dem letzten Endesaugustinische Ideen Macht gewannen.

Bei der kurzen Betrachtung der einzelnen Streitschriften halten wir unsan die in den Monumenta Germ. hist. Libelli de lite I III gegebene chrono-logische Reihenfolge. Zeitlich gehörten die frühesten dieser Schriften zwarin den zweiten Band, sie sind aber des Zusammenhanges wegen hier be-trachtet worden. Und aus dem gleichen Grunde wurden hier einige Schriftenerwähnt, deren Verfasser noch an andrer Stelle zu behandeln sind, wo überihre Hauptwerke im Zusammenhang mit dem biographischen Teile zu spre-chen ist. Für alle diese Schriftsteller ist wesentlich die Benutzung Augustins,sei es durch unmittelbare Lektüre oder durch Vermittlung von Auszügenoder Kollektaneen, deren Verwertung durch C. Mirbt 1 festgestellt ist, derauch in einem zweiten Werke 2 die grundlegende Arbeit für die wissenschaft-liche Durchdringung der gesamten Streitschriftenliteratur gegeben hat.

Streitschriftenliteratur. Guido von Arezzo schrieb an ErzbischofHeribert von Mailand gegen die Simonie. Gegen die Synode von Sutriwandte sich ein lothringischer Kleriker in De ordinando pontifice. PetrusDamiani schrieb im Liber gratissimus über das Schicksal der von simo-nistischen Bischöfen geweihten Priester und in der Disceptatio synodalisgegen Papst Cadalus. Kardinal Humbert verfaßte gegen die Simonistendie Schrift Adversus simoniacos. De continentia clericorum schrieb einPriester, der sich fälschlich den Namen des Bischofs Udalrich von Augsburgbeilegte. Gebhard von Salzburg schrieb an Hermann von Metz über denVerkehr mit Exkommunizierten. Wenrich von Trier verfaßte im Namen desBischofs Dietrich von Verdun eine Schrift gegen Gregor VII. Manegoldvon Lautenbach wandte sich gegen diese Schrift in einem Buche an Geb-hard von Salzburg und richtete sich in einer anderen Schrift an Wolfhelm

1 C. Mirbt, Die Stellung Augustins in Augustins S. 76. Endresultat der Be-

der Publizistik des gregorianischen Kir- trachtungen S. 112. Vgl. auch E. K. Rand

chenstreits, Leipzig 1888. Zusammenstel- Founders of the middle ages, Cambridge

lung der Zitate S. 5661, Prüfung auf 1928.

ihre Anführung hin S. 64. Hinweis auf 2 C. Mirbt, Die Publizistik im Zeit-

Augustinauszüge S. 70 f. Zum Einfluß alter Gregors VII. Leipzig 1894.