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1 (1881)
Seite
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BERICHTE AUS CASSEL. 533

kräuslichere Haare bekommen. Nur die Antwort, die einer voneinem russischen Offizier wollte gehört haben: sie sollten sichschämen, dass sie ihren Fürsten nicht besser kannten, brachtesie vom Irrthum zurück. Die Bauern nur, die eine Anhäng-lichkeit, wie vielleicht in wenigen Ländern, besitzen, Hessen sichnicht abweisen, brachten Musik zusammen und riefen ein Vivat,so leichtgläubig machen uns unsere Wünsche. Eine Bürgers-frau that das Beste und behauptete, der Prinz habe ihr auf derBrücke die Hand gereicht und gesagt:Morgen kommt meinVater!" Der Anlauf vor des Generals Haus hörte, so langer da war, nicht auf, die es am herzlichsten meinten mit derHoffnung auf die herannahende völlige Befreiung, giengen dahinund die schlechtesten, denn man sah auch die Agenten dergeheimen Polizei herumschleichen, zum letzten Mal das Geld zuverdienen, das vor Gott schwerer als Blutgeld wiegen muss 1 ).Wer jetzt durch die Strassen gieng, dem musste es vor-kommen, als habe die Luft umgeschlagen, Druck und Spannungsei vorbei, man könne einmal wieder frei athmen und vergnügtum sich sehen. Es war alles in wenigen Stunden unglaublichverändert. Keine von den wappengezierten Kutschen fuhr mehrvorbei, wer es auch sonst gethan hätte, hielt seine Pferde ver-borgen ; der arme Fussgänger kam wieder zu seinem Recht undselbst vor den rasch und gebückt daher reitenden und sichersich durchwindenden Kosaken brauchte er nicht aus dem Wegzu gehen. Ein Kalmücke war besonders beliebt, ein dicker

') Man glaubt, Czernitseheff habe die Liste dieser Mensehen gefunden,die Herzlichkeit, Offenheit und Zutrauen durch die blosse Furcht vor ihremDasein vernichteten und die so vielen der rechtschaffendsten und edelstenMenschen eine unerhörte Grausamkeit zugezogen (beinahe 3 Jahre habenmanche im Kerker schmachten müssen) oder gar dem Tod überlieferten. Alsdiese Unglücklichen mit blassem Gesicht und gefalteten Händen hinaus wan-derten, welche Verwünschungen dürften nicht über die Lippen kommen, vondenen so viele Herzen voll waren. Man wünscht nichts mehr, als dass jeneListe gedruckt und öffentlich bekannt gemacht werde. Mögen diejenigen,die es können, es bewirken! Es ist diese Strafe der Brandmarkung, diesie aus der Gesellschaft der Redlichen stossen wird, die geringste, die ihnenwiderfahren sollte, und dann eine Gerechtigkeit gegen manchen Unschuldigen,auf welchem der Verdacht haftet. In kleinere Orte hat diese Pest nicht dringenkönnen, aber in den grösseren Städten ist sie herumgeschlichen.