2. Das Kriegswesen und die Kriegskunst in der Periode von 1740—1792. 47
Friedrich II. im Allgemeinen weder ein Freund künstlicher Befestigungen,noch des Festungskrieges selbst war.
Die Feldbefestigungskunst entwickelte und vervollkommnete sich intheoretischer Hinsicht unabhängig von der permanenten Befestigungs-kunst und ward besonders gefördert in Frankreich durch Cleragne (?)und in Deutschland durch Gaudy. Im Kriege wurden die Feldbefesti-gungen viel seltener angewandt als früher; dafür aber wurde die Anlageund Errichtung derselben mehr und besssr dem Terrain angepasst.
Die Oesterreicher, die von jeher gewohnt waren, der Terrainbeschaf-fenheit grössere Wichtigkeit beizulegen, weil sie den Einfluss derselbenauf die Kriegsoperationen zu würdigen verstanden, richteten ein beson-deres Augenmerk auf die geschickte Wahl der Oertlichkeit und auf dieVerstärkung ihrer Positionen durch dieselbe sowohl wie durch künstlicheBefestigungen. Daher pflegte die österreichische Armee'im Felde sichfast immer und in allen Fällen zu verschanzen. Friedrich IL hingegenlegte den durch die Oertlichkeit starken Positionen grössere Wichtigkeitbei als den künstlichen Befestigungen, die er als ein untergeordnetes,wenngleich nützliches Mittel, den Truppen grösseres Selbstvertrauen ein-zuflössen, erachtete.
Von den Neuerungen und Verbesserungen in der Feldfortificationsind zu bemerken: die Einführung hölzerner Blockhäuser und in denEedouten der Querwälle, die Errichtung von achteckigen Redouten odervon solchen in Form der früheren Sternschanzen, die Festsetzung derStärke der Brustwehren an den Feldbefestigungen auf 12—18 Fuss (dieseStärke ward jedoch oft überschritten), die Einführung des Feuerns vonBanquetten aus — anstatt des früheren Feuerns aus Schiessscharten —,wobei die Artilleristen durch Schanzkörbe , durch vor den Feldbefesti-gungen errichtete Wolfsgruben, Pallisaden, Minen, Verhaue, künstlicheUeberschwemmungen u. dgl. m. gedeckt waren (um den Angreifern dieAnnäherung zu erschweren und die Bestürmung zu hindern, versuchteneinige Ingenieure in den Feldbefestigungen verdeckte Wege einzuführen,was jedoch erfolglos war): ferner (besonders im amerikanischen Kriege)der Gebrauch von mit Geschützen armirten Flössen zur Bestreichungeinzelner Uferposten an Flüssen und Seen — u. s. w.
Einige Ingenieure wollten "die befestigten Linien durch die sägeför-mige oder gezahnte Verbindung derselben mit den Basteien verstärken.Friedrich IL aber und ein grosser Theil der Ingenieure verwarfen gänz-lich die befestigten Linien, indem sie denselben das System einzelnerBefestigungen mit gegenseitiger Flankenvertheidigung [systeme de re-doutes saillantes et rentrantes) vorzogen. Montalembert wollte dieses undjenes System durch Errichtung viereckiger, durch zahnförmige Linienmit einander verbundener und durch Fleschen und Contregarden gedeckter