Die besondere Sprache der Höflichkeit. 665
Berufsstandes, eines' kleinen Bruchtheils des Volkes, diesedie Sprache des ganzen Volkes, und ihre Kenntniss er-*streckt sich bis in die untersten Klassen desselben hinab,sie schliesst nichts in sich, was nicht Jedem zugänglichund verständlich wäre. Aber darin gleichen sie sich doch,dass sie einen besondern Sprachzweig darstellen, der sichvom Hauptstamm abgelöst hat.
Zu diesem ersten Stück der Höflichkeitssprache: derPhraseologie, gesellt sich aber noch ein zweites ungleicheigenthümlicheres hinzu. Bei jenem ersten Stück hält sichdie Höflichkeitssprache innerhalb der Gesetze der Sprache,dem Grammatiker bietet sie nichts Eigenthümliches dar,nichts, was ihn nöthigte von ihr Notiz zu nehmen. Ganzanders bei dem zweiten Stück. Hier überschreitet sie dieGrenzen, welche die Sprachgesetze ihr vorzeichnen, sie thutder Sprache geradezu Gewalt an. .Was sie hier schafft,sind nicht etwa neue Worte, wie jede Kunstsprache siebildet, und die sie bilden kann, ohne gegen die Regelnder Sprache zu Verstössen, sondern es sind neue sprach-liche Formen und zwar solche, die keine Bereicherung derSprache, keine Fortbildung der in ihr gelegenen Keimeenthalten, sondern eine Verunstaltung derselbenyeine Ver-sündigung gegen den Genius der Sprache, eine Missachtungder sprachlichen Logik, durch welche dieselbe, sich beidem ursprünglichen Bau der Sprache, bei der Entwerfungder Grammatik und Syntax hatte leiten lassen, sprachlicheAbnormitäten und Deformitäten, die einem Grammatiker,