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Abth. 3, Die Neuzeit Supplement 1 (1882) Russische Kriege im 17. Jahrhundert
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1. Das russische Eeich im 17. Jährh. (16131689). 9

unterhalten. Alle Mängel dieses Systems, seit Einführung desselben durchIwan III. , hatten zu häufig sich zu grösstem Nachtheil des Staates wieseiner Waffenerfolge documentirt, und dies um so mehr, als damit derverderbliche Rangstreit (Mjästnitschestwo) verknüpft war, in Folgedessen die Ernennung der Wojewoden nicht nach Würde und Fähigkeiten,sondern nach dem Alter des Geschlechtes stattfand. Niemals aber warendiese Fehler mit solcher Gewalt und Schädlichkeit hervorgetreten, alsgrade in den 8 Jahren, welche der Zeit der Unruhen vorhergingen. Siewaren auch die hauptsächliche Ursache, dass der Krieg zu dieser Zeit solange dauerte, volle 8 Jahre, Russland verheerte, schwächte undaussog, und es in eine so gefahrvolle Lage brachte, dass, um es zu ret-ten, die Regierung genöthigt war, Hülfe von einer auswärtigen Macht von Schweden unter sehr schweren Bedingungen zu erbitten.

Es könnte hiernach scheinen, dass mit dem J. 1618 eine sehr ge-eignete Zeit und Gelegenheit gekommen war, um das Heeres-Lehns-System in Russland durch das obenerwähnte zu ersetzen. Leider aber standder moskowitische Staat dem westlichen Europa noch ganz fremdartig ge-genüber, und war das russische Volk den von Alters hergebrachten Gebräu-chen ergeben , in Unwissenheit und Rohheit versunken, allem Fremdenund Nichtrussischen abgeneigt. Dazu kam, dass, wie gesagt, der Staatverwüstet, geschwächt war, sich in grösster Verwirrung befand; die in-neren Feinde waren zwar überwunden, mit Schweden und Polen einFrieden geschlossen, aber zur Befestigung der Ruhe im Innern und derSicherheit nach Aussen für die Zukunft war sofort ein Heer erforderlich,gleichgültig wie es beschaffen war. Diese Ursachen konnten augenschein-lich die gründliche und volle Umgestaltung des Kriegssystemes desReiches nicht begünstigen, ja sie erlaubten nicht einmal, sich damit zubeschäftigen, und zwangen nothwendigerweise dazu, sich nur auf diebeste Ausbildung des Heeres zu beschränken, ohne dessen ursprünglichesFundament zu ändern, und nur allmälig in den Bestand desselben einigeTheile von stehenden Truppen einzuführen, welche nach abendländischemMuster regulär formirt waren.

So grade verfuhren auch Michael Feodorowitsch und Philaret,indem sie vor Allem mit einer weisen, von Letzterem vorgeschlagenenMaassregel begannen, welche in vieler Hinsicht, namentlich auch in Be-zug auf das Heeres-Lehns-System, wichtige und wohlthuende Folgenhatte. Das war die Ausführung eines allgemeinen Verzeichnisses desReiches, d. h. Aufnahme der Läuderstrecken, welche der Krone, denStädten, den Klöstern und den Privaten gehörten, mit allen Pertinenzien,der Anzahl der von ihnen einlaufenden Erträge an Produkten verschie-denster Art, der Anzahl der Höfe, der Bewohner u. s. w. Die in Folgedessen aufgestellten Cataster-Bücher (Register, Pisszowyja