VORWORT
Mit diesem dritten Bande hat die Darstellung, wenn man von Theologieund Philosophie absieht, die Höhe des Mittelalters überschritten, denn im12. Jahrhundert sind nicht nur die grundlegenden Weltgeschichten undgrammatisch-philologischen Werke erschienen, sondern auch die Dichtunghat sich weithin ausgebreitet und innerlich die höchste Bedeutung ge-wonnen; sie greift nun schon in die .Vulgärsprachen über, nachdem dieGelehrtensprache ihre Schuldigkeit getan hatte, und die Kirche ist nichtmehr der alleinige Ort wissenschaftlichen und literarischen Schaffens.
Der zu behandelnde Stoff ist in unserer Periode stark gewachsen, trotz-dem die mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächer und die Medizinfast ganz ausgeschlossen wurden, und der Band überschreitet trotz vielerStreichungen das gewöhnliche Maß. Doch sind die Zeugnisse durch dieKürzungen unberührt geblieben und die stellenweise vielleicht etwas großeAusführlichkeit der Inhaltsangaben möge mit dem Wunsche des Ver-fassers entschuldigt werden, den Leser möglichst in die Denk- und Umweltvergangener Jahrhunderte einzuführen.
Vollständigkeit des Stoffes ist wenigstens bei der Dichtung, ohne Zweifelder wichtigsten Abteilung, erstrebt worden. Bei den Artes konnte dagegenwegen der lange andauernden Absperrung der Bibliotheken des Auslandesoft manches nur angedeutet werden. Theologisches und Hagiographischesist vielfach unbehandelt geblieben, wenn die betreffenden Werke als nichtbedeutsam für das Gesamtbild des Autors erschienen. Auch sind in denAngaben über Überlieferung öfters nicht alle heute noch vorhandenenHandschriften aufgeführt: wo es angängig schien, sind nur die maßgeben-den notiert, um Raum zu sparen; und das war bei der religiösen Lyrikunbedingt notwendig, da das Gegenteil zu großer Raumverschwendunggeführt hätte.
Bezüglich der Disposition habe ich innerhalb der Abschnitte den gleich-artigen Stoff durch Unterabteilungen möglichst zusammenzustellen gesucht,so daß eine stärkere Gliederung der vier Einzelgebiete nach Kategorienerfolgt. Außerdem sind, wie im zweiten Bande, zusammenfassende Über-sichten des Stoffes jedem Abschnitt vorangestellt worden.
Wenn sich schon beim zweiten Bande Prof. Paul Lehmann ein großesVerdienst erworben hat, so ist das jetzt in noch viel höherem Grade derFall, wie es auch auf dem Titel zum Ausdruck kommt. Mit nie ermüdenderHingabe und Liebenswürdigkeit hat mich dieser Gelehrte unablässig durchseine unvergleichliche, umsichtige Sachkenntnis beraten und in jederWeise gefördert, namentlich in Hinsicht auf moderne ausländische Lite-