1 28 ZUR GESCHICHTE DES REIMS.
winde : erwinde : linde (Subst.): linde (Adject.). wandelbare :bsere : swsere : gebasre. gedingen : dingen : ringen : geringen, ge-meine (Adj.) : gemeine (Verb.) : reine : gebeine; unter diesenReimen ist kein rührender mit gleicher Bedeutung der Wörter.Das zweite Lied besteht aus einer Strophe von zwanzig Zeilen(47, 16—35). Die ersten sechs lauten
Ich minne, sinne lange zit:
versinne Minne sich,
wie sie schone löne miner tage.
nü löne schone: dest min stät:
vil kleine meine mich,
niene meine kleine mine klage,
der vierfache Reim wird hier durch Schlagreime je in zweiZeilen gebildet, und es ist Bedingung, dass der erste und viertewie der zweite und dritte zugleich rührende sind. In den beidenersten Zeilen sind es Wörter mit verschiedener, in den vieranderen aber mit völlig gleicher Bedeutung. Dieser Art sindin einer sonst gleich gebildeten Strophe eines Unbekannten(Lachmann zu Walther 47, 16) auch die beiden ersten, alsosteht hier herre : verre : verre : herre. hulde : schulde : schulde :hulde. niuwe : riuwe : riuwe : niuwe. Ist Walther der Dichterdes Liedes Ich minne, sinne? Es wird in der HeidelbergerLiederhandschrift (S. 9. 10) dem Reinmar zugelegt, das machtes schon zweifelhaft. Mich dünkt es nicht wahrscheinlich, dassWalther sich zu einer solchen überkünstlichen Spielerei mit demReim, wenn sich in seinen anderen Gedichten kein Gegenstück524 findet, herabgelassen habe, freilich auch nicht Reinmar, wiewohl4 sich anführen lässt, dass dieser mit unerträglicher Wiederholungdes Worts minne, die einige Male einem Schlagreim gleichtund doch keiner ist (MS. 1, 776), etwas Ähnliches sich erlaubthat, aber diese Strophe wird auch Heinrich von Rücke (MS. 1,98) beigelegt. Auch das zuerst angeführte Lied Ein meister lasscheint mir Gesinnung und Ausdruck nach nicht Walthers Geistzu verrathen, und ich stimme den Gründen Wackernagels (Alt-französische Gedichte S. 218. Geschichte der Litt. S. 199) bei,der es ihm abspricht. Ich gebe noch weitere Beispiele einessolchen vierfachen Reims, von welchen Gottfried von Neifen die