ÜBER DAS WESEN DER MÄRCHEN. 347
bilde, deren Isenburg im deutseben Gedicht nichts anders alsEis-Glasburg aussagt. Im Norden finden wir Asgard alsMitte der Welt mit goldenen Schildern gedeckt-, und die Art,wie im Marienkind der Himmel mit seinen zwölf Thüren undder dreizehnten verbotenen beschrieben wird, als ein pracht-volles Goldhaus, erinnert noch bestimmter an das goldglän-zende Gladsheim mit seinen zwölf Sitzen für die Äsen unddem Thron für Odin. Ferner ist Gimli zu vergleichen, hellerals die Sonne, nach dem Weltende als die Wohnung derGuten noch fortbestehend; auch das Goldhaus Sindri auf demIdagebirge und jenes, welches nach der deutschen Sage (B. II,St. 447) dem heidnischen Friesenherzog Radbot gezeigt ward.Endlich scheint der nordische Gläsisvöllr, welcher als vor-odinisches Paradies betrachtet wird und worin der Acker derUnsterblichkeit (udainsakur) lag, hierher zu gehören. Heilige-Himmels-Berge kommen dem Namen nach so gut bei unsals in den altnordischen Dichtungen vor, wenn gleich manch-mal nur in der bloss sinnlichen Bedeutung von hohen 1 ).
Die Frau Holle oder Hui da hat auch noch, aber schwer-lich in andern Ländern Deutschlands als in Hessen, Thüringenund Franken den Namen aus der Vorzeit behalten. Sie isteine gnädige und freundliche, aber auch furchtbare und ent-setzliche Göttin; sie wohnt in den Tiefen und auf den Höhen,in den Seen und auf den Bergen, theilt Unglück oder Segenund Fruchtbarkeit aus, je nachdem sie urtheilt, dass es dieMenschen verdient haben. Sie umspannt die ganze Erde, undwann sie ihr Bett macht, dass die Federn fliegen, dannschneit es bei den Menschen. Ähnlich träufelt Thau undRegen herab und befruchtet das Land, wenn die Wolkenpferdeder Wahlküren sich schütteln. Sie lässt sich die Haarekämmen (strehlen), das heisst: sie theilt die Sonnen-
2 ) S. die Anmerkung zu dem ersten Helgelied S. 37 in unserer Aus-gabe. — In Schottland sieht man noch jetzt auf den Spitzen hoher BergeRuinen von wirklichen Glasburgen (vitrified forts), deren Mauern nämlich mitGlas künstlich überzogen waren. Sie sind vom höchsten Alter. Vergl. gloss.eddicum II, p. 879 Note. Im Wigalois Mauern wie Glas glänzend und einHaus von hellen Kristallen gebaut, 4594—4G06.