§ 43. König. 511
oder ohne Fahne) und der goldenen Krone waren insbesondere nochArmspangen, Siegelring, Purpurmantel, Reichsapfel und Thron getreten 4 .Einen besonderen Aufbewahrungsort für die Reichskleinodien gab es an-fangs nicht, der König pflegte sie bei sich zu führen; später befandensie sich an festen Orten, eine Zeitlang in Hagenau, dann namentlich inNürnberg. Das Reichswappen war ein Adler 5 . Vollmachten erteilte derKönig durch Überreichung von Stab oder Handschuh 6 . Auch sonst dienteder letztere ebenso wie der auf einen Stab gepflanzte Hut oder Stroh-wisch dazu, die Anwesenheit des Königs symbolisch anzudeuten. DerGebrauch, in dieser Weise oder durch Fahne, Kreuz oder Schwert denKoni", seinen Bann oder Frieden zu versinnbildlichen, dauerte das ganzeMittelalter hindurch fort und hat sich zum Teil bis zur Gegenwart erhalten 7 .Das Königtum beruhte auf einer eigentümlichen Verbindung vonErblichkeit und Wahl 8 . Der vollste Ausdruck reiner Erblichkeit, die
1126. Die Gl. zu Ssp. III 60 § 1 nennt fünf kleinot, so zum reich gehören: die Krone,statt des Kreuzes das Banner mit dem Bild eines Adlers und dem Kreuzeszeichen,die Fahne (rot und gelb), den Apfel und das Szepter.
4 Die Krone wurde voll dem in ihrem Bügel angebrachten Edelstein aucli„der Waise" genannt. Im Gegensatz zu ihr bezeichnete man die goldenen Stirn-reifen der übrigen Könige (Frankreich, England, Dänemark, Böhmen) als bloße„Zirkel". Vgl. Burdach BSB. 1902 S. 897ff. Die eiserne lombardische Kroneist nicht vor dem 13. Jh. bezeugt (Waitz 6 2 , 223). Über den Stab vgl. v. AmiraStab 119ff. Schreuer Grundgedanken der franz. Königswahl 109ff. Über dieLanze Hofmeister Die heilige Lanze des alten Reichs 1908 (Gierke U. 96; vgl.Pischek ZRG. 43, 334). Wahrzeichen der Kaiserwürde waren der Reichsapfel(Globus) und die Pontifikalkleidung. Vgl. v. Amira 3 158.
6 Vgl. n. 3. Waitz 6 2 , 304. Ritterspiegel Vers 681 ff.
6 Vgl. S. 116. Grimm RA. 154.
' Vgl. S. 114 f. Die in den Gerichten wohl auf den Tisch gelegten eisernenHände bedeuteten die Hand des Königs. Das Marktschwert steht in Münster i. W.,die Marktfahne bei Wochenmärkten in süddeutschen Städten (z. B. Heidelberg)noch heute in Gebrauch.
8 Vgl.-Waitz 6 2 , 161ff. 189ff.; Abhandl. 476ff. 485ff.; FDG. 13, 199ff.;ZRG.. 15, 200; Jordanus von Osnabrück, Gott. Abh. 14, 19ff. — Phillips DeutscheKönigswahl bis z. Gold. Bulle (WSB. 24, 365 f. 26, 41ff.; auch Verm. Schriften 3). —Lindner Die deutsch. Königswahlen u. die Entstehung des Kurfürstentums 1893;Hergang b. d. deutsch. Königswahlen 1899 (vgl. v. Wretschko ZRG. 33, 269);MJÖG. 17, 637ff. 19, 401ff. — Krammer Wahl u. Einsetzung d. deutsch. Königs1905 (Zeumer Qu. u. Stud. 1, 2; vgl. v. Wretschko ZRG. 40, 401; HugelmannMJÖG. 28, 684ff.); Das Kurfürstenkolleg bis 1338 (ebd. 5, 1. 1913; vgl. RosenstockZRG. 47, 523); Die Frage des Laienkurrechts bis zur GB., N. Arch. 39, 433ff.;Kurrecht u. Erzkanzleramt im 13. Jh. 1910 (Hist. Aufsätze, Festgabe Zeumer349ff.; vgl. Heymann ZRG. 45, 427; v. Wretschko MJÖG. 36, 174); RG. desKurfürstenkollegs bis zu Karl IV, Diss. Berl. 1903; Quellen zur Geschichte derdeutsch. Königswahl u. des Kurfürstenkollegs 1911/12 (Bandenburg, SeeligerQuellensammlung). — Stutz Der Erzbischof v. Mainz, u. die deutsche Königswahl1910 (vgl. Selbstanzeige ZRG. 44, 444ff.; vgl. Hugelmann MJÖG. 34, 352ff.);Die rheinischen Erzbischöfe u. die Königswahl, Festschr. Brunner 1910 S. 57ff.). —Ficker Reichsfürstenstand 2, 1 S. 5—31; Entstehungsg. des Sachsensp. S9ff.;»WOG. 3, 59f. — Bloch Die staufischen Kaiserwahlen u. die Entstehung des