October 152V.
387
1. 1. „Im ansang ist uns das wart gottcs von nnserm lütpriester (Konrad Stücklin) gepredigt worden.Uf sölichs ist er vom Bischof in bann tan worden, demnach durch ein ganze gemein geniert, solichcm „lybpricster"wider uß dem pann zno helfen und auch also genieret, daß der lütpricstcr soll predigen nüw und altes testamcnt.
2. „Soliches ist glych geändert worden von einer Oberkail, also nach dem lütpricstcr geschickt, im fürge-haltcn, wolle er nß dein bann, so wellen sy im helfen; doch soll er sich vcrschrybcn, nüw und alt testament zno
' predigen onärgerlich, mit uslegung der lerer von der kilchcn angenonnnen, welches von ainer gemnin nit alsogemcert ist ivordcn w.
3. „Diewyl etlich der Oberkail haben gesehen den gunst der gemeind zum gottswort, habend sy ninunbnrgerlichc wacht mit geiver iind harnascht über uns gehalten, daß doch dcrglychcn vornials nie gehört istworden.
4. „Nach dem ist baiden predicanten bcfolhen, an(e) schmachwort zno predigen, das aber der gcgenteil (einDominicaner) nie gehalten, snndcr an offner canzcl Zwinglin und Ecolampadinm und all ir nnhäng(er) ketzergescholten, daruinb etlich bnrger den München mit trncken straichen (?) geschlagen haben.
5. „Darnf hat man beide predicanten geurlaubt zc. Darby haben wirs lassen blyben.
6. „Darnach hat man etlich gestraft um psalmcnsingen, ouch unser evangelische predicanten abgestellt unduns gottlose predicanten »(gestellt und dermaß init uns gehandlet, daß wir verursacht sind worden, ein suppli-cation an ein crsamen Rat zno stellen."
II. Aus der im Original eingeschalteten langathmigen Snpplication geben wir hier nur die Schluß-paragraphen, in denen die Beschwerden und Forderungen der evangelischen Partei formnlirt sind.
1. „Zum ersten, daß uns das luter und rein wort gottrs des allmächtigen verkündt und geprediget wcrdiin allen kilcheu oder zum heiligen Crüz nach Int der hl. Evangelisten und Propheten usschrycn und sagen nachdem befelch gottes, mit darzuo und mit darvon ze thuond, nichts anders dann das nüw und alt testamcnt, wiecrbari gemeind geniert hat, wiewol sich znotragen zwyspaltung und Mangel durch den lcsmeister zno Prcdige(r)nein und nnserm crwclten pfarrcr, daß nit einhellig gcprediget, dadurch sich anhang etlicher partyen znotragen, nach-gends ein erbari gemeind und sy baid abzuofertigen, wiewol sich der pfarrer nllwegcn sincr predigen und leercrbottcn rcchnung zno geben nach inhalt sins abscheids; wann solches gehört wurde, inöcht uns zuo nachtailerschießen, und also den gerechten mit dem ungerechten nbgcfertigct.
2. „Zum andern, der predicanten oder Helfer halb, ist dem also nach lut des mers ainer loblichen stattNotwyl einer ganzen gemeind, daß man predigen soll das heilig Evangelium nach inhalt biblischer gcschrift,wie oberzelt; ist Herr Wolf Penzlin uf den Psingsttag nf offner canzel gestanden, das hl. gotteswort verkündtnach inhalt der Evangelisten und Propheten befelch; ist im die canzel verbottcn und abgestellt an(e) fürhalt,warmit er sölichcs verschuldt Hab, das doch wider das gefallen mer ist, sölche leer abznostellcn hindcrrnck einererbaren gemeind, und uns ufgestellt ciu(en) predicanten, der do verlümbdct und verunglimpft ist, er Hab denpuren gepredigt in der pürischcn cmpörung, und usserthalb discr statt nit ufenthalt gchan nsser unser rinkmur.
3. „Zum driten ist unser allerhöchst vermöglichsts bitt an tt. w., daß uns das (so) am notwendigisten,nit abzuoschlagen, sunder fürderlich, als wol wir üch vcrtruwen, uns zno hören (sye). Ist dem also, daß einstatt Notwyl ganz liederlich versehen, und die schaf zerstreut und verstört und vil spaltnng, als ir laidcr täglichscheut; ist unser bitt an üch, uns das wort des Herrn wie oft gcmcldt, lassen cinhellitlich predigen in allenPfarren oder kilchen nach lnt des gcfallnen mers, uf daß spaliung, zwytracht wie obstat vermitten und ainigkaitwerd; ob aber fach, daß sölches nit syil möcht in allen kilchen, (so) wellend uns nß etlichen Personen, so nurü. w. fürschlagen, gestatten, uns ein pfarrcr und caplon zno lon (lassen) oder setze» und uns den lninswegsnbzeschlagcn noch versagen, der uns das heilig gottswort verkündi mit erhaltung biblischer und evangelischerleer, nach merung einer ganzen gemeind, so gemcrt ist die allein zum heiligen Crüz und snnst alle predicantenabstellen.
4. „Zum vierten, die so (sich) bisher gegen n. w. verächtlich (und) verdächtlich gehalten, (das) ouch mit