590 EINLEITUNG ZUR VORLESUNG ÜBER HARTMANNS EREK.
digt; Artus hat selbst den weissen Hirsch gefangen und da-durch das Recht erlangt, eine Jungfrau zu küssen, und zwardiejenige, welche er auswählt. Die Königin bittet ihn diesesRecht erst auszuüben, wenn Erek von seinem Abenteuer zu-rückgekehrt sei. Jetzt erscheint Iders mit seiner Freundin unddem Zwerg, wirft sich vor der Königin auf die Knie und ergibtsich in ihre Gewalt. Er kündigt zugleich die Ankunft Ereksauf morgen an. (1098—1291.)
Erek, der glückliche Sieger, wird zu Tulmein ehrenvoll be-handelt. Imain entwaffnet ihn selbst, und Enite gestattet ihmsein Haupt auf ihren Schoss zu legen und auszuruhen. Dannkehrt er, von Imain begleitet, zurück, Enite, den gewonnenenSperber auf der Hand, zwischen ihnen. Am anderen Morgenbricht Erek, den Imain vergeblich zurückzuhalten sucht, aufund nimmt Enite mit. Als sie einsam über die Heide reiten,blicken sie sich mit Wohlgefallen und Liebe an. Bei Artuswerden sie mit Freude empfangen. Die Königin lässt Eniteprächtig kleiden und führt sie dann zu Artus und den Ritternder Tafelrunde. Sie kommt neben Artus zu sitzen, und dieserübt jetzt sein Recht, indem er sie auf den Mund küsst. Erekund Enite werden feierlich vermählt: grosse Festlichkeiten fin-den statt, späterhin ein Turnier, wo Erek den Preis davonträgt.Als jedermann seine Tapferkeit rühmt, bedenkt Enite, welcheGefahr ihr aus einer solchen kampflustigen Gesinnung ihresGemahls erwachsen könne. Erek zieht hernach in seine Hei-math zu seinem Vater Lac, dessen Hauptstadt Karnant heisst,zurück und wird aufs Beste empfangen. (1292—2923.)
Hiermit scheint das Gedicht beendigt; allein es ist nur dieEinleitung, welche die Verhältnisse darstellt, in welchen sichder eigentliche Inhalt entwickelt, der wiederum, wie es bei einerDichtung, die eine höhere Bedeutung in sich schliesst, seinmuss, aus der eigenthümlichen Natur der Hauptpersonen her-vorgeht.
Erek gibt sich ganz der Liebe und den Liebkosungen seinerFrau hin, und einer weichlichen, nur Genuss suchenden Üppig-keit sich überlassend, wandelt er seine Sitte und beträgt sich,als wäre er nie ein Mann gewesen. Er lässt seine Gesellen