1. Das russische Reich im 17. Jahrh. (1G13—1689). 17
andern Angelegenheiteil und wurden, wie es scheint, ausschliesslich odervorzugsweise in die Aemter der Hof-Chargen (Strjaptschi), des Staats-Raths (Duma), der Hof beamten (Stolniki) und sonstigen Hofämter gesetzt,erhielten auch zugleich Statthalterschaften, den Oberbefehl über die Trup-pen und die höchsten Staatsämter und Gesandtschaftsposten.
Mit den Shilzen (s. u.) zusammen bildeten sie ein besonderesLeib-Regiment (Leib-Garde oder -Wache), welches den Herrscher inden Krieg begleitete, mitunter auch auf Befehl des Monarchen den höchstenWojewoden beigegeben wurde, in friedlichen Zeiten war dieses Corpsverpflichtet, verschiedene Hoffeste und Ceremonieen mitzumachen (bei derAnkunft fremder Gesandten u.s. w.), bisweilen auch begleiteten Abthei-lungen des Corps die grossen russischen Gesandtschaften ins Ausland.Das Corps wurde eingetheilt in mehrere Sotnien (zu 100 Mann), derenHäuptlinge (Golowy) Männer aus den vornehmsten Geschlechternwaren. Diese Sotnien zerfielen in die Sotnien der Stolniki (Hof-Chargen), Strjaptschi (Hofbeamten), Dworjanen (Adligen) undShilzen, von deren jeder es mehr als eine gab. Die zum Leib-Regi-ment gehörenden Adligen lebten nicht alle beständig in Moskau, sondernwechselten im Dienste daselbst halbjährig ab, die übrige Zeit auf ihrenGütern zubringend, bis die Reihe wieder an sie kam oder ein Feldzugsie rief. Ueberdem gehörten auch nicht alle Moskauer Adligen zumLeibregimente, viele derselben bildeten noch ein besonderes Corps, dashöher stand als die städtischen Adligen.
Shilzen Messen die besten auserlesenen Männer aus den Adligen,welche aus den Städten nach Moskau geschickt wurden, um dort ein halbesJahr Dienst zu thun und die verschiedenen Dienstobliegenheiten zu betrei-ben. Sie gehörten den reicheren und berühmteren Geschlechtern derStadt-edelleute (städtischen Adligen, s. u.) an, oder hatten diese Ehre durch Tapfer-keit im Kriege, Gewandtheit und schöne Erscheinung verdient. Siegenossen viele der Vorrechte, welche den Moskauer Adligen verliehenwaren, die Besten unter ihnen bildeten besondere Sotnien in dem Leib-regimente. Sie wurden zu den Moskau ischen Chargen (Mos-kowskie Tschiny) gezählt und erhielten für ihren Dienst besondereLehnseinkünfte, Erbgüter und Sold, ganz so wie die MoskauischenAdligen.
Die städtischen Adligen lebten in ihrenStädten und waren imBesitz von geringeren Rechten und. Vorrechten als die Moskauischen, in-dem sie weniger Lehnseinkünfte und Gehalt erhielten und wenige^ -wichtige Obliegenheiten zu erfüllen hatten. Zur Friedenszeit wurdenihnen in den Städten und Bezirken die Aemter der Polizei-Starosten(Criminal-Vorstand), der Belagerungs - und Schützenfuhrer und Sotnik's(Hauptleute über 100 Mann), auch sogar verschiedene Ehrenämter bei
ßalitzin, Allgera. Kriegsgeschichte. I. Snpplem. 2