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5 (1930) Deutsche Schrifttafeln aus Papierhandschriften des XIV. bis XVI. Jahrhunderts : mit einem Anh.: Gesamtverzeichnis für Bd. 1 - 5
Entstehung
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TAFEL LXI.

LOHENGRIN.

Cod. germ. 4871, eine Papierhandschrift, über deren Entstehung dieSchlußschrift Auskunft gibt, bildete, nach Andreas Schmellers Auf-zeichnungen, mit dem von dem gleichen Schreiber verfertigten Cod.germ. 4872 und mit Cod. germ. 4873 ursprünglich einen Band. AlsHauptbestandteil enthält die erstgenannte Handschrift auf Seite 1134,nicht ganz vollständig, die zwischen 1283 und 12Q0 in Bayern ent-standene strophische Erzählung von Lohengrin; es folgt außer einemGedicht, angeblich von Wolkenstein, auf S. 135, noch Peter Suchen-wirts ,Die schöne Abenteuer', auf S. 137146, worin an zwei Stellender Name des Dichters durch den Namen Hans von Trenbach ersetztist. Die beiden letzteren Stücke sind wohl in der ersten Hälfte desXVI. Jahrhunderts geschrieben, von einer etwas späteren Hand als dererste Teil der Handschrift, deren Schreiber durch die von uns wieder-gegebene Schlußschrift auf S. 134 a nach Zeit, Ort, Namen und Auf-traggeber genau bestimmt ist; vgl. den Schluß von Spalte C der Tafel.Aus des letzteren, Artolffs von Trenbach, eines Bücherliebhabers,Besitz stammen auch die Handschriften der Wiener HofbibliothekNr. 2846 und 2994, sowie 2808, die sogar von ihm selbst 1459 geschriebenist. Von ihm, der 1475 starb, vererbte sich die damals noch einGanzes bildende Handschrift Cod. germ. 48714873 wohl auf den obenerwähnten Hans von Trenbach, gestorben 1539. Später kam sie dannan das oberösterreichische Geschlecht der Fernberg, das in engen freund-

nachbarlichen Beziehungen zu dem der Enenkel stand. Weiterhin ge-langte sie, unbekannt wann und für wie lange, an das Collegium derJesuiten in Steyr in Oberösterreich. In der ersten Hälfte des XIX. Jahr-hunderts kaufte sie ebendort der Augsburger Antiquar Fidelis Butsch,von dem sie, in drei Teile zerlegt, die k. Hof- und Staatsbibliothekam 16. Dezember 1849 erwarb.

Die Handschrift wird zuerst erwähnt im Jahre 1862 von KarlBartsch.

Vgl. Lohengrin. Zum erstenmale kritisch herausgegeben und mitAnmerkungen versehen von Heinrich Rückert (= Bibliothek der ge-samten deutschen National-Literatur von der ältesten bis auf dieneuere Zeit. XXXVI). 1858. Karl Bartsch, Kleinere Mittheilungen. 5.Zum Lohengrin, in Franz Pfeiffers Germania. VII 1862, S. 274 f.Friedrich Keinz, Alte Passauer in der deutschen Literaturgeschichte.1881, S. 13ff. Adolf Strack, Zur Geschichte des Gedichtes vomWartburgkriege. Berliner Dissertation. 1883, S. 2f. Ernst Elster,Beiträge zur Kritik des Lohengrin, in Paul und Braunes Beiträgen.X 1885, S. 84 [Auch als Leipziger Dissertation erschienen. 1884; vgl.darin S. 4]. Franz Kratochwil, Über den gegenwärtigen Stand derSuchenwirt-Handschriften, in Franz Pfeiffers Germania. XXXIV 1889,S. 444ff. Friedrich Panzer, Lohengrinstudien. 1894, S. 5ff. PaulsGrundriß 2 . II 1, S. 215.

Gotische Kursive aus dem Jahre 1461, die in der stattlichen Rein-schrift eines größeren Werkes noch eine starke Zurückhaltung hinsichtlich dersonst üblichen Auflösung der Formen bewahrt und sich deshalb von eineran kursiven Bestandteilen reichen Buchschrift, wie die auf Tafel LVIH, nichtscharf unterscheidet. Die Grenzen zwischen den beiden Schriftarten sindschwankend; hier ist das kursive Element in hohem Grade siegreich geworden.Die langen Buchstaben fangen an, die starr senkrechte Stellung aufzugeben undsich etwas nach rechts zu neigen. Die fortlaufende Verbindung der einzelnenBuchstaben zeigt selten Lücken. Die Haarstriche bei i, m, n, u gehen in derDiagonale und nähern sich gelegentlich kleinen Bogenreihen (B, Z. 10 und 13).Die Kürzungszeichen werden mitunter vom Wortende in einem Zuge zurück-fahrend über das Wort gesetzt (A, Z. 1; B, Z. 18). Aus dem gleichen Bestreben,im Zuge zu bleiben, sind in Anlehnung an die alte Verbindung ft (A, Z. 25)die weiteren fe (A, Z. 1), fp (A, Z. 16), fo (A, Z. 32), fch (A, Z. 37), fa (B, Z. 11),fi (B, Z. 18), fu (B, Z. 21), ff (B, Z. 24), fs (B, Z. 33), fft (B, Z. 4) vom Schreibergebildet worden, die aber nicht durchweg eingehalten wurden. Die Um-bildung der Oberlängen von b (A, Z. 7), h (A, Z. 1), k (A, Z. 20), 1 (A, Z. 3)zu Schleifen hat auch f (A, Z. 3) und f (A, Z. 28) ergriffen, doch werdendiese Schleifen des öftern nicht vollständig geschlossen (b: A, Z. 24; f: B, Z. 6;h:A, Z. 27; k:A, Z. 5; 1:A, Z. 24; f:A, Z. 17). Von dem vereinzelten Fallb in B, Z. 18 abgesehen, kommen glatte Schäfte nur bei d, hier aber sehrreichlich vor (A, Z. 1 gegen A, Z. 7). Die Bevorzugung dieser ersteren Buch-stabenform hat wohl ihren Grund darin, daß der Schreiber an den der gotischenBuchschrift eigentümlichen Wilhelm Meyerschen Buchstabenverbindungen nochin sehr weitem Umfang, wenn auch in etwas eigenwilliger Weise, festhältund hierzu die Schleifenform des d nicht so geeignet ist. Verbindungen, dieder Schreiber in den vorkommenden, möglichen Fällen immer durchführt, gibtes wenige, z. B. be (A, Z. 8). In vielen Fällen lockert sich die Verbindungmehr oder weniger stark, so bei der am häufigsten vorkommenden Bindungde (A, Z. 1 gegen A, Z. 45) oder bei da (A, Z. 22 gegen B, Z. 39) oder esunterbleibt dazwischen einmal auch die Verbindung ganz, wie bei vo(A, Z. 17 gegen B, Z. 44). Ein wirkliches Schwanken zwischen Verbindung undTrennung zeigt sich bei ha (A, Z. 44 gegen A, Z. 8), he (A, Z. 27 gegenA, Z. 19),ho (A, Z. 11 gegen A, Z. 27), wa (A, Z. 39 gegen A, Z. 31), we (B, Z. 42gegen B, Z. 23). Vorwiegend getrennt sind nur oc (A, Z. 10), pe (A, Z. 25),po (A, Z. 39). Die ausgesprochene Neigung des Schreibers zur Verbindungzeigt sich auch in der Vorliebe, mit der er Majuskeln und Minuskeln zu-sammenschreibt, so Ve (A, Z. 9), Vo (A, Z. 21), Da (A, Z. 42), De (A, Z. 43), Do(A, Z. 45), Ma (B, Z. 10), Ge (B, Z. 35); vgl. Tafel XLII A. Die Anwendungdes gekrümmten 2 ist ziemlich stark erweitert. Nach o steht es fast immer(A, Z. 2), doch begegnet auch ore (A, Z. 25) neben toze (A, Z. 21). Es findetsich auch fast durchaus nach a (A, Z. 6 gegen C, Z. 1) und in der über-wiegenden Zahl der vorkommenden Fälle nach e (A, Z. 8 gegen A, Z. 33);die Fälle mit er finden sich fast immer am Schluß der Wörter. Fernernach d (A, Z. 6 und 44), nach p im Wechsel mit r (A, Z. 20 und 45 gegen

A, Z. 39; B, Z. 12 und 13) und manchmal im Anfang von Wörtern (A, Z. 23;

B, Z. 5 und 24); hierzu ist wohl auch erwe ziblt (C, Z. 6/7) zu rechnen.Endlich in den vereinzelten Fällen G201S (B, Z. 33), gepmd (C, Z. 15) undTzenbach (C, Z. 22).

Die Eigentümlichkeit der gotischen Buchschrift, die der Schreiber ambesten bewahrt hat, ist die Brechung; vgl. a (A, Z. 13), e (A, Z. 32), g (A, Z. 35),h (A, Z. 25), 1 (A, Z. 3), r (A, Z. 43), 2 (A, Z. 2). Zierstriche finden sich am

f (A, Z. 2), g (A, Z. 3), h (A, Z. 34), s (A, Z. 2), t (A, Z. 6), Schnörkel am h(A, Z. 6), m (A, Z. 23), n (A, Z. 29), z (A, Z. 18), beides meist nur amWortende, jedoch handelt es sich nur um gelegentliche Fälle, ohne dieAbsicht gleichmäßiger Durchführung. Derselben Freude an der Verzierungentspringen die Kürzungszeichen ähnlichen Schnörkel bei m und n, auch rin A, Z. 18. 20. 23. 29. 31; C, Z. 1. 5. 27 (2). 29.

Die Unterlängen, außer von h und z, sind im ganzen stärker ent-wickelt als die Oberlängen. Sie berühren vielfach die folgende Zeile (A, Z. 8),gelegentlich gehen sie auch noch durch sie hindurch (B, Z. 27); vgl. Tafel LX.

Das a hat die alte, kleine Form. Die Rundung des b ist meist da-durch geschlossen, daß sie mit der oberen Schleife zusammentrifft (A, Z. 14).Die Fahne des g wird weiter nach links angesetzt und als kräftiger Quer-strich zur Schließung des oberen Teiles des Buchstabens benutzt; die beidenGrundstriche ragen nicht selten etwas darüber hinaus (A, Z. 13 und 14;vgl. Tafel LVIH). Der mit kräftigem Schwung gezogene, untere Teil des g istbald geschlossen (A, Z. 6), bald offen (A, Z. 14). Bei dem nicht immer ganzgleich gestalteten h ist die Umbiegung des Schaftes am unteren Ende zueinem kräftigen Bogen geworden, an den sich der meist nur wenig unterdie Zeile gehende zweite Zug unmittelbar anschließt (A, Z. 23). In der Ver-bindung mit c ist h meist etwas kleiner und zeigt eine gewisse, durch dasZusammenschreiben bedingte Verschiedenheit der Form (A, Z. 5). Das i hatfast immer einen Punkt (A, Z. 1 gegen B, Z. 7). Der Doppelhaken des k istziemlich hoch angesetzt. Der Grundstrich des r ist nach links geneigt undunten nach rechts aufgebogen; die Fahne ist durch ihn hindurchgesteckt, sodaß die Ähnlichkeit mit x nicht selten recht groß ist (A, Z. 15; vgl. Tafel LVIH).Das lange f ist oft ziemlich tief gestellt (A, Z. 34), so daß es kaum noch alsOberlänge wirkt. Das runde Schluß-s ist wechselnd in der Form; es ähneltbald einer 8 (A, Z. 17), bald einem B oder einer 6 (A, Z. 41) und hat ge-legentlich eine längere Fahne (A, Z. 10). Es ist auch etwas größer als die andernkleinen Buchstaben. Das t ist von c gut zu unterscheiden. Am Anfang derWörter steht v, im Innern u. Von dieser Regel geht der Schreiber des öfternab; so zieht er vor allem bei Diphthongen nach e dem u das w vor (A, Z. 5),nach a dagegen bleibt meistens das u (B, Z. 5 gegen A, Z. 35). Auch istdw (A, Z. 30) häufiger als du (A, Z. 42). Die Schreibung vn-volendet (B, Z. 44)ist wohl durch das Abteilen gerechtfertigt. Das y ist oben geschlossen undhat zwei Punkte (A, Z. 4). Das z ist 3-förmig und geht nicht sehr weit unterdie Zeile. Eigentümlich ist die Neigung des Schreibers zu Verdoppelungeneinzelner Buchstaben, wie f (A, Z. 11), n (A, Z. 13), f (C, Z. 17), t (C, Z. 23),die sich später immer mehr entwickelt; vgl. Tafel LXIIIff.

Überschreibungen kommen eigentlich nicht vor. Umlaute werden durch zweischräg aneinandergestellte Punkte bezeichnet, ä (B, Z. 7), neben e (A, Z. 12),ö (A, Z. 11), ü (A, Z. 7), nur gelegentlich scheint die Erinnerung an ihreEntstehung aus übergeschriebenem e noch vorzuschweben (C, Z. 7). DieKürzungen sind nicht sehr mannigfaltig, die Zeichen dafür meist rechtnachlässig. Der ursprünglich wagerechte Strich steht für zu ergänzendes d(A, Z. 3), e (A, Z. 28), m (A, Z. 18), n (A, Z. 17); der gekrümmte Haken fürer (A, Z. 1), gelegentlich auch nur für e (C, Z. 21).

Satzzeichen werden nicht verwendet; die Punkte, die sich am Schluß mancherAbschnitte finden,sindZeilenfü!lsel, dieauch sonst gelegentlich auftreten (A,Z. 3 8).Demselben Zweck dienen wohl auch mitunter die Zierstriche, wie A, Z. 68.Am Zeilenende sind doppelte Bindestriche fast überall durchgeführt (A, Z. 17).Sie fehlen zuweilen, wo man sie erwartet (A, Z. 5; C, Z. 15), und stehen,