Kriege der Türken. 783
und gegen die Insel Cypern entsendet, welche nach Einnahme vonNikosia und Famagusta unterworfen wurde. Kandia und die ionischenInseln wurden furchtbar verheert, endlich aber erlitt die Türkische aus240 Galeeren, 40 Galioten und 20 kleinen Briggs bestehende, vomSeraskier Petref-Pascha, dem Kapudan-Pascha Muezzin-Zade-Ali, und vielen anderen Paschas befehligte Flotte am 7. Oktober 1571in der berühmten Seeschlacht bei Lepanto (Festung und Hafen inGriechenland, am Vereinigungspunkte der Meeresbusen von Lepantound Patras) durch die vereinigte Flotte des Papstes Pius V., des KönigsPhilip p's II. von Spanien, und Venedig's (100 Kriegsschiffe und 200Galeeren, mit 50000 Mann Fussvolk und 4500 Keitern) unter Befehl vonDon Juan D'Au Stria, dem natürlichen Sohne Karls V., eine totaleNiederlage und wurde fast gänzlich vernichtet. Die Türken verloren225 Schiffe, von denen 94 verbrannten, die übrigen mit 117 grossen und256 kleinen Kanonen und 3500 Türken gefangen genommen wurden;15000 christliche Gefangene wurden dabei in Freiheit gesetzt. Uebrigenshatte dieser entscheidende Sieg, der in ganz West-Europa einen Freuden-taumel erregte, gar keine wichtigen Folgen, weil die gewöhnlichen Miss-helligkeiten zwischen den Verbündeten den Türken die Zeit gaben zurAufstellung einer neuen Flotte. Venedig, von Spanien ungenügendunterstützt, schloss im Jahre 1573 Frieden mit der Türkei, zahlte ihreine bedeutende Geldsumme und erhielt von ihr alle in Dalmatien ge-machten Eroberungen zurück. Im Jahre 1574 nahmen die Türken dasvon Don Juan unterworfene Tunis wieder und machten einen Feldzugin die Moldau gegen den sich empörenden Hospodar Johann, welchernach dreitägiger Schlacht besiegt, gefangen genommen und geköpftwurde. Danach starb S e 1 i m, nachdem er den Waffenstillstand mitOesterreich erneuert hatte, am 12. Dezember 1574 an den Folgen derVöllerei.
§. 226.Kriege unter Murad III. (1574—95).
Selim'sII. Sohn und Nachfolger, Murad III., unfähig, schwach,unter dem Einflüsse seiner Weiber und Höflinge stehend, war umNichts besser, als sein Vater und legte gleich ihm den Anfang zu demVerfall der türkischen Macht. Sokolli, seines Einflusses verlustig,starb im Jahre 1579, und nach seinem Tode vermehrten sich die Unruhenund Unordnungen im Innern. Mit Oesterreich fanden, trotz des abge-schlossenen Friedens, häufige Grenz-Scharmützel statt. Der Krieg mitPersien brachte in dem Jahre 1578 und den folgenden Jahren wenigewirkliche Vortheile, kostete aber viele Menschen und viel Geld. End-