BERICHTE AUS CASSEL. 531
rammelt; auch vor das Friedriehsthor ward eine Kanone auf-gestellt, und da es gänzlich an Artilleristen fehlte, musstenjunge Leute aus der Artillerieschule sie bedienen. Ein Theilder Husaren mvtsste absitzen und auf der Brücke und vor demThor Dienst thun. Die Einwohner hatten sich jetzt in grossenHaufen überall versammelt, und es war vorauszusehen, dass siediesmal nicht so ruhig zusehen würden: die Mauer, welche dieStadt jenseits der Fulda einschliesst, war mit einigen Jägernbesetzt, die flink darauf herum sprangen und auf die sich klugund meist ausser Schussweite nähernden Kosaken zielten; so oftnun einer einen Fehlschuss that, wurde er drüben von einergrossen Menge Zuschauer, die an der abgebrannten Seite desSchlosses standen, mit unermesslichem Lachen begrüsst. Diesewurden indessen von den russischen eroberten Kanonen, diejenseits der Fulda hinter dem Augarten aufgestellt waren undzu spielen annengen, vertrieben, auch auf der Neustadt, wohinsie* gerichtet waren, musste man in die Häuser xind Keller sichzurückziehen, dagegen waren die Strassen der Altstadt gedrängtvoll und Lärmen und Geschrei fieng an. Jedem Soldaten, dersich sehen liess, ward das Gewehr abgenommen und zerschlagen,geduldiger ist kaum jemand entwaffnet worden, als (was ichgrade mit ansah) ein Haufen von jenen Husaren, es waren nochganz junge Menschen, noch nicht einmal vollständig montirt,sie halfen selber die neue blau und weisse Gurt über ihremfranzösischen Provinzialkittel oder einer farblosen Uniform ab-binden und in der Gosse forttreiben; auch suchten sie ordentlichredlich in den Taschen nach den beigesteckten Patronen undreichten sie hin. Dazwischen drängte sich der gemeine Pöbel,einer mit einer Pferdedecke, der andere mit einer Haberschwinge,ein Weib mit einer Halfter und ein Paar abgelegten Hosen,denn die Casernen wurden sogleich während der Kanonade ge-plündert; auch schrieen diese, die Lust hatten mehr zu stehlen,Feuer aus, das Einzige, was hier gefährlich war. Bei derBrücke gieng alles noch lebhafter zu, ein grosser Zug fiel überdie Soldaten, Flinte und Säbel ward abgenommen und dieMützen und Schackos flogen ins Wasser. Einige suchten beiihrem Offizier, der aber ein Deutscher war, Schutz, aber er
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