NARRENBUCH VON F. H. VON DER HAGEN. 57
diesen beiden gibt es noch ein drittes hier auch wichtiges unddem H. v. d. Hagen nicht einmal dem Namen nach bekanntesBuch: Wend Unmuth durch Hans Wilhelm Kirchhof, einenHessen aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, der erste undbeste Band erschien Frankf. 1565 8° (jedoch ist die VorredeCassel 1562 datirt) und ist in zwei, aber ungleiche Theile ge-theilt, der grösste enthält die weltlichen, der andere die geist-lichen Erzählungen. In der Fortsetzung nennt Kirchhof seinBuch eine erweiterte und vermehrte Übersetzung von Bebeisfacetiis. Von diesem ersten Theil führt Strieder (hessischeGelehrt.-Gesch. VII, 79) noch eine andere Ausgabe Frankf.1587 8° an. Mehr, als Strieder gefunden, kann man aus demBuch selbst von Kirchhofs Leben erfahren: als Soldat war erin Franken, Norddeutschland, Flandern gewesen, überall ist derErwerb der Weltbekanntschaft, eine recht lebendige Anschauungsichtbar, und er übertrifft in der Erzählung Frey und Wickram.Den dritten Theil hat Rec. noch nicht gefunden, einen viertenund fünften aber, den Kirchhof späterhin als Burggraf vonSpangenberg (Frankf. 1602) herausgab, auf der königl. Biblio-thek zu Berlin gesehen; beide enthalten meist Auszüge aus deralten Geschichte und gehören nicht eigentlich hierher. Wiebeliebt das Werk gewesen, zeigt die Nachahmung des Titelsin späteren Sammlungen. Es folgt auf diese Bücher eine ziem-lich lange Reihe ähnlicher, in diesem Geschmack ausgearbeiteter,sie sind wohl alle selten zu nennen, aber dass Hr. v. d. H. auchnicht ein einziges davon erwähnt, zeigt, wie wenig er nachdieser Litteratur sich umgesehen. Sie können hier nicht ange-führt werden, weil sie eine besondere Abhandlung nöthig machten;wir nennen nur daraus Katzipori 1558 8°. Der Verfasser unter-schreibt sich bei der Dedication: Hans, Compan von Schleu-singen — und: Rastbüchl ein durch Michael Lindner, weildadurch die Stelle in der Vorrede von Fischarts Geschichts-klitterung vollkommen erklärt sein wird, wo offenbar zwei Bücherin eins zusammengeworfen sind. Aus der späteren Zeit ist derNeugebutzte kurzweilige Zeitvertreiber, welcher denbekannten Dichter Simon Dach zum Verfasser hat, anzuführen.Koch (Compend. II, 327) citirt eine Ausgabe s. 1. 1668 12°,