5. Der siebenjährige Krieg. 141
der Hauptmacht der österreichischen Armee am 24. Mai eine sehr starkePosition bei Gewitz ein und schob einzelne Detachements unter den Gene-ralen Hart, Janus, Deville, Eszterhazy u. a. nach verschiedenen im We-sten, Südwesten, Süden und besonders im Nordwesten von Olmütz gele-genen Punkten vor.
Mit der Ankunft Daun's in Mähren wurde die Lage der preussischenArmee von Tag zu Tag schwieriger und gefährlicher. Daun war dersel-ben an Streitkräften und leichten Truppen bedeutend überlegen. Dieletzteren, mehr und mehr die preussische Armee einschliessend, umzin-gelten sie schliesslich von allen Seiten und begannen hauptsächlich aufdie Communicationen derselben mit Schlesien und der Festung Neisse zuoperiren, indem sie den Preussen die Zufuhr von Proviant, Munition u. s. w.erschwerten, gleichzeitig aber die eigene Armee vollständig deckten.Die Bevölkerung Mährens war den Preussen feindlich gesinnt und in Ol-mütz befehligte ein sehr erfahrener, kenntnissreicher Commandant (derGeneral Marschall). Die am 27. Mai eröffnete Belagerung von Olmützwurde von den preussischen Ingenieuren äusserst ungeschickt und lang-sam und von den preussischen Trappen, die Belagerungen weder liebtennoch an solche gewohnt waren, nur mit Widerwillen ausgeführt. End-lich, was das Wichtigste und Auffälligste ist, zersplitterte Friedrich zurDeckung der Belagerung seine Armee in Detachements, die unzuverläs-sige Communicationen unter einander hatten; und anstatt mit seiner Haupt-macht Daun entgegenzurücken und ihn, wenn auch nicht durch Kampf,so doch wenigstens durch Manövriren und durch Kampfandrohung vonOlmütz fern zu halten oder ihn gar zum Rückzuge aus Mähren zu zwin-gen, wählte er reine Defensiv-Operationen, die eben so wenig dem Geistder preussischen Truppen entsprachen wie Belagerungen, und blieb mitseiner Hauptmacht bei Prossnitz in Unthätigkeit, unaufhörlich und aufallen Punkten nur einen sehr lebhaften kleinen Krieg führend, der jedochgrösstentheils für die Oesterreicher erfolgreich und vortheilhaft ausfiel,die preussischen Truppen hingegen nutzlos ermüdete und entkräftete.Die Folge davon war, dass sich die Truppenzahl der preussischen Armeemehr und mehr verminderte, das Belagerungsmaterial erschöpfte undder Mangel an Proviant, besonders an Fourage, fühlbarer wurde, wäh-rend unter den Belagerungstruppen Muthlosigkeit und Abnahme an Be-geisterung sich verbreiteten.
Inzwischen hatten sich die Belagerer schon dem Glacis genähertund Daun erhielt den Befehl Olmütz auf jeden Fall zu befreien. Erwagte es nicht sich mit Friedrich in einen Kampf einzulassen, sondernbeschloss seinen Zweck durch Manövriren und dadurch zu erreichen, dasser mit grösserer Wucht gegen die Communicationen der preussischen Ar-mee operirte. In dieser Absicht ging er am 16. Juni unbemerkt mit der