30 I- Dreiasigjähriger Krieg.
nach der Strecke des Hauptwalles (1 Mann auf 2 Fussj oder der Zahlder Polygone (von 800 bis 1000 Mann auf jedes) berechnet.
Der Belagerung der Festungen ging, wie auch früher, die Umzinge-lung derselben durch Herrichtung ausgebreiteter Circum- und Contrc-vallationsliuien, voraus. Diese Linien hatten Profile, Aussenwerke etc.einigermassen ähnlich den Festungen; die Herrichtung derselben erfor-derte grosse Mühe und viel Zeit. Gegen Ende des 30jährigen Kriegesbegannen die Schweden und dann die Kaiserlichen die Belagerungendirect durch Anlage von Laufgräben und Errichtung von Batterien.Bisweilen wurde nur eine Contrevallationslinie (bei der Belagerung vonLa Bochelle im Jahre 1624) angelegt. In weiterer Entfernung von derFestung wurde eine einfache Sappe, bei näherer Entfernung aber einegedeckte Sappe angelegt. Auf sumpfigem Boden ging man geradezuvermittelst einer vertieften Sappe, die von den Seiten durch Brustwehren,aber von oben mit Faschinen, Schanzkörben etc. gedeckt wurde. BeiBelagerungen von Bergfestungen und solcher, die hohe Wälle hatten,wandte man die unterirdische Sappe an. Um den Ausfällen widerstehenzu können und um die Arbeiten zu decken, errichteten die Belagererbisweilen die Angriffsfronte umfassende Laufgräben (späterhin Parallele;.Ausser den Vollkugeln und Bomben wurden in die Festung aus MörsernKörbe mit Steinen und Handgranaten geschleudert, wurden Explosionenmit Steinen etc. gemacht. Die Minenkunst war in der Theorie noch nichtvervollkommnet, und daher war, wenngleich die Minen sehr oft ange-wandt wurden, ihre Wirkung doch nicht immer erfolgreich. Zum Ueber-gange über Gräben wurden ausser den frühern Mitteln oft auch schwim-mende Brücken aus Seeschilf, Tonnen, kleinen ledernen Bolen etc.angewandt.
Die Belagerten (mehr die Franzosen und Niederländer, als dieDeutschen) führten Contreapprochen. Bis zum Ende des 30jährigenKrieges vertheidigten die Belagerten nie den gedeckten Weg, und nurzum ersten Male kommt eine solche Vertheidigung durch Niederländerund Spanier bei den Belagerungen von Gravelines im Jahre 1644 undDünkirchen im Jahre 1646 vor. In den Niederlanden waren die Schleusenein wichtiges Vertheidigungsmittel der Festungen. Durch die Schleusenwurden die Gräben mit Wasser gefüllt, oder der Wasserstand in den-selben so erhöht, dass der Uebergang über die Gräben dadurch sehrerschwert wurde. Uebrigens waren die Mittel zur Vertheidigung derFestungen, Uebergang über die Gräben und Breschen ganz dieselbenwie früher. Es kam sehr oft vor, dass aus Mangel an Belagerungs-utensilieu, oder in Folge fehlerhafter Anordnungen zum Angriffe seitensder Belagerer unbedeutende durch Mauern und Thürme befestigte Punktesich sehr lange hielten und einige Male den Angriff der Belagerer ab-