Kriege und Feldzuge Timm-Leng's oder Tamerlan's (1359—1405). 795
Sohn Omar -Scheich mit einem starken Heerhaufen nach Süden vondem Nebesny-Gebirge, durch das Eiserne Thor, das Kaluga genanntwurde, um die dort sich verbergenden Feinde zu schlagen (was Omar-Scheich auch vollbrachte) und durch Kusan, Utscheferman und Kasch-gar nach Andekan zurückzukehren. Die anderen Corps marschirtennördlich der Nebesny-Berge, Timur selber aber ging voraus und trafnach 22 Tagen in Samarkand ein (Karawanenmarsch — zwei Monate).
Mit dieser Zertrümmerung seiner schlimmsten Feinde sich nicht be-gnügend, schickte er im Jahre 1390 abermals 25000 Mann in dieselbenGegenden. Ueberall Feinde aufstöbernd, folgten sie der Spur desKhans derselben. Kamar-Eddin, verfolgten ihn, bis sie erfuhren,dass er in die Wälder jenseits des Irtysch geflohen sei, und kehrtendann nach 6 monatlichem Zuge nach Samarkand zurück.
Durch eine derartige Vernichtung, Plünderung des Eigenthums undGefangennahme des grössten Theiles der Einwohner aus den Provinzenund Ländern seiner Feinde, der Usbeken, im Norden, Osten, Süden undWesten von Samarkand hatte Timur für lange Zeit sich gegen derenEinfälle gesichert und konnte ruhig den Krieg gegen Tochtamyschbeginnen, der über die zahlreichen Kräfte der Goldenen Horde verfügte.
§. 230.Feldzug in die Goldene Horde gegen Tochtamysch. (1391).
Tochtamysch, welcher der Hülfe Timur's seine Einsetzung aufden Thron der Goldenen Horde verdankte, erwies sich nicht nur hierfürnicht dankbar, sondern hatte die Kühnheit, ja die Unklugkeit gehabt,dessen engere Besitzungen anzugreifen, sogar unter Mitwirkung seinerFeinde, der Usbeken, zu einer Zeit, wo Ti'mur sich fern in Süd-Per-sien befand. Es ist sehr natürlich und begreiflich, dass ein Charakter,ein asiatischer Eroberer wie Timur, welcher sich vorgenommen hattedas Mongolen-Reich Dshingis-Khan's wieder herzustellen, solcheTücke und Treulosigkeit Tochtamy sch's nicht unvergolten lassenkonnte, nicht aus Rache allein, sondern auch hauptsächlich aus gesun-der Politik. Der Khan der Goldenen Horde konnte als VerbündeterTimur's Letzterem bei Herstellung des mongolischen Reiches beb Ulf-lich sein, als sein Feind aber musste er ihm das sehr erschweren undsogar gefährlich machen 1 , da er das mächtige Chorasm und die nichtminder mächtigen geschworenen Feinde Timur's, die Usbeken, aufseiner Seite hatte. Die Vereinigung dieser Aller war äusserst bedrohlichfür Timur, konnte ihm sogar verderblich werden. Obgleich die Be-sitzungen Tochtamysch's von denen Timur's durch weite Steppengetrennt waren, so war Tochtamy seh doch ein mächtiger Feind, der