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5 (1930) Deutsche Schrifttafeln aus Papierhandschriften des XIV. bis XVI. Jahrhunderts : mit einem Anh.: Gesamtverzeichnis für Bd. 1 - 5
Entstehung
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TAFEL LXV.

B. JOHANN ECK AN DEN RAT DER FREIEN REICHSSTADTMEMMINGEN. 1529.

Im Dezember 1528 hatte der Rat der freien Reichsstadt Memmingenden Weltgeistlichen und Ordensleuten durch den schwäbischen Refor-mator Ambrosius Blarer dartun lassen, daß die Messe gegen dieLehre Christi sei, und hatte ihnen verboten, die Messe zu lesen,soferne sie Blarer nicht zu widerlegen vermöchten. Die Geistlichenwandten sich daraufhin an Johann Eck in Jngolstadt mit der Bitte, ihnendurch eine Verteidigung der Messe beizustehen. Eck willfahrte undsandte dem Rat eine Erklärung der Messe. Er begleitete die Sendungdurch ein Schreiben vom 5. Januar 1529, in dem er den Rat ermahnte,bei der alten Kirche und bei der Feier der Messe zu bleiben undnicht zur neuen Lehre abzufallen: ,Laßt bleiben bei dem ungeteilten Rockunseres Herrn'. Dieser Brief wurde in Memmingen den versammeltenGeistlichen vorgelesen und, ohne daß diese Erhebliches einzuwendengehabt hätten, von den Vertretern der neuen Lehre widerlegt. Der Ratteilte dies Eck mit und lud ihn zu einer Disputation mit Blarer unddem Prediger Himprecht Schenkh ein. Eck lehnte in einem zweitenSchreiben ab, in dem er sich vornehmlich gegen Blarer wandte,ohne aber da-durch die Einführung der Reformation in Memmingen hindern zu können.

Das Schreiben Ecks vom 5. Januar 1529, dessen Schluß die nach-stehende Tafel wiedergibt, gelangte später in den Besitz des Mem-minger Superintendenten und Geschichtsschreibers Johann Georg Schel-horn (16941773), der es 1727 in seinen Amoenitates literariae abdruckte.Mit seinem Nachlaß, den Schelhorniana, kam es dann an die BayerischeStaatsbibliothek und ist jetzt als Cgm. 4965(7a) deren Beständen ein-gereiht. Es besteht aus 6, mit den Ziffern 3742 bezeichnetenSeiten, 32X22 cm, von denen die letzte nur zur Hälfte beschrieben ist.Die Anschrift von der Hand Ecks lautet: ,An fhfichtigen vnnd / heuen,he: Bmgei / Rat dei Stat / mein grof / Nlemingen'. Eine anderegleichzeitige Hand hat hinzugefügt: ,declaiation [getilgt] doct02 eckh /vbeiantwuit xi Janan'j [15]29', eine moderne die Jahreszahl 1529wiederholt.

Vgl. (Johannes Georgius Schelhornius,) Amoenitates literariae. VI1727, S. 398409. Johann Georg Schelhorn, Kurtze Reformations-Historie der Kayserlichen Freyen Reichs-Stadt Memmingen. 1730,S. 129ff. Theodor Wiedemann, Dr. Johann Eck. 1865, S. 266ff.

Eine etwas unbeholfene, unausgeglichene Kursive, bei der manche Buch-staben wie a (Z. 5), d (Z. 1), f (Z. 11), h (Z. 12) beinahe ganz die Formender heutigen deutschen Schrift haben. Der kursive Charakter zeigt sichim Gebrauch von Schleifen bei b, d (Z. 1), g, f (Z. 3), h, 1 (Z. 1) und inder engen Verbindung einzelner Buchstaben und Buchstabengruppen. Nebendem alten ft (Z. 2) begegnen die Zusammenschreibungen ch (Z. 1), cht (Z. 3),ck (Z. 1), dt (Z. 9), fc (Z. 2), fch (Z. 5. 7), fp (Z. 4), ß (Z. 1), tz (Z. 2. 7), Ver-bindungen von zum Teil wechselnder Form im einzelnen, bei denen fastimmer der eine oder andere Bestandteil mehr oder weniger verkürzt undverändert wird. Gleichwohl scheint der Fluß der Schrift immer wieder zustocken. Auf Worte, die wie vnnfeis (Z. 1), Confcientz (Z. 2), dinftlich (Z. 3),allei, aibait (Z. 4), gelts (Z. 5) durchaus oder fast in einem Zug zusammen-hängend hingeschrieben sind, folgen andere, die wie heuen (Z. 1), günftig,herzen (Z. 2), gut fründ (Z. 3), müe (Z. 4) fast ganz in einzelne Buchstabenauseinander fallen. Dieser Zug der Ungleichmässigkeit wird verstärkt durchdie vielfach wechselnde Lage und Form der Buchstaben. Die im ganzennach rechts geneigte Richtung wird nicht selten durch steilgestellte Buch-stabengruppen (Rock Z. 1; außweifung Z. 2; fründ Z. 3; gelts, Bitt Z. 5;hab Z. 8; -liehen, willen Z. 10) unterbrochen. Auch die Bildung der einzelnenBuchstaben ist nicht einheitlich. Buchstaben mit Schleifen (b, d, h, 1: Z. 1)werden abgelöst durch solche mit glatten Schäften (b: Z. 8; d: Z. 9. 11; h:Z. 4; k: Z.l; I: Z. 4), die gerne mit Anstrichen versehen sind (b: Z. 6; h:Z. 1; k: Z. 4; 1: Z. 2); auch das g in Z. 6 und das letzte d in Z. 11 sindwesentlich von der sonstigen Form dieser Buchstaben verschieden und dieGestaltungen des r in herzen (Z. 2), fründ (Z. 3), erzaigen (Z. 10), begirlichß(Z. 11) und die des i in heuen (Z. 1), wazmit (Z. 3), de2en (Z. 4) weisen nichtganz unerhebliche Abweichungen unter sich auf und lassen oft eine sichereUnterscheidung kaum zu (Erbeut Z. 7). Die i, m, n, auch a, zeigen überwiegendgedrungene Formen und sind ziemlich steil gestellt (Z. 8. 9. 10); dazwischenbegegnen aber Wörter, in denen sie wesentlich höher und dünner geschrieben

und schräger gestellt werden (Z. 6, auch Z. 3. 9. 11) und die Form vonBogenreihen annehmen. Ober- und Unterlängen sind im ganzen gleich starkausgebildet; doch ist auch hier Schwanken zu beobachten. So ist das f gegen-über seinen Nachbarbuchstaben von recht verschiedener Höhe (vnfezs Z. 1gegen außweifung Z. 2). Zum Teil wird diese Ungleichmässigkeit dadurchhervorgerufen, daß bei dem Verzicht des Schreibers auf Lineatur die Zeilenicht gut gehalten wird.

Das a zeigt meist die alte festgeschlossene Form (dan Z. 2, auß Z. 5);es wird aber mitunter offen gelassen (außweifung Z. 2; ain Z. 5) oderziemlich stark auseinander gezogen (nach Z. 1). Das g ist meist noch obengeschlossen (Z. 5); wo dies wie Z. 3 nicht der Fall ist, läßt sich deutlicherkennen, wie seine Form zustande kommt. Die Unterlänge beim h istselten sehr ausgesprochen (Z. 4); bei dem Schleifen-h ist sie mit einer Aus-nahme (befolhen Z. 12) nur angedeutet (Z. 1). Das kurze i hat einen Punkt,der manchmal etwas nach rechts verschoben ist (Z. 3. 4), das lange j nicht(Z. 2). Der Unterschied zwischen dem f zu Anfang (Z. 4) und im Innern(Z. 2) und dem s am Ende der Wörter (Z. 1) ist noch eingehalten, ebensowird zwischen v zu Anfang (Z. 1) und u im Innern der Wörter (Z. 2) geschieden.Für die Großbuchstaben sind teils alte Formen (B:Z. 5; E: Z. 7; L: Z. 1;R: Z. 1; W: Z. 5), teils vergrößerte kleine Buchstaben (C: Z. 2; M: Z. 16) ver-wendet, teils neue Formen (E: Z. 3) gebildet.

Verdoppelung von Buchstaben zeigt sich vor allem in vnnd (Z. 2), auchhier nicht ganz ohne Ausnahme (Z. 4. 9). Von Überschreibungen begegnetnur ü (Z. 3). An das frühere 6 und u wird dadurch erinnert, daß als Vokal-zeichen über dem o und u zwei Punkte übereinanderstehen (Z. 2. 6).Abgekürzt sind nur m in anni/wmen (Z. 6), Euer, Erbar, Weißhait (Z. 3),data/ra (Z. 12) und eteetera (Z. 17). Als Satzzeichen kommen Punkt (Z. 12),Doppelpunkt (Z. 2) und Komma (Z. 1) vor.

Die abgebildete Seite ist die 42. der Handschrift.