ÜBER DIE NATURBESCHREIBUNG. 525
grabenen Saaten gedacht. Dieselben Gedanken, freilich schönund sehr verschiedenartig ausgedrückt, kehren unablässig wieder.Der seelenvolle Walther von der Vogelweide und der tiefsinnigeWolfram von Eschenbach, von dem wir leider nur wenige ly-rische Gesänge besitzen, sind hier als glänzende Beispiele auf-zuführen.
Die Frage, ob der Contact mit dem südlichen Italien oderdurch die Kreuzzüge mit Kleinasien, Syrien und Palästina diedeutsche Dichtkunst nicht mit neuen Naturbildern bereicherthabe, kann im allgemeinen nur verneint werden. Man bemerktnicht, dass die Bekanntschaft mit dem Orient dem Minnegesang«ine andere Richtung gegeben habe. Die Kreuzfahrer kamenwenig in nahe Verbindung mit den Sarazenen; ja sie lebtenselbst mit anderen Völkern, die für dieselbe Sache kämpften,in grosser Spannung. Einer der ältesten lyrischen Dichter warFriedrich von Hausen. Er kam in dem Heere Barbarossas um.Seine Lieder enthalten vielfache Beziehungen auf die Kreuzfahrt,aber sie drücken nur religiöse Ansichten aus oder den Schmerz,sich von der Geliebten entfernt zu sehen. Von dem Landefand er und alle, die an den Kreuzzügen Theil nahmen, wieReinmar der Alte, Rubin, Neidhart, Ulrich von Lichtenstein,nicht Veranlassung etwas zu sagen. Reinmar kam als Pilgrimnach Syrien, wie es scheint, im Gefolge Herzogs Leopold VIvon Ostreich. Er klagt, dass die Gedanken an die Heimathihn nicht loslassen und ihn von Gott abziehen. Die Dattelpalmewird hier einige Male genannt, wo der Palmenzweige gedachtist, welche fromme Pilger'auf der Schulter tragen sollen. Icherinnere mich auch nicht, dass die herrliche Natur Italiens diePhantasie der Minnesänger angeregt habe, welche die Alpenüberstiegen. Walther von der Vogel weide, der weit umher-gezogen, hatte nur den Po gesehn; aber Freidank 1 ) war inRom. Er bemerkt bloss, dass in den Palästen derer, welchesonst dort herrschten, Gras wachse.
l ) S. Vridankes Bescheidenheit von Wilhelm Grimm 1834. S.L und CXXVIII.