Druckschrift 
5 (1930) Deutsche Schrifttafeln aus Papierhandschriften des XIV. bis XVI. Jahrhunderts : mit einem Anh.: Gesamtverzeichnis für Bd. 1 - 5
Entstehung
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TAFEL LXVII.

MICHAEL BEHAIM, MEISTERLIEDER

Cgm. 291 (= Cim. 352) enthält auf seinen 422 Blättern eine Ab-schrift der Meistergesänge Michael Behaims nach dem in bayerischerMundart geschriebenen Cod. Nr. 312 der Heidelberger Universitäts-bibliothek. Die Überschrift lautet: ,Hie hebt fich an ein gefang puch foMichel peham gern / acht hat vnd die geticht in dem anuang Sten infeiner zug weis .. .' Nach einem Eintrag auf Bl. 181 v heißt der Schreiber:iorg von dein; er hat seine Arbeit um 1461 angefertigt. Die an mehrerenStellen zu bemerkenden Verbesserungen sind wohl von des Dichterseigener Hand, desgleichen auch das Register auf Bl. 413420 und dasdort noch angefügte Gedicht vom Narren, in Michel Pehams hofweis.Er ist auch der erste Besitzer der Handschrift gewesen; sein Wappenmit beigeschriebenem Namen Michel Peham findet sich vorne im Band.Später taucht die Gedichtsammlung im Besitz des Nürnberger Stadtarchivsauf und kam von da über das Allgemeine Bayerische Reichsarchiv imJahre 1812 an die Bayerische Staatsbibliothek zu München. Die Hand-schrift Ms. Germ. 4° 1402 der Preußischen Staatsbibliothek zu Berlinist eine genaue Abschrift von Cgm. 291 durch Michel Hefelin.

Zuerst machte Kiefhaber im Jahre 1812 auf die Handschrift aufmerksam.

Vgl. Johann Gottlieb Büsching in Friedrich Heinrich von der HagensSammlung für Altdeutsche Literatur und Kunst. 1812, S. 75. (AdolfHeinrich Friedrich von Schlichtegroll in den) Denkschriften der K.Akademieder Wissenschaften zu München für die Jahre 1811 und 1812. (1813),S. XXXVI. Friedrich Heinrich von der Hagen, Grundriß zur Ge-schichte der deutschen Poesie. 1812, S. 519. Joseph Chmel in denSitzungsberichten der philosophisch-historischen Klasse der k. Akademieder Wissenschaften zu Wien. V 1850, S.450. Georg Wickrams Werke.Herausgegeben von Johannes Bolte. III (= Bibliothek des LitterarischenVereins in Stuttgart. CCXXIX). 1903, S. 314. 327; derselbe in Unter-suchungen und Quellen zur germanischen und romanischen Philologie,Johann von Kelle dargebracht (= Prager deutsche Studien. VIII). 1908,S. 401421. Gustav Könnecke, Bilderatlas zur Geschichte der Deut-schen Nationallitteratur. 2 1912, S. 100. Alfred Kühn, Rhythmik undMelodik Michel Beheims. 1907 (Zum Teil als Tübinger philosophischeDissertation. 1906), S. 1. Hans Gille, Die historischen und politischenGedichte Michel Beheims (^Palaestra. XCVI). 1910, S. 3.

Buchschrift des späten XV. Jahrhunderts von wenig schönen, derben, unglef ch-mäßigen Formen und steiler, in B etwas nach links geneigter Stellung undmit kursivem Einschlag. Als solche kursive Elemente sind die Schleifenbei d (Z. 1) und h (Z. 6), 1 (A, Z. 13) und die vielfach diagonale Führung derHaarstriche bei m (Z. 2) und n (Z. 1) anzusprechen, beides indes Erscheinungen,die durchaus nicht vollkommen durchgeführt sind (d und h: Z. 1; m und n:Z. 4). Auffallend sind daneben die nicht seltenen, gebrochenen Formen vona, i (Z. 1), r (A, Z. 20), v (Z. 4). Die alte Verbindung ft ist erhalten, dazu kommen ch(Z. 6), cz (Z. 2), ff (Z. 4), wobei das erste meist kleiner gestaltet ist, Ich (B,Z. 10) und gelegentliche andere Zusammenschreibungen wie fo (B, Z. 15).Wiederum ist hier die Übung nicht einheitlich; ch (B, Z. 19), seh (A, Z. 22)und fft (Z. 1) begegnen auch getrennt. Die Wilhelm Meyerschen Buchstaben-verbindungen klingen noch an in de (Z. 6), pe (A, Z. 13), wa (A, Z. 15), wo(A, Z. 21), doch erscheint es sehr fraglich, ob der Schreiber hier wirklichnoch das Bewußtsein dieser alten Schreibregel hat. Das runde i ist nichtin Gebrauch. Die Buchstaben mit Ober- und Unterlängen sind bei derStärke und Höhe der Kleinbuchstaben nicht bestimmend für den Gesamt-eindruck. Nicht selten sind sie ungewöhnlich klein (1: B, Z. 20; p: A, Z. 13;f und f: Z. 5). Die Schäfte von b, d, h (Z. 1), I (Z. 2) sind, sofern nicht Schleifen-bildung vorliegt, glatt, bei h (A, Z. 22) und 1 (A, E. 17) zugleich meist untenbreiter als oben, fast konisch; so auch öfters die Grundstriche von c (A,Z. 19) und besonders t (A, Z. 17).

Die Rundungen des einfachen a und des b sind geschlossen. Das c istdurch den oft tieferen Ansatz des Hakens dem t recht ähnlich (A, Z. 12 und 10).Die obere Rundung des g wird durch den, nach rechts meist kräftig aus-ladenden Querstrich abgeschlossen (A, Z. 10); die untere Schleife ist imeinzelnen recht verschieden gestaltet, bald größer (A, Z. 16), bald kleiner(A, Z. 10), bald geschlossen (A, Z. 7), bald offen (Z. 3), bald rund (B, Z. 21),bald spitzig (Z. 4). Neben der alten Form des h (Z. 2) begegnet eine kursive(A, Z. 8). Das i begegnet teils mit (Z. 4), teils ohne Punkt (Z. 1). DerGrundstrich des 1 hat nur einen ganz kurzen Aufstrich (A, Z. 17), der mit-unter auch fehlt (B, Z. 14). Das r besteht aus einem kräftigen Anstrich mitangesetztem c-förmigen Haken, der mitunter den Grundstrich durchschneidet(A, Z. 7), so daß eine dem x ähnliche Form entsteht. Das lange f und dasrunde B-förmige s (Z. 1) sind in ihrer Verwendung wie üblich getrennt;ebenso u und v mit der Einschränkung, daß u als Konsonant auch im An-laut verwendet wird (Z. 4). Auch bei v steht neben der kursiven Form (A,

Z. 8) vereinzelt die alte (Z. 6). Die Großbuchstaben sind entweder vergrößerteMinuskeln wie D (A, Z. 11), W (Z. 1) oder zeigen wie E (B, Z. 11), S(A, Z. 9), A (B, Z. 9) und M (Z. 2) Weiterbildungen der alten Kapitalis- undUnzialisformen.

Willkürliche Verdoppelungen sind nicht ganz selten, beschränken sichaber auf den Buchstaben f (Z. 4). Anklänge an Überschreibungen haben sichnur in der schrägen Übereinanderstellung der Punkte über o (B, Z. 22) undu (Z. 5) erhalten. Von Kürzungen werden gebraucht der dem Komma ähnlicheHaken für er (Z. 6) und der mehr oder weniger gebogene wagrechte Strichfür zu ergänzendes d (A, Z. 22), m und n (Z. 6), r (A, Z. 7). Zur Abteilungder fortlaufend geschriebenen Verszeilen werden kleine Striche (A, Z. 10) ver-wendet, jedoch nicht durchaus (Z. 4; A, Z. 11), gelegentlich auch an falscherStelle (B, Z. 18 nach mit). Sehr oft sind sie vom Rubrikator wiederholt(Z. 4), mitunter auch allein von ihm gesetzt (B, Z. 9 nach geruft), manchmalauch fälschlicherweise (A, Z. 19 nach hilff; B, Z. 16 nach fein), einmal (A,Z. 19. 20) doppelt. Daß die Striche des Schreibers auch bei t (A, Z. 8) nichtals zu diesem Buchstaben gehörige Zierstriche anzusprechen sind, ergibtsich daraus, daß sie sonst bei t am Wortende nicht vorkommen. Doppelstrichewerden auch beim Abteilen verwendet (A, Z. 12), aber nicht immer (A, Z. 18).Satzzeichen kommen nicht vor.

Zu Beginn des Textes ist bei dem einen Lied eine blaue Initiale H (Z. 4)mit roten Verzierungen, die mit der Feder gezeichnet sind, bei dem andern,dessen Überschrift (A, Z. 21. 22) gleichfalls durch Rotschrift hervorgehobenist, nur eine kleinere, rote Initiale gesetzt (B, Z. 7/8). Die Anfänge der anderenStrophen (A, Z. 7. 14; B, Z. 13. 21) sind durch kleinere rote Initialen hervor-gehoben B, Z. 13 ist der kleine vorgeschriebene Buchstabe noch sichtbar,die der Bare meist durch rotgestrichelte Großbuchstaben (A, Z. 9. 11. 16; B,Z. 9. 11. 15. 17). Der Zweck der roten Unterstreichungen (A, Z. 9. 11. 16.18; B, Z. 9. 11. 15. 17) ist der gleiche. Ganz mit Rot sind geschrieben dieZeilen 1. 2. 3. 5. A, Z. 21 (2. Hälfte) und 22. Die Lineatur beschränkt sich aufdie allgemeine Gliederung des Schriftbildes, doch sind die Begrenzungslinienhäufig nicht eingehalten. Vielfach scheint die Schrift der Gegenseite durch.

Die Noten sind geschrieben in diastematischer Choralnotenschrift mit Einzel-noten und mehrtönigen Ligaturen (rhombische Punktneumen, ohne Kustos-zeichen) auf 6 Zeilen mit Schlüsselung. Notation des XV. Jahrhunderts (Kroyer).

Die abgebildete Seite ist Blatt 26 v .